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Digitale Medien: Schaden Tablet und Co. unseren Kindern?

Hirnforscher Manfred Spitzer hält Technik im Klassenzimmer für kontraproduktiv - 20.03.2017 17:02 Uhr

Das Tablet im Klassenzimmer ist nicht unumstritten. Ist es eine wichtige Lernhilfe, oder lenkt es Kinder gar vom Unterricht ab?

Das Tablet im Klassenzimmer ist nicht unumstritten. Ist es eine wichtige Lernhilfe, oder lenkt es Kinder gar vom Unterricht ab? © obs/Tyler Olson


Der Trend geht dahin, dass Klassenzimmer mit elektronischen Tafeln, den Whiteboards, oder Tablets digitalisiert werden. Hirnforscher Manfred Spitzer aus Ulm hat sich im großen Interview mit den Nürnberger Nachrichten ausdrücklich dagegen ausgesprochen.

Seine Kernaussagen in der Übersicht:

"Digitale Medien lenken ab"

"Digitale Medien im Unterricht lenken erstens ab; der Effekt ist nachgewiesen, es sind etwa zehn bis 15 Prozent weniger Lerner­folg. Zweitens: Elektronische Bücher sind weniger geeignet als solche aus Papier. Wenn man Studenten aus dem Silicon Valley fragt, dann sagen sie, bei einem Bildschirm weiß ich nicht, ob das, was da steht, auch stimmt. Beim Lesen von Büchern (aus Papier) ist das anders. Da weiß man, die Inhalte wurden vor dem Drucken lektoriert, überprüft etc. und hat mehr Vertrau­en."

"Digitale Medien verleiten zur Oberflächlichkeit"

"Digitale Medien verleiten außerdem zur Oberflächlichkeit – man liest vom Bildschirm, nicht vom Buch. Und wenn ein Student in der Uni mittippt, bleibt weniger hängen als wenn er mit der Hand mitschreibt. Es geht immer um das Gleiche: Die Sachen, die man lernen soll, müssen im Kopf verarbei­tet werden. Je komplizierter die Bewe­gungen beim Schreiben sind, desto mehr muss sich das Gehirn anstren­gen und desto mehr bleibt hängen.

"Digitale Geräte machen dick und krank"

"Man muss die Kinder so lange es irgend geht vor digitalen Geräten schützen. Was wir alle immer vergessen: Digitale Geräte schaden der Gesundheit. Sie verursa­chen Haltungsschäden, Dickleibig­keit, einen hohen Blutdruck, Depres­sionen und Angstzustände. Außerdem erzeugen sie in einem hohen Ausmaß Sucht."

"Facebook macht Kinder unglücklich"

"Nachgewiesen ist, je mehr jemand Facebook nutzt, desto depressi­ver und ängstlicher wird er, desto weni­ger Sozialkontakte hat er. Facebook macht Kinder unglücklich, dazu gibt es nicht eine, sondern ein halbes Dut­zend wissenschaftlicher Untersuchun­gen."

"Fernsehen macht dick, dumm und aggressiv"

"Fernsehen ist am besten untersucht und wahrscheinlich nicht so gefährlich wie die neueren digita­len Medien. Aber: Weil es Fernsehen seit 60 Jahren gibt, lie­gen dazu alle Daten der Welt vor. Man muss tatsächlich sagen: Es beeinträch­tigt die Bildung und die körperliche Aktivität, es macht schlichtweg dick. Je länger Jugendliche Fernsehen schauen, desto aggressiver werden sie. Das Fernsehen macht also dick, dumm und aggressiv. Es gibt sehr vie­le sehr gute Studien, die das ganz klar zeigen."

Was ist Ihre Meinung?

Der Trend geht zur Digitalisierung im Klassenzimmer. Müssen wir dort dringend gegensteuern?

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Eine Auswahl der Einsendungen wird gegebenenfalls auch auf der gedruckten Meinungsseite in den Nürnberger Nachrichten mit Angabe des Namens und des Wohnorts (ohne Straßenangabe) erscheinen. Falls Sie damit nicht einverstanden sein sollten, bitten wir Sie, dies in Ihrem Kommentar zu vermerken. 

Interview: Dieter Schwab

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