Mittwoch, 19.12.2018

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Jetzt ziert auch die Stadtfahne die Burg

Aller guten Dinge sind drei Flaggen - 16.07.2009

Auf der Kaiserburg kommt seit gestern Franken zu seinem symbolischen Recht: Neben der deutschen Flagge auf dem Palas und der bayerischen auf dem Heidenturm weht die Nürnberger Stadtfahne auf dem Fünfeckturm. © Gerullis


Von einer Zeremonie konnte keine Rede sein. Nur die Uhrzeit war schön gewählt: Genau zum Mittagsgeläut entfaltete sich gestern die rot-weiße Fahne auf dem Fünfeckturm, von einem leisen Klingeln der Ringe am Mast begleitet. Mitarbeiter des Hochbauamts zogen sie vom Dachboden aus hoch. Das war’s. Unspektakulär wollte die Stadtspitze die Aktion haben. Es gebe nichts zu sagen, sondern alles zu sehen.

Die Fahne ohne Stadtwappen weht nun an der Spitze eines acht Meter hohen Mastes, der wettersicher auf den 44 Meter hohen Turm gesetzt wurde. An die 25 000 Euro kostet die Installation, mehr als geplant. Heute jährt sich der amtliche Stadtgründungstag, der 16. Juli 1050 – doch dass der Mast ausgerechnet dann in Betrieb geht, sei nur ein Zufall, sagt Siegfried Zelnhefer, Leiter des städtischen Presseamts.

Ziel ist die Abrüstung

Denn Oberbürgermeister Ulrich Maly möchte die Sache dahinter nicht so hoch hängen wie die Fahne. Es erscheint paradox, aber er lässt sie hissen, um sie mit den anderen beiden baldmöglichst wieder einholen zu können. Mit der Präsenz will er wohl auch entnervt einen Schlussstrich unter die Vorschlagsreihe der Politiker und Patrioten ziehen, die sich abwechselnd Europa- und Frankenrechenfahnen hinzuwünschten.

Die Vorgeschichte: Im Sommer 2008 hatte das bayerische Finanzministerium die ihm unterstellten Schlösser und Burgen dauerhaft mit Weiß-Blau und Schwarz-Rot-Gold beflaggen lassen. Dahinter stand der Wunsch des Innenministers Joachim Herrmann nach mehr öffentlich sichtbarem Nationalbewusstsein. Die nichtstaatliche Frankenfahne lehnt er für staatliche Gebäude jedoch ab; die Nürnberger Stadtfahne – günstigerweise ebenfalls rot-weiß – lässt er zu, zumal der Fünfeckturm sowieso der Stadt gehört.

Vor dem ministeriellen Fahnenerlass wehten die Fahnen nur zu ausgewählten Anlässen. Genau zu dieser Form der Hoheitsbekundung will Oberbürgermeister Maly zurückkehren, und das hat er dem Innen- und dem Finanzminister schon geschrieben. Weniger aus Vorbehalten gegen das Land Bayern als wegen der Symbolkraft, «außerordentliche Ereignisse im Erscheinungsbild der Stadt hervorzuheben», wie Stadtsprecher Zelnhefer erklärt.

Demnach soll die Nürnberger Burg die drei Fahnen in Zukunft nur zur Spielwarenmesse, zum Christkindlesmarkt und zur Orgelwoche zeigen, außerdem am Tag der Franken, am Stadtgründungstag, zur Verleihung des Menschenrechtspreises und an Feier- oder Trauertagen. Der Schriftwechsel mit München läuft noch.

Solange weht Rot-Weiß auf der Burg. Und schon darf das Gezänk weitergehen. Michael Frieser, Vorsitzender der CSU-Stadtratsfraktion, wünscht sich nämlich, die Stadtfahne auf Dauer und nicht nur zu besonderen Anlässen aufzuziehen. «Auch an anderen Stellen im Straßenbild würden uns Staats- und Stadtflaggen gut tun.» Schließlich habe die Flaggen-Leidenschaft bei der Fußball-WM und EM «ohne eine Spur von Überheblichkeit» bewiesen, dass in Deutschland inzwischen ein «weltoffener und toleranter Patriotismus» funktioniere wie in den USA oder Frankreich. 

Isabel Lauer

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