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Studie: Junge Migranten sind nicht krimineller als Deutsche

Herkunft sagt wenig über Potential aus, Straftäter zu werden - 30.07.2014 17:06 Uhr

Jugendliche Migranten werden nicht häufiger straffällig als deutsche Jungendliche. (Symbolbild)

Jugendliche Migranten werden nicht häufiger straffällig als deutsche Jungendliche. (Symbolbild) © colcourbox.de


Kriminalwissenschaftler Christian Walburg zieht in seinem Gutachten das Fazit, dass das Bild des "kriminellen Ausländers" tatsächlich nur ein Vorurteil ist. Statt des Migrationshintergrundes spiele bei Jugendlichen vielmehr das Dazugehörigkeitsgefühl eine Rolle, wenn es um die Bereitschaft geht, Straftaten zu begehen: "Je besser deren Einbindung in das Bildungssystem gelingt, desto mehr verliert gewaltsames Verhalten an Attraktivität."

Auch sei Delinquenz, also die Neigung sich nicht an rechtliche Grenzen zu halten, ein "vorübergehendes Phänomen" des Erwachsenwerdens, egal aus welchem Land der Jugendliche stammt. Walburg warnt davor, von Einzelfällen auf eine gesamte soziale Gruppe zu verallgmeinern und so zu unzutreffenden Pauschalisierungen zu kommen. Bei seiner Analyse der verschiedenen und sich teils widersprechenden Studien kommt er zu folgenden Kernaussagen:

- Erwachsene Migranten fallen "eher nicht vermehrt durch Straftaten auf".

-"Ausländische [und deutsche] Jugendliche fallen in den letzten Jahren immer seltener mit Straftaten auf."

-Jugendliche ausländischer Herkunft unterliegen einem erhöhten Kriminalisierungsrisiko, weil sie von der Polizei bei Konflikten eher angezeigt werden.

-"Jugendliche mit Migrationshintergrund berichten (...) häufiger von Gewaltdelikten" als ihre deutschen Altersgenossen. Außerdem sind sie "vermehrt unter den Mehrfachgewalttätern zu finden". Allerdings verringert sich dieser Unterschied laut mehrerer Studien von Generation zu Generation.

- Gegen einen Zusammenhang von Herkunft und Anfälligkeit für Straftaten spricht, "dass bestimmte Teilgruppen, etwa Mädchen aus muslimisch geprägten Einwandererfamilien, deutlich geringer delinquenzbelastet sind als nichtmuslimische Jugendliche".

- Durch ein weniger risikoreiches Freizeitverhalten und insbesondere weniger Alkoholkonsum tendieren einige Migrantengruppen deutlich weniger dazu, Gesetze zu brechen.

- Der Zuspruch zur Gewalt hat eher "mit einer größeren sozialen Randständigkeit (Marginalisierung) zu tun als mit spezifischen ethnisch - kulturellen oder religiösen Orientierungen".

Walburgs Gutachten können Sie hier nachlesen. Er hatte im Auftrag des Mediendienstes Integration den Forschungsstand zum Thema Migration und Jugenddelinquenz zusammengetragen. 

Matthias Stiel

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