Mittwoch, 14.11.2018

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Gründeten Schweinfurter die Burg?

Neues Buch zur Geschichte von Nürnbergs Wahrzeichen - 29.03.2007

Nürnbergs Wahrzeichen von einer seiner schönsten Seiten. Die Kaiserburg soll älter und bedeutender gewesen sein als bislang angenommen, so die Autorin Birgit Friedel. © Gerullis


Das Buch ist eine Dissertation über die Baugeschichte der Burg mit vielen prächtigen Bildern, erläuternden Skizzen und Zeichnungen. Es ist aber auch ein Buch über den Umgang mit der Burg im Verlauf der Geschichte: Im 19. Jahrhundert wollten die Wittelsbacher die Kaiserburg als Königsschloss nutzen und ließen sie ausbauen. Die Nationalsozialisten entfernten dann alle romantisierenden Einbauten des 19. Jahrhunderts.

Friedel ist nach ihren Ausgrabungen sicher, dass es schon vor 1050 eine große Burg an der gleichen Stelle wie der Kaiserburg gegeben hat: «Die Burg war so groß wie die heutige Burg. Das belegen die bei den Grabungen gefundenen Brandspuren.» 1050 gilt als Gründungsjahr Nürnbergs, denn mit einer Urkunde ist die Freilassung der Leibeigenen Sigena dokumentiert. Die jüngsten Grabungsfunde in Nürnberg würden belegen, so Friedel, dass Nürnberg wahrscheinlich schon im 10., vielleicht auch schon im 9. Jahrhundert besiedelt gewesen sei. Schriftliche Quellen gebe es aber nicht. Für plausibel hält Friedel die Überlegung, dass die mächtigen Markgrafen von Schweinfurt die Nürnberger Burg gegründet haben. Als sie sich mit Kaiser Heinrich II. anlegten und ihre Burgen niedergebrannt wurden, könnte es 1003 auch die Nürnberger Burg erwischt haben. Die Einäscherung der ersten Nürnberger Burg war komplett, wie die Ausgrabungen gezeigt haben.

Laut Friedel hätten viele Historiker, die sich mit der Baugeschichte der Burg befasst haben, mit Annahmen bei der Datierung oder Bauentwicklung gearbeitet. Die Nürnberger Burg sei auch nicht wie Rom auf sieben Hügeln entstanden, wie ein einflussreicher Autor einmal behauptet hatte. «Das geht bautechnisch nicht», stellte Friedel fest. Der Palas sei auch nicht in mehreren Etappen gebaut worden. Nicht Friedrich Barbarossa habe die Bauten der Burg geprägt, sondern seine Vorgänger. Wohl aber nutzte er die Burg als Repräsentationsort. Reisende aus Byzanz seien zwischen 1210 und 1220 regelmäßig nach Nürnberg gekommen - Weltgeschichte in Nürnberg. Ulrich Großmann, Generaldirektor des Germanischen Nationalmuseums, lobte die Dissertation, weil sie viele offene Fragen klären konnte.

«Die Nürnberger Burg wurde gezielt als Symbol des Kaisertums ausgebaut», sagte Friedel. Die Söhne Friedrichs II., Rudolf von Habsburg und Friedrich III., hätten sich sehr oft in Nürnberg aufgehalten. Das spannendste Kapitel in dem Buch geht über die Reste einer hölzernen Rundkapelle, die bei den Friedelschen Ausgrabungen im unteren Palas gefunden wurden: Die Rundkapelle könnte der Aufenthaltsort für die Reichskleinodien gewesen sein. Viele Führer über die Nürnberger Burg müssen jedenfalls umgeschrieben werden. Bei der Ausstellung in der Burg wurden die neuen Erkenntnisse schon eingearbeitet. André Fischer

Birgit Friedel: Die Nürnberger Burg. Geschichte, Baugeschichte und Archäologie. 176 Seiten, 214 Abbildungen, Imhof-Verlag, 29,95 Euro. 

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