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Mehr Rechte für die Ortsgemeinden

Aktionstag in der Gustav-Adolf-Gedächtniskirche - 09.05.2011 07:25 Uhr

„Aufbruch Gemeinde“ ist ein Forum innerhalb der evangelisch-lutherischen Kirche, das Tendenzen der Zentralisierung und Hierarchisierung in der Kirche anprangert, Schlee gehört zum fünfköpfigen Sprecherkreis.

Nun will das Forum einen „Gemeindebund Bayern“ ins Leben rufen, die Gründungsversammlung ist für den Herbst geplant. Indem die Ortsgemeinden sich über einen solchen Bund austauschen und vernetzen, so die Hoffnung der Forums, können sie gegenüber der Landeskirche mehr Gewicht erhalten. Kernforderung von Schlee und seinen Mitstreitern ist eine bessere finanzielle Ausstattung der Gemeinden – sie sollten einen Großteil des Kirchensteueraufkommens selbst erhalten und verwalten dürfen und nicht mehr auf die Finanzzuweisungen durch die Landeskirche angewiesen sein.

Vorbild für den geplanten Gemeindebund Bayern ist der Berliner Gemeindebund; der hatte sich 2008 als Reaktion auf das Papier der Evangelischen Kirche (EKD) „Kirche der Freiheit“ gegründet, weil er durch die dort vorgestellten Perspektiven weitere Nachteile für die Ortsgemeinden befürchtete. Gerade die Zwangsfusionen von Gemeinden machten den Berlinern Sorgen. Obwohl nur 42 der 1200 Berliner Gemeinden in dem Bündnis organisiert sind, habe man mit dem Gemeindebund viel erreichen können, referierte dessen Vorsitzender Georg Hoffmann.

Nun drohen Zwangsfusionen in Bayern nicht, wie auch Oberkirchenrat Hans-Peter Hübner in einem Grußwort den rund 100 Teilnehmern des Aktionstages versicherte. Aber dennoch möchten die Aktivisten des Forums mehr Rechte für die Ortsgemeinden. „Die mündige Gemeinde ist eine Aufgabe, die wir lernen müssen“, sagte Wolfgang Schoberth, der sich gegen die Vorstellung großer Leuchtturm-Gemeinden wandte: „Leuchttürme haben die maritime Funktion, dass man an ihnen vorbeifährt.“

Schoberth, an der Erlanger Universität Professor für Systematische Theologie, sprach im Hauptvortrag des Aktionstages über die Frage, wie reformfähig die Evangelische Kirche ist. Er machte dabei gleich zu Beginn deutlich, dass er den Zwist zwischen Modernisierern und Traditionalisten für „lähmend und unergiebig“ hält. Ohnehin sieht er Zentralstrategien – unabhängig davon, ob sie unter der Fahne des Fortschritts oder der Tradition vorgetragen werden – für wenig sinnvoll an, zumal zumeist „die, die sie aushecken, unter ihren Folgen nicht leiden“. Statt eines Reformkonzepts, das von oben herab diktiert wird, setzt Schoberth auf das Eigenleben in den einzelnen Gemeinden, „auf das Handeln vor Ort“: „Auf die Menschen, die dort leben, kommt es an.“ Eine solche Sichtweise ist für Schoberth auch logische Konsequenz aus der Vielgestaltigkeit der Gemeinden. In Gostenhof seien die Aufgaben andere als in Grünwald.

Schoberth machte in seinem Plädoyer für die Stärkung der Ortsgemeinde darauf aufmerksam, dass hierzu auch jene „distanzierten Christen“ gehören, die zwar gläubig sind und sich als Gemeindemitglied verstehen, aber allenfalls zu biografischen Anlässen (Konfirmation, Hochzeit) in die Kirche gehen. Hieraus entstand eine kleine Diskussion – manch engagiertes Gemeindemitglied zeigte sich genervt darüber, dass die „Distanzierten“ nie den Gottesdienst besuchen, dann aber große Ansprüche an die Institution stellen, wenn die Hochzeit ansteht.

  

Marco Puschner E-Mail

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