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«Die Blockaden in den Köpfen lösen»

Nürnberger Resolution fordert Frauenanteil von 40 Prozent in Führungspositionen - 20.03.2009

OB Ulrich Maly als Hahn im Korb: Er gehört mit zu den Unterzeichnern der Nürnberger Resolution, die sich für die Erhöhung der Frauenquote in Führungspositionen stark macht. © Issler


Die Resolution setzt sich unter der Leitung von Martine Herpers für eine gesetzlich geregelte Quote von 40 Prozent Frauenanteil in Aufsichtsräten deutscher Aktiengesellschaften und in Führungspositionen in der Privatwirtschaft ein. Vergangenen Dienstag unterschrieb auch der SPD-Parteivorsitzende Franz Müntefering in Berlin die Resolution.

Müntefering hat, Ursula von der Leyen hat noch nicht unterschrieben

«Das ist natürlich ein Wahnsinnserfolg für unsere Resolution, die ja erst im Oktober 2008 gegründet wurde», sagte Herpers auf einer Pressekonferenz im Hotel Drei Raben, immer noch überwältigt von dem Ergebnis. Auch mit der Familienministerin Ursula von der Leyen traf sich die Abordnung der Nürnberger Resolution – unterschrieben hat sie jedoch nicht. «Wir werden auf jeden Fall dranbleiben», sagte die promovierte Informatikerin Herpers. «Denn wir wollen eine breite Basis für unsere Resolution, damit nach dem Wahlkampf unsere Arbeit nicht vergessen wird.»

Bisher liegt nach Angaben Herpers der Frauenanteil in den Aufsichtsräten börsennotierter Unternehmen in Deutschland nur bei drei Prozent. Damit liegt Deutschland im europäischen Vergleich ganz weit hinten – nur noch Portugal und Italien weisen einen geringeren Frauenanteil auf. In Norwegen wurde die 40-Prozent-Regelung im Jahr 2002 eingeführt – mit großem Erfolg, wie Herpers findet.

«Viele Studien unterstreichen, dass multinationale Konzerne mit einem überdurchschnittlich hohen Frauenanteil im Top-Management deutlich höhere Renditen als der Branchendurchschnitt erzielen», erläutert die Initiatorin. Grund seien die verschiedenen Potenziale von Männern und Frauen, die in einem gemischten Führungsteam trotzdem ideal miteinander verbunden werden könnten. «Die Mischung aus Risiko- und Sicherheitsmanagement führt nachweislich zu höheren Gewinnen», sagte Herpers.

«Man muss jenseits der Quote jedoch auch an der Haltung arbeiten», forderte OB Maly. Auch innerhalb der Stadtverwaltung hat er immer noch mit längst überholten Vorurteilen zu kämpfen. Maly: «Das Argument, es gebe nicht genug qualifizierte Frauen oder Frauen verfügten nicht über ausreichend Kompetenzen für eine Führungsposition, ist schon lange überholt. Wir müssen die Blockade in den Köpfen lösen, die Frauen den Aufstieg in Führungspositionen verwehren.» Mit seiner Unterstützung will Maly der Metropolregion eine Vorreiterrolle im Einsatz für die Quotenregelung geben.

Statistik unterscheidet nicht zwischen Männlein und Weiblein

Mit durchschnittlich 32 Prozent sei der Frauenanteil in Führungspositionen innerhalb der Metropolregion erfreulich hoch, so Herpers. Jedoch konnten auf Anfrage leider weder Aufsichtsräte noch Industrie- oder Handelskammern zuverlässige Daten liefern.

«In keiner Statistik wird eine Differenzierung nach dem Geschlecht vorgenommen», kritisierte SPD-Stadträtin und Erstunterzeichnerin Katja Strohacker. «Und das ist das Problem: Bisher reden wir nur über eine gefühlte Wahrnehmung.» Derzeit unterstützen über 200 deutsche weibliche und männliche Führungspersönlichkeiten die Nürnberger Resolution. «Es gibt noch viel zu tun – packen wir es an», bringt es Maly auf den Punkt. Katrin Meistring

www.nuernberger-resolution.de 

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