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Dieser Nürnberger kämpft in Afrika gegen Wilderer

Ralph Koczwara hat eine schwer bewaffente Nashorn-Schutztruppe aufgestellt - 11.08.2018 06:00 Uhr

Ralph Koczwara lebt und arbeitet in Nürnberg und ist als passionierter Handballer Vizepräsident beim HC Erlangen. Hier steht er vor einem getöteten Elefanten. © Hemmersbach Rhino Force


Herr Koczwara, wie viele Nashörner könnten zu Ihnen sagen: "Danke, dass du mich gerettet hast"?

Ralph Koczwara: Da kann ich keine seriöse Zahl nennen. In unserem Operationsgebiet an der Westflanke des Kruger Nationalparks, wo die Wilderer durch private, schlecht geschützte Reservate einfallen, greifen wir im Monat gut 35 Menschen auf. Die sind zwar nicht alle darauf aus, Nashörner zu schießen - manche schmuggeln etwa Drogen. In ganz Südafrika werden aber drei Nashörner am Tag gewildert, in unserem Gebiet sterben nun 44 Prozent weniger Tiere, 50 Prozent streben wir an.

Im letzten Jahrzehnt verhundertfachte sich die Zahl gewilderter Nashörner in Südafrika. Warum?

Koczwara: Weil ein vietnamesischer Politiker 2007 behauptet hat, Nashornpulver habe seinen Krebs geheilt. Seitdem giert der ostasiatische Markt erst recht nach dem vermeintlichen Wundermittel. Keine seriöse Studie hat irgendeine Wirkung nachgewiesen, trotzdem zahlen Endkunden inzwischen 70 US-Dollar für ein Gramm, bei zwölf Kilo Horn pro Tier sind das gut 840.000 US-Dollar. Verdammt viel Geld, erst recht in Afrika.

Was war Ihr Erweckungserlebnis?

Koczwara: Ich war 2015 auf Foto-Safari im Kruger Nationalpark und fragte einen Ranger, was sie hier für Probleme hätten. Anstatt mich mit irgendwelchen Floskeln für Touristen abzuspeisen, brach er plötzlich in Tränen aus und erzählte vom hoffnungslosen Kampf gegen übermächtige Gegner, in Syndikaten organisiert und viel besser ausgestattet. Vor ihren Augen schlachteten die Verbrecher die verbliebenen Nashörner ab. Das hat mich tief berührt. In dem Moment habe ich mir gesagt: Viel Geld mit der Wartung von Computern zu verdienen, ist schon cool. Aber gibt das dem Leben einen Sinn? Das tut es nicht.

Also gründet ein Deutscher eine Privatarmee, geht zurück in den afrikanischen Busch und jagt Wilderer?

Koczwara: Daran sieht man, wie absurd die Situation vor Ort ist. Die großen Hilfsorganisationen tun nicht wirklich etwas, die staatlichen Strukturen versagen. Und wir reden hier von Südafrika, das im afrikanischen Vergleich Erste Welt ist. Man hat mich jedenfalls als den "crazy German" bezeichnet, den verrückten Deutschen.

Warum haben Sie nicht einfach Geld gespendet?

Koczwara: 21 Milliarden Euro fließen pro Jahr an Spenden in den Naturschutz. Wo ist denn die ganze Kohle hin? Viele NGOs (Nichtregierungsorganisationen, d. Red.) verwalten erst mal sich selbst und sind ihren Spendern gegenüber in der Pflicht. Ich will unabhängig sein und das Nötige mit eigenen Händen direkt vor Ort umsetzen - mit "direct action".

Das heißt konkret?

Koczwara: 20 Prozent des Firmengewinns fließen in Projekte, die Ungerechtigkeiten in der Welt bekämpfen. Ich nehme keine Spenden an und verlange vor Ort kein Geld. Jedes Jahr fliegen 100 meiner Mitarbeiter für zehn Tage nach Afrika, wo sie direkt helfen, etwa auf Patrouille gehen, ein Flugzeug fliegen, Verträge aushandeln.

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Die Hemmersbach Rhino Force bei ihrer gefährlichen Arbeit

Ein Wettrennen gegen abgebrühte Wilderer liefert sich die Hemmersbach Rhino Force am Rande des Kruger Nationalparks in Südafrika. Der Nürnberger IT-Unternehmer Ralph Koczwara leistet sich diese Elitetruppe für ihn eine sinnstiftende Lebensaufgabe. Hier sieht man, wie hart seine Ranger arbeiten, um die Art vor dem Aussterben zu retten.


Was können Sie besser als andere?

Koczwara: Wer Wilderer bekämpft, hat oft eine schlechtere Ausstattung als die, die er jagt. Wenn dann der Schuss aufs Tier gefallen ist, ist es zu spät. Meine Trupps haben Waffen, Boote, eine Cessna, moderne Jeeps, eine Hundestaffel. Sie suchen nach Spuren, fahren nachts ohne Licht, denn sie spähen mit Radar und Nachtsichtgeräten weit in den Busch. Sie sehen, wenn jemand im Dunkeln mit Waffen herumschleicht. Wir greifen zu, bevor ein Tier getötet wird.

Dürfen Sie das überhaupt?

Koczwara: Es ist eine Grauzone. Wir arbeiten aber eng mit einer Eliteeinheit der afrikanischen Polizei zusammen, der wir vertrauen können. Die hat die rechtlichen Befugnisse, mit ihr stimmen wir unsere Aktionen ab. Wir halten die Wilderer fest und übergeben sie dann an diese Einheit.

Und Sie sind sicher, dass die nicht gleich wieder entlassen werden?

Koczwara: Leider nicht immer. Deshalb stellen wir auch forensische Beweise sicher. Wir holen zum Beispiel die Kugel aus dem Leib der erschossenen Tiere, denn die ist vielleicht der Beweis, dass sie aus dem Gewehr des gefangenen Wilderers abgegeben wurde. So etwas wollen die Richter natürlich sehen.

Sie haben mehrfach angedeutet, dass es mit vielen offiziellen Stellen im Land Probleme gibt.

Koczwara: Allerdings. Sehen Sie, wenn man in Südafrika keine Wilderei wollte, gäbe es auch keine Wilderei. Es verdienen einfach viel zu viele Menschen daran, vom einfachen Dorfbewohner bis hinauf in die hohe Politik. So wurde etwa ein Video lanciert, auf dem ein Minister für Nationale Sicherheit Arm in Arm mit einem Verbindungsmann der asiatischen Hehler-Mafia zu sehen ist.

Ihre Mittel dagegen?

Koczwara: Unbestechliche Partner finden, die das gleiche Anliegen haben wie wir. Und die Menschen vor Ort für unsere Arbeit begeistern, indem wir ihnen Schulen ausstatten, ihnen beibringen, wie wichtig eine intakte Natur für sie ist, ihnen Alternativen zur Wilderei zeigen. 

Matthias Niese Magazin am Wochenende / Gute REISE E-Mail

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