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Ist die Produktion von Pelzen ethisch noch vertretbar?

Nackt-Protest gegen Modehaus Breuninger - Falsche Etiketten - 20.12.2017 05:57 Uhr

Unter dem Motto "Lieber nackt als mit Pelz" haben Tierschützer in der Karolinenstraße gegen den Verkauf von Echtfell protestiert. © Roland Fengler


Bei Temperaturen um zwei Grad fordert eine Aktivistin vom Deutschen Tierschutzbüro - lediglich mit Turnschuhen, Socken und Tattoos bekleidet - vor dem Modehaus: "Lieber nackt als mit Pelz. Breuninger, werde pelzfrei!"

Ein Besuch in jenem Kaufhaus in der Karolinenstraße, Abteilung Damen Exquisit. Der Blick aufs Etikett eines hochpreisigen Wintermantels, Marke Max Mara, verrät: "Artikel mit Zubehörteilen aus Japan-Seefuchs, Ursprung China". Ein gebräuchlicher Tarnname für den zur Familie der Hunde gehörenden Marderhund.

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Nacktprotest vorm Breuninger: Tierschützerin zieht blank

Im Winter gehören Mantel, Mütze und Schal zur Grundausstattung, wenn man sich raus in die Kälte begibt. Nicht so für eine Mitarbeiterin des Deutschen Tierschutzbüros, die am Dienstagmittag bei eisiger Kälte vor der Nürnberger Filiale demonstrierte.


"Eine Fantasiebezeichnung und klare Verbrauchertäuschung", kommentiert Jan Peifer, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Tierschutzbüros in Berlin. Breuninger-Sprecher Christian Witt dazu: "Wir achten sehr streng darauf, dass alle Produkte, die wir verkaufen, korrekt gekennzeichnet sind. Bei Fehlverhalten gehen wir dem umgehend nach."

Die Tierschutzorganisation hat im November eine bundesweite Anti-Pelz-Kampagne gegen das Mode-Unternehmen gestartet. "Breuninger ist eines der letzten deutschen Warenhäuser, die überhaupt noch Echtpelz im Sortiment führen", kritisiert der Vorstandsvorsitzende, "dabei ist die Produktion der Pelze nachweislich mit enormer Tierquälerei verbunden."

Laut Recherchen der Tierrechtler stammen die meisten verwendeten Pelze im Breuninger-Sortiment aus dem Ausland, wo es kaum oder überhaupt keine Tierschutzgesetze gibt - wie zum Beispiel China. "In winzigen Käfigen, auf Gitterböden, leiden Marderhunde, Nerze und Füchse, bis sie brutal mit Stromschlägen oder Gas getötet werden und ihnen teilweise bei lebendigem Leib das Fell abgezogen wird", so Peifer. Auch Hunde und Katzen sterben dort für die Pelzproduktion, berichtet er.

Seine Kritik: "Über 100 Millionen Tiere pro Jahr müssen weltweit qualvoll ihr Leben für ein unnützes Accessoire lassen, zum Wärmen wird Pelz schon lange nicht mehr in Deutschland verwendet und braucht es bei den unzähligen Alternativen auch nicht."

Als "überzogen" bezeichnet Kürschnerin Margit Feller die Aktion der Tierschützer, sie betreibt seit 47 Jahren ein eigenes Pelzgeschäft in Nürnberg. "Pelz und auch Leder gehören zu unserer Gesellschaft dazu", meint sie. Die Akzeptanz für Pelz sei in den vergangenen Jahren gerade bei jungen Leuten gestiegen.

Dass es auch ganz ohne Echtfell geht, zeigen Unternehmen wie Jack Wolfskin, Hugo Boss, Zalando, C&A, Zara oder Galeria Kaufhof. Sie sind aus dem Pelzhandel ausgestiegen und beim internationalen "Fur Free Retailer Program" gelistet. Richard Skornia, Geschäftsführer der C&A-Filiale in der Nürnberger Innenstadt: "Wir haben uns bereits in den 90er Jahren dafür entschieden, weltweit kein Echtfell mehr anzubieten, da wir die Pelzproduktion ethisch für nicht vertretbar halten. 2013 haben wir das 'Fur Free Retailer Program' unterzeichnet."

Bei diesen Geschäften kann der Verbraucher, der Kunstpelz möchte und kein echtes Fell untergejubelt bekommen will, zugreifen. Denn: Eine klare Deklaration von Pelzprodukten gibt es bis heute in Deutschland nicht. Tierschützer fordern neben einem Handels- und Importverbot zunächst eine gesetzliche Kennzeichnungspflicht für alle Pelzprodukte mit klaren Angaben zur Tierart, Herkunft und den Haltungsbedingungen - nach Schweizer Vorbild.

In der seit 2012 geltenden EU-Textilkennzeichnungsverordnung heißt es lediglich, dass bei Textilien mit weniger als 20 Prozent Echtpelz das Etikett mit dem Hinweis "enthält nichttextile Teile tierischen Ursprungs" versehen sein muss. "Es handelt sich dabei um eine Zusatzinformation für Textilerzeugnisse, eine Art Warnhinweis", erklärt Thomas Lange vom Modeverband German Fashion mit Sitz in Köln. Und betont: "In Deutschland gibt es keine Kennzeichnungspflicht für Pelze."

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Claudia Beyer

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