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Eine Heimat in der Fremde

Frauen- und Mädchenzentrum hilft - 21.11.2012 19:41 Uhr

Für Özlem Öz ist das internationale Frauen- und Mädchenzentrum e.V. mehr als nur ihre Arbeitsstelle. Schon als kleines Kind, seit dem Jahr 1979, war die Pädagogin mit ihrer Mutter ein oft gesehener Gast in der Denisstraße 25 und zählte zu den „Forschungskindern“: Im Rahmen eines Projektes untersuchte damals ein Forschungsteam die frühkindliche Entwicklung bei türkischen Kindern.

Die Forscherinnen haben schnell erkannt, wie wichtig eine Begegnungsstätte für die Mütter ist, in der sie eine Beratung bekommen, Deutsch lernen und sich austauschen können. Es war die Geburtsstunde des Vereins. „Ich bin mit dem Zentrum aufgewachsen“, sagt die Nürnbergerin. Heute hilft Öz anderen Mädchen und Frauen mit Migrationshintergrund, ihren Weg in Deutschland zu gehen.

Inzwischen zählt das Zentrum täglich mindestens 150 Besucherinnen unterschiedlichster kultureller Herkunft, Kinder nicht eingerechnet. Die Einrichtung hat sich zu einer wichtigen Anlaufstelle vor allem für die Bewohnerinnen des Stadtteils entwickelt. „Eine Herausforderung für uns ist die räumliche Enge. Wir könnten noch mehr machen, aber es ist eine Frage des Platzes.“

Ein Umzug wäre für das Zentrum aber kaum möglich, erläutert Öz: „Wir wollen in Gostenhof bleiben, denn hier sind wir schon seit 32 Jahren aktiv und sehr bekannt.“ Für manche Angebote mietet die Einrichtung eben Räume in der näheren Umgebung, etwa im Nachbarschaftshaus Gostenhof. Ein größeres Problem ist ohnehin die Finanzierung. „Wir haben Einnahmen durch Sprachkurse und Spenden, aber ansonsten sind wir auf die freiwilligen Zuschüsse der Stadt angewiesen und bangen jedes Jahr, ob es für uns weitergehen kann“, sagt die Pädagogin.

Fünf Integrationskurse bietet die Einrichtung an, auch Alphabetisierungs-, PC-, Nähkurse. Außerdem gibt es viele Freizeitangebote und Infoabende. „Viele Frauen kommen aber auch zu uns in die Beratung“, so die Zentrum-Mitarbeiterin. Die Anliegen der Besucherinnen sind sehr unterschiedlich. Manche brauchen Unterstützung bei persönlichen Problemen oder Schwierigkeiten in der Familie. Oft müssen aber die Mitarbeiterinnen des Zentrums den Frauen bei der Lösung von behördlichen Fragen zur Seite stehen.

Mit welchem Problem oder welcher Frage die Besucherinnen auch immer kommen: „Unsere Aufgabe ist es, Frauen zu stärken und ihnen die Wege zu zeigen.“ Viele, die einmal das Zentrum aufgesucht haben, kommen immer wieder. Für manche bedeutet dieser Schritt raus aus der Isolation, weiß die Pädagogin: „Sie knüpfen hier Kontakte, man hört ihnen zu, sie lernen das System in Deutschland kennen.“ Öz kann dann die Entwicklung bei den Frauen beobachten, die sie sehr erfreut: „Bei ihnen ändert sich sogar die Körperhaltung, sie werden selbstbewusster.“

Hausaufgabenunterstützung ebnet Weg für höhere Schullaufbahn

Eine wichtige Säule in der Arbeit des Zentrums bildet die Mädchenarbeit. Für Mädchen bietet das Zentrum Hausaufgabengruppen sowie Schülerförderung an. „Wir begleiten die Kinder auf ihrem schulischen Weg. Wir unterstützen und motivieren sie und machen ihnen deutlich, dass es mit einem Hauptschulabschluss noch lange nicht Schluss sein muss, es kann weitergehen“, erzählt Öz. Ein Beispiel dafür ist Kübra. Seit der sechsten Klasse kommt sie in die Denisstraße 25.

„Damals hatte ich Probleme bei den Hausaufgaben, meine Eltern konnten mich dabei nicht unterstützen. Eine Nachbarin hat dann mir und meiner Schwester das Zentrum empfohlen“, erinnert sich die heute 18-Jährige. Zweimal in der Woche lernte sie in der Einrichtung und verbesserte sich so stark in der Schule, dass sie ab der achten Klasse eine sogenannte M-Klasse besuchen und die mittlere Reife erwerben konnte.

Inzwischen besucht die junge Frau die 12. Klasse der Fachoberschule (FOS). Dass sie einmal so weit kommt, hätte Kübra früher selbst nicht für möglich gehalten: „Lehrer haben uns Angst gemacht, dass es in der FOS sehr schwer sein wird.“ Doch es läuft ganz gut bei der Schülerin. Sie kann immer noch beim Lernen auf die Einrichtung zählen: „Wenn es nötig ist, bekomme ich Unterstützung in Sozialkunde oder Geschichte. Das Zentrum unterstützt die Schüler sehr.“ Als sie noch kleiner war, blieb sie nach der Hausaufgabengruppe noch länger im Zentrum, im offenen Mädchentreff. „Wir haben gemeinsam gekocht oder haben etwas Kreatives gemacht. Die meisten Mädchen da waren meine Freundinnen.“

Nächstes Jahr macht Kübra ihr Fachabitur, danach will sie Bauingenieurwesen studieren. „Aber auch dann würde ich gerne ab und an vorbeischauen. Ich fühle mich immer sehr wohl hier.“

Der Verein Internationales Frauen- und Mädchenzentrum freut sich über jede Geld- und Sachspende. Sachspenden können in der Denisstr. 25 in Nürnberg abgegeben werden, bitte vorher anrufen unter Tel. 0911/269176. Spendenkonto: Sparkasse Nürnberg, Konto-Nr. 1061938, BLZ 76050101, Stichwort: „Wunschzettel“.


  

Ella Schindler

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