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Hilfe auf dem Weg zur Selbstständigkeit

Das Projekt "Bleib in Nürnberg" kümmert sich um Flüchtlinge - 03.12.2012 10:19 Uhr

Das Team von "Bleib" unterstützt Flüchtlinge, die in Deutschland geduldet werden, die aber keinen Aufenthaltsstatus haben. Bildung ist für sie ein ganz wichtiges Thema. © Roland Fengler


Die Nachfrage nach einer Unterstützung durch „Bleib“ ist enorm – etwa 450 Teilnehmer zählt das Projekt. „Wir sind an der Grenze unserer Belastbarkeit angekommen“, sagt Geßl.

Bei den Menschen, die das Büro des Projektes im Internationalen Haus am Hans-Sachs-Platz 2 aufsuchen, handelt es sich um Personen, die in Deutschland geduldet werden, aber keinen Aufenthaltsstatus haben.

Die beiden „Bleib“-Mitarbeiterinnen stehen ihnen mit Rat und Tat zur Seite, damit sie einen Arbeitsplatz finden. Das ist alles andere als einfach, betont Coskun: „Sie haben einen nachrangigen Anspruch auf dem Arbeitsmarkt. Dennoch finden viele eine Arbeit.“

Im Rahmen des Projektes vermitteln die beiden Frauen Flüchtlinge in berufsbezogene Sprachkurse oder auch Ausbildungen. „Es gibt so viele Jugendliche, die gerne eine Ausbildung machen möchten. Sie wollen etwas zurückgeben, dürfen aber oft nicht“, erläutert Coskun. Häufig müssen sie und ihre Kollegen die Betreuten über ihre Möglichkeiten und Rechte aufklären.

Seit etwa einem Jahr besteht zum Beispiel das Bleiberecht für langjährig geduldete Jugendliche zwischen 16 und 21 Jahren. Viele von ihnen wissen nichts davon, stellt Geßl immer wieder fest: „Aber viele Ausländerämter informieren nicht über positive Entwicklungen.“

Überhaupt ist Lobbyarbeit für Flüchtlinge eine wichtige Aufgabe des Projektes, das hauptsächlich durch europäische Mittel und durch das Land noch bis Oktober 2013 finanziert wird. Hier kommt „Bleib“ auch nicht nur die räumliche Nähe zum Integrationsrat der Stadt Nürnberg sehr zugute. „Es ist sehr wichtig, dass das Projekt beim Integrationsrat angesiedelt ist.

Wir leisten nicht nur soziale Arbeit, sondern wollen auch politisch etwas erreichen“, so Coskun. Die Vorsitzende des Integrationsrates, Diana Liberova, legt ebenso Wert auf die enge Zusammenarbeit mit „Bleib“: „Das Projekt macht aus Abstraktion Wirklichkeit. Das Projekt zeigt, dass es um echte Menschen geht. Das kann die Politik beleben.“

In diesem und vergangenen Jahr konnten im Rahmen von „Bleib“ 50 Personen in Beruf, Ausbildung, Berufsschule, Praktikum oder Qualifizierungen vermittelt werden. Über 150 Flüchtlinge besuchen derzeit berufsbezogene Sprachkurse. Die beiden Projekt-Mitarbeiterinnen erreichen mit Unterstützung der Kooperationspartner einiges, alles schaffen können sie nicht, um Flüchtlingen eine möglichst gute Unterstützung zu bieten. Deswegen seien Ehrenamtliche für sie wichtig, sagt Geßl: „Wir brauchen viele ehrenamtliche Dolmetscher.“

Bei Dolmetschertätigkeiten bleibt es oft nicht. So hat sich zum Beispiel Ardashir, der ursprünglich aus dem Iran kommt, einer afghanischen Familie angenommen. „Ich bin zwei- bis dreimal in der Woche bei der Familie“, sagt der ehrenamtliche Helfer. Seit einem Jahr ist die Familie in Deutschland und kann schon dank des Projektes und Ardashirs Bemühungen kleine Erfolge vermelden: Die 18-jährige Sayerh besucht inzwischen eine Berufsschule, ihre 13-jährige Schwester Maryam besucht eine Schule für Körperbehinderte.

Doch der Berg an Problemen ist nach wie vor groß. So wohnt die Familie zu fünft in zwei Zimmern und teilt sich mit anderen Flüchtlingen noch Küche und Bad. „Es ist zu eng“, sagt die Mutter. Eine Wohnberechtigung haben sie. Nur: Wo findet man als Flüchtlingsfamilie eine Wohnung, die dazu noch wegen Maryam, die im Rollstuhl sitzt, barrierefrei sein muss?

Zu ehrenamtlichen Unterstützern des Projektes zählt auch Gerhard Friedrichs. Der 75-Jährige kümmert sich vor allem um Flüchtlingskinder: „Sie sind nicht dümmer als andere Kinder, haben aber weniger Chancen.“ Zu „seinen“ Kindern zählt unter anderem Omar, dessen Familie aus Aserbaidschan kommt und von der Abschiebung bedroht wird. Friedrichs unterstützt den Neunjährigen in der Schule.

Omar hat einen Traum: „Ich möchte gerne ins Gymnasium.“ Eine Ausnahme ist er damit nicht, weiß Coskun: „Man darf die Motivation der Menschen, die hierherkommen, nicht unterschätzen.“ Auch die Mutter von Sayerh und Maryam hat einen Wunsch für sich und ihre Kinder: „Gute Ausbildung, einen Beruf ergreifen, auf eigenen Beinen stehen und nützlich sein für sich und andere.“
  

Ella Schindler

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