Samstag, 17.11.2018

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Priester-Ehe mit dem Segen Roms

Weihe in Tschechien anerkannt - 05.03.2009

Der Vatikan hat ein Auge zugedrückt: Wenn Jan Kofron (rechts) Gottesdienst hält, sitzen oft seine Frau und die Enkelkinder mit in der Kirche. © privat


Die Regel lässt an Eindeutigkeit nichts zu wünschen übrig: «Kleriker sind … zum Zölibat verpflichtet.» So bestimmt es der Codex Iuris Canonici, das Kirchenrecht. Damit war für den jungen Tschechen Anfang der 1960er Jahre klar, dass er sich seinen Berufswunsch abschminken konnte. Denn damals wie heute sagt er: «Der Zölibat ist nichts für mich.»

Untergrundkirche hinterließ ein Problem

Trotzdem ist Jan Kofron katholischer Priester geworden. Und dazu haben ihm ausgerechnet politische Umstände verholfen, die eigentlich darauf ausgelegt waren, die Menschen von der Religion fernzuhalten. Jan absolvierte ein Studium der Agrarwissenschaften, so wie es die staatliche Bevormundung für ihn vorgesehen hatte. Doch nach der Niederschlagung des Prager Frühlings zog ihn ein Fensterputzer in seinen Bann. Der war in Wirklichkeit ein Salesianerpater und betätigte sich auf dem Prager Wenzelsplatz als Menschenfischer.

So kam Jan Kofron in Kontakt mit der tschechischen Untergrundkirche, die auch theologische Studien organisierte. Dort nahm man es mit dem Kirchenrecht nicht so genau. Dass Kofron schon lange mit seiner Frau Vera verheiratet war, bedeutete kein Hindernis. 1988 empfing er an einem geheimen Ort von einem geheimen, aber von Rom anerkannten Bischof die Priesterweihe.

Nach der Wende hat sich diese Untergrundkirche aufgelöst – und dem Vatikan ein heikles Problem hinterlassen: Verheiratete Priester, die es gemäß Kirchenrecht gar nicht geben dürfte. In den meisten Fällen war die Lösung ein Übertritt in die griechisch-katholische Kirche, wo Priester verheiratet sein dürfen.

Jan Kofron aber wollte sich nicht noch einmal weihen lassen. «Ich hatte ein Gewissensproblem, denn man soll eine Priesterweihe nicht wiederholen, wenn es wie in meinem Fall keine Zweifel an der Rechtmäßigkeit der ersten Weihe gibt.»

Dass der Vatikan bei aller Strenge in Sachen Zölibat eine Ausnahme machen kann, ist bekannt. Vereinzelt wurden ehemalige protestantische Pfarrer nach einem Übertritt in die katholische Kirche zu Priestern geweiht. Aber dass ein katholischer Priester vom Zölibat entbunden worden wäre, das hat es noch nicht gegeben. Der Prager Erzbischof Kardinal Miroslav Vlk dürfte einen sehr guten Draht zu Benedikt XVI. haben. Kofron: «Der Herr Kardinal hat es durch seinen Einfluss in Rom irgendwie geschafft, dass ich als Einziger direkt im westlichen Ritus dienen warf.»

Seelsorger und Bischofssekretär

Jan Kofron ist der erste verheiratete Mann, der ohne Umweg über eine andere Kirche katholischer Priester geworden ist. Neben seiner Tätigkeit als Bischofssekretär arbeitet Kofron im Prager Hospiz und in der Psychiatrie als Seelsorger. Das oft für den Zölibat vorgebrachte Argument, wonach ein verheirateter Priester zu wenig Zeit hätte, lässt Kofron insofern gelten, als auch er sagt, dass nicht soviel Zeit fürs Studium bleibt.

Andererseits verweist er auf den Wert der Lebenserfahrung: «Wir haben vier Kinder. Und zwischen Theorie und Praxis gibt es eine Kluft, die nur wenige charismatische Persönlichkeiten überbrücken können.» Gattin Vera ist ihrem Priester eine große Hilfe: «Sie unterstützt mich sehr. Ich zeige ihr die Entwürfe für meine Predigt, denn ihre ehrliche Kritik ist für mich ganz wichtig.»

Dass viele Priester mit dem Zölibat ein Problem haben, versteht Kofron, will die Ehelosigkeit aber nicht grundsätzlich in Frage stellen. Der Zölibat sei ein besonderes Charisma, «es ist schön, wenn einer das durchhält». Aber: «Der Zölibat als conditio sine qua non ist nicht immer glücklich.» Die Antwort auf die Frage, ob er für die Aufhebung des Pflichtzölibates sei, lautet daher wenig überraschend: «Selbstverständlich.» Doch Kofron ist klar: Auf absehbare Zeit wird er nur die Ausnahme bleiben, welche die Regel bestätigt. 

Manfred Maurer

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