Mittwoch, 21.11.2018

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Deutscher Hof ist bauhistorisch wertvoll

Altstadtfreunde und Stadtheimatpfleger gegen Abriss: - 31.01.2009

Bei genauem Hinsehen sind am Deutschen Hof interessante Detail zu erkennen. © Gerullis


«Der Deutsche Hof ist ein historisch bedeutsames Gebäude und seit langem als Einzeldenkmal gelistet. Auch wenn es im Zweiten Weltkrieg beschädigt und nur vereinfacht wieder aufgebaut wurde, so ist das Anwesen mit der verzierten Fassade und den original erhaltenen Treppenhäusern immer noch von bauhistorischem Wert», stellt Lauterbach fest. Das Gebäude, das 1912/1913 von dem Architekten Hans Müller errichtet wurde, passe vorzüglich in die Umgebung mit Opernhaus und Stadtmauer.

May schätzt die Situation ähnlich ein: «Der Denkmalcharakter des Gebäudes wurde in mehreren Stellungnahmen des Landesamtes für Denkmalpflege der vergangenen Jahre explizit gewürdigt und dabei ein Abbruch klar und deutlich ausgeschlossen.» Es könne nicht zugelassen werden, so May in seiner Stellungnahme, dass nach dem Milchhof ein weiteres Baudenkmal von übergeordnetem Rang aufgegeben werde.

Wie berichtet, plant Kochinvest zusammen mit der LHI-Leasing GmbH München eine Neubebauung des Geländes zwischen Lessingstraße, Frauentorgraben und Weidenkellerstraße in direkter Nachbarschaft zum Verkehrsmuseum. Wie die Neubebauung mit Büroflächen einmal aussieht und welche Nutzungen realisiert werden, ist noch offen. Derzeit haben acht Architekturbüros ihre Vorschläge eingereicht. Eine Entscheidung über die Architektur soll noch in diesem Frühjahr fallen. Bis 2011 ist die Umsetzung geplant. Das Verkehrsmuseum würde zwar gerne seine Ausstellungsflächen bis an den Frauentorgraben verlängern, doch gilt es derzeit als unwahrscheinlich, dass die Bahnzentrale in Berlin das Anliegen unterstützt. Kochinvest und LHI haben die Grundstücke, die der Maritim-Gesellschaft gehören, allerdings noch nicht gekauft.

«Das Gesicht Nürnbergs zeigt seine schönen Seiten nicht nur in seinen Denkmälern oder deren Resten, sondern eben auch in den Zwischenräumen und neueren Zubauten. Die gilt es zu fördern und das ist eine Aufgabe der gesamten Stadt, unserer ganzen Gesellschaft», fordert dagegen Andreas Emminger, Vorsitzender der Kreisverbands vom Bund Deutscher Architekten. Emminger wünscht sich ein Konzept von der Stadt, wie sich der öffentliche Raum zwischen Hauptbahnhof, Richard-Wagner-Platz und Frauentorgraben entwickeln soll, damit Investoren einen verlässlichen Rahmen haben. Die städtebauliche Lösung müsse in einem Wettbewerb gefunden werden. Hannes Hinnecke, Mitarbeiter von Baureferent Wolfgang Baumann, stellte gestern klar, dass es derzeit keine Zustimmung der Denkmalschutzbehörde zu einem Abriss des leer stehenden Deutschen Hofes gebe: «Das Gebäude ist in der Denkmalschutzliste eingetragen. Dringend zu erhalten sind die Fronten, die beiden Treppenhäuser, der Reliefschmuck und das

Sandsteinchörlein.» Auch wenn der vordere Teil in jedem Fall stehen bleibe, so müsse gleichwohl der Umbau im Inneren möglich sein. Beim Saalbau zur Lessingstraße hin, sei ein Abbruch denkbar. Entscheidend sei aber die städtebauliche Gesamtlösung.

Ein Prospekt der Kochinvest Unternehmensgruppe suggeriert aber, dass das ganze Quartier durch eine Neubebauung ersetzt werden könne. Von der Einbindung eines unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes, auch in Teilen, ist nicht die Rede. Stadtrat Hartmut Beck von den Freien möchte jetzt in einem Antrag an die Stadtverwaltung klären lassen, wie der Stand des Projekts ist.

Laut May war Müller einer der profiliertesten Architekten seiner Zeit. Der Deutsche Hof, im Stil der Neorenaissance erbaut, war ursprünglich ein Lehrervereinsheim mit angeschlossenem Hotel. Politischem Druck ausgesetzt, musste die Lehrerschaft das Anwesen 1936 an die NSDAP verkaufen, weil Adolf Hitler gerne in dem Hotel übernachtet hatte, wenn er die Reichsparteitage in Nürnberg besuchte. André Fischer 

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