Dienstag, 20.11.2018

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LGB-Inventar kam unter den Hammer

Trauriger Schlussakt: - 23.06.2008

Auktionator Peter Hämmerle in Aktion: Sechs Stunden lang versuchte er das zu verscherbeln, was von LGB noch übrig war. © Niklas


Das, was von der einst erfolgreichen Firma übrig blieb, landete unter Hämmerles Hammer. Auf der Auktions-Resteliste standen 3000 Produkte, 1500 davon kamen zum Aufruf: Von der Einbauküchenzeile für einen Euro über Hydrokulturpflanzen zu fünf Euro bis zur 18.000 Euro teuren Universal-Fräsmaschine. 1500 Artikel in sechs Stunden, mehr als vier in der Minute. Hämmerle fackelt nicht lang: Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten, Hammer, weg! Für Sentimentalitäten ist kein Platz.

Ganz anders bei denen, die die Auktion nutzten, um zum letzten Mal ihren ehemaligen Arbeitsplatz zu sehen: «Das ist ganz schlimm«, presst einer von ihnen heraus. «Ganz schlimm«, wiederholt er. Mehr geht nicht. Immer wieder finden sich «Ehemalige« in kleinen Grüppchen zusammen und sinnieren darüber, «wie es so weit kommen konnte«.

Ganz klar ist das immer noch nicht: Im Sommer 2006 feierte die Firma mit viel Pomp ihr 125-jähriges Bestehen, nur Wochen später dann die Insolvenz. Kurz darauf Erleichterung bei den 130 Beschäftigten, die jedoch nicht lange währte. Auch der «Retter« Hermann Schöntag meldete Insolvenz an. So landete LGB schließlich «unter dubiosen Umständen«, wie einer sagt, beim Konkurrenten Märklin. Ende Juli 2007 war in Nürnberg letzte Schicht. «Ohne Herz und Verstand«, wie ein Ex-LGB-ler sagt, lässt Märklin die Bahnen in Ungarn bauen.

Das Ende von LGB in Nürnberg hat viele traurige Gesichter: Verloren steht im Keller das sorgfältig nachkolorierte Schwarz-Weiß-Porträt eines der Lehmann-Gründerväter - unbeachtet zwischen Gerümpel. Mit seinem Nachfahren Wolfgang Richter, der LGB bis vor einigen Jahren führte, wäre er wohl noch zufrieden gewesen. Er war Modelleisenbahner durch und durch. Dessen Sohn Rolf und Cousin Johannes Richter, die schließlich das Ruder übernahmen, hätten wohl wenig Lob erhalten. Ihnen wird heute von der Belegschaft nachgesagt, ihr eigenes Wohl vor das der Firma gestellt und damit den Niedergang mit eingeleitet zu haben.

«Man sieht aber immer noch, dass hier einmal gut Geld verdient wurde«, sagt ein Auktionbesucher und zeigt auf die Teppiche und Bürostühle - alles Spezialanfertigungen in Dunkelrot mit LGB-Logo. Sie erzielen später in der Auktion gute Preise bei Sammlern. Was den einen freut, bricht dem anderen das Herz: «Wir haben hier ein so wunderschönes Produkt gemacht«, schwärmt einer mit feucht-glänzenden Augen. «Es hat Spaß gemacht. Vorbei!« Er winkt ab und geht.

Spaß an seinem Job hat auch Peter Hämmerle. Pausenlos rattert er seine Angebote herunter. Als der letzte Hammer fällt, sind 300.000 Euro in der Kasse. Was nicht wegging, landet im Internet. Der Rest - auch der Wandkalender mit dem Aufdruck «LGB - worth its weight in Gold« wandert auf dem Müll. 

Josef Hofmann

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