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Das kleine Spinnenmonster

Ausstellung über Zecken im Tiergarten - 16.05.2008

In so manchem Alptraum dürfte Ixodida, so der wissenschaftliche Name der Zecken, schon zu so stattlicher Größe angewachsen sein. Gefahr geht aber eher von den Bakterien (Borreliose) und Viren (FSME) aus, die sie mit sich schleppt.

In so manchem Alptraum dürfte Ixodida, so der wissenschaftliche Name der Zecken, schon zu so stattlicher Größe angewachsen sein. Gefahr geht aber eher von den Bakterien (Borreliose) und Viren (FSME) aus, die sie mit sich schleppt. © Gerullis


«Bereiten Sie ihren Ausflüge aufs Land sorgfältig vor», rät «Schädlings-Biologin» Eva Scholl vom Bund Naturschutz. Am besten besprühe man seine Schuhe mit einem Insektizid (Permethrin), ziehe Strümpfe über die Hosenbeine oder trage Gummistiefel. «Manchmal muss man sich eben zwischen Eitelkeit und Gesundheit entscheiden», meint Scholl.

Wer selten oder nie von einer Zecke gestochen wird, kann ruhig lästern. Für alle anderen Mittelfranken besteht allerdings die Gefahr, dass drei Prozent der Zecken mit einem Virus infiziert sind, der eine Hirnhautentzündung auslösen kann (FSME) und 15 Prozent mit Bakterien (Borrelien), die Borreliose hervorrufen.

Die Zecke selbst ist ungefährlich. Aus dem Ei schlüpft eine winzige, sechsbeinige Larve. Sie macht sich auf die Suche z.B. nach einer Maus, saugt Blut, überwintert und reift zur geschlechtslosen Nymphe heran. Im nächsten Jahr muss vielleicht ein Fuchs zur «Blutabnahme» und die Zecke wird geschlechtsreif. Nach einer letzten Mahlzeit legt das Weibchen bis zu 3000 Eier und stirbt. «Von allen Entwicklungsstadien saugen vor allem die Nymphen am Menschen», erklärt Scholl.

Das Verhalten der Zecken ist temperaturabhängig. Unter zwölf Grad ruhen sie, zwischen zwölf und 24 Grad erklimmen sie Gräser und Sträucher. Steigt die Temperatur weiter an, klettern die Tiere wieder in Richtung Boden, auf dem sie so schnell krabbeln können wie eine Ameise. Anders lautenden Gerüchten zum Trotz fielen Zecken nicht von Bäumen, sagt Scholl. Dort oben sei es viel zu windig, sie würden austrocknen.

Der CO2-Ausstoß der Atemluft verrät uns

Die Tiere riechen mit den Vorderbeinen. «So, wie wir Knoblauchgeruch wahrnehmen, erkennen sie das Kohlendioxid unserer Atemluft», erklärt Scholl. Nachdem die Zecke bis zu 14 Jahre auf ihre Chance gewartet hat, stößt sie ihren Stechrüssel innerhalb von Millisekunden in die Haut eines Opfers. Wählerisch ist der Parasit nicht: Etwa 300 Tierarten, darunter auch Haustiere und Vögel können zu Wirten werden.

Und natürlich der Mensch. Vorbeugung sei das Gebot der Stunde, so Scholl. «Legen Sie ihre Freizeitkleidung nie im Schlafzimmer ab.» Wer ganz sicher gehen möchte, sollte die Dienste eines Wäschetrockners in Anspruch nehmen. Ohne Feuchtigkeit könne keine Zecke überleben.

Da die Borrelien in Mäusen leben, bevor sie von der Zecke herausgesaugt werden, sollte man im eigenen Garten sorgfältig darauf achten, dass die Nager nicht so viel zu fressen finden. «Hinterfragen sie Ihre Bedürfnisse», sagt Scholl. Wer Angst vor Zecken habe, müsse sich nicht unbedingt einen Hund oder eine Katze anschaffen.

Die von der Firma «Baxter BioScience» konzipierte Wanderausstellung informiert auf Schautafeln über das Zeckenproblem. Zwei Modelle, ein Mikroskop und ein 3D-Film zeigen die Spinnentiere im Detail. Zudem gibt es Informationen zu Borreliose und FSME.

«Gegen Zecken kann man sich nicht impfen lassen», sagt Professor Frank Erbguth, vom Klinikum Süd. Nur gegen das FSME-Virus. Die dreistufige Impfung sei gut verträglich und biete für drei bis fünf Jahre einen neunundneunzigprozentigen Schutz vor der Hirnhautentzündung. «2007 wurden in Bayern 123 FSME-Fälle gemeldet, während 500 Menschen auf den Straßen starben».

Panikmache sei nicht angebracht. Vor allem bei der Borreliose, die mit Antibiotika gut zu behandeln ist. «Ich warne Sie vor der Informationsquelle Internet», sagt der Neurologe. «90 Prozent dessen, was dort über Borreliose steht, ist gebündelter Unsinn, der Sie von einem Arzt zum nächsten treibt.»

Der Mediziner kritisierte auch Kollegen, die mit der Angst der Leute offenbar gute Geschäfte machten: Die begrenzt aussagekräftige Blutuntersuchung auf Borrelien-Antikörper habe derzeit Hochkonjunktur. 

Mathias Orgeldinger

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