Mittwoch, 12.12.2018

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Zeichner Sebastian Stamm versetzt fränkisches Dorf ins All

Illustrator wuchs in Oberfranken auf - Comic "Lescheks Flug" bei Rotopolpress - 26.11.2013 07:00 Uhr

Der Roboter Leschek will den Planeten Neulins verlassen. Auch weil der Zahn der Zeit an ihm nagt. © PR/Rotopol/Stamm


„Ich wollte entweder Arzt oder Zeichner werden. Ich habe mich dann aber fürs Zeichnen entschieden“, sagt Sebastian Stamm. Bei vielen Eltern hätte so eine Entscheidung kurz nach dem Zivildienst für lange Diskussionen gesorgt. Doch Stamms Eltern sagten nur: "Mach, was du willst, aber mach es gut.“ Und das hat er. Nicht nur mit den Videospielen beim Indie Game Studio „Black Pants“, bei dem er als Illustrator arbeiten, sondern auch mit seinem ersten langen Comic "Lescheks Flug“.

Geknechtet in einer Spielzeugfabrik, fühlt sich der Roboter Leschek zu Größerem berufen. Das Erbe seines verstorbenen Arbeitskollegen bietet ihm die passende Gelegenheit. Denn in der sonst so runtergekommenen Wohnung findet sich ein Raumschiff. Doch dafür braucht Leschek einen menschlichen Lenker, der die Steuerung handhaben kann. Doch für die Flucht von dem trostlosen Planeten Neulins setzt Leschek alles in Bewegung, um aus der Trostlosigkeit auszubrechen.

"Ein paar Elemente von dem Comic hatte ich schon länger im Kopf", so Stamm. Etwa die Männchen, die letztendlich die Steuerung des Raumschiffes übernehmen. "Das war so ein Versatzstück aus meinem ersten Comic, das ich im Studium gemacht habe. Da waren sie noch in einem anderen Kontext, aber sie haben mich nie ganz verlassen", sagt der 30-Jährige. "Und den Rest der Geschichte habe ich eigentlich relativ schnell geschrieben in der Zeit."

Allerdings verabschiedete sich Stamm schnell von der üblichen Form des Skripts und arbeitete mit kleinen Szenen und Strichmännchen. "Die Geschichte habe ich ständig irgendwelchen Menschen erzählt und dann geguckt, ob man das so versteht und ob meine Intention überhaupt rüberkommt.“

Versatzstücke der Heimat

Zu diesen Menschen gehörten auch die Leute bei Rotopolpress, einem kleinen Verlag aus Kassel, bei dem "Lescheks Flug“ erschien. "Für mich war klar, dass ich bei Rotopol rauskommen wollte“, sagt Stamm. Bei anderen Verlagen hat er es gar nicht erst versucht. Denn die Leute von Rotopolpress sind Freunde von Stamm, mit denen er in Kassel im gleichen Haus lebte und mit denen er gemeinsam studierte.

Der 30-jährige Comiczeichner Sebastian Stamm lebte in seiner Jugend im oberfränkischen Naila. © PR


Weder das Zeichnen noch das Schreiben wollte Stamm bei diesem Comic abtreten. "Die Geschichte ist aber auch so persönlich gewesen – da steckt viel aus meiner Heimat drin, dieses Abgefuckte, dieses Auf-einem-Planeten-Wohnen, wo nur ein Bauernhof steht. Das sind alles so Versatzstücke aus meiner Heimat.“

Stamms Heimat, das ist Naila in Oberfranken, wo er lange lebte. Seinen Zivildienst machte er dort. Mit 19 Jahren ging er dann in die Oberpfalz auf eine Zeichenschule, wo er seine Bewerbungsmappe vorbereitete, mit der es ihn dann an die Kunsthochschule nach Kassel verschlug. Vor drei Monaten zog er nach Berlin.

Charakterzüge vom Großvater

Doch nicht nur der Planet Neulins, der an das oberfränkische Dort angelehnt ist, hat persönliche Bedeutung für Stamm – auch die Hauptfigur. Denn Leschek hat viel mit Stamms Großvater gemeinsam. "Vom Wesen her, wie er sich verhält, was er für eine Wertvorstellung hat. Klar, das ist nicht nur mein Opa, da ist auch ganz viel erfunden“, sagt Stamm. Ein paar Charakterzüge gab es für den Roboter noch dazu. "Während ich ihn gezeichnet habe, musste ich oft an meinen Opa denken.“

Die oberfränkische Tristesse des kleinen Dorfs hat Stamm dann in die Science Fiction mit seinem Comic übertragen. "Ich bin damit aufgewachsen, mehr oder weniger. So lange ich denken kann, hat mein Papa Science-Fiction-Bücher gelesen. Und als kleines Kind bin ich immer zum Regal gegangen und habe mir die ganzen Cover angeguckt. Irgendwann habe ich die Bücher dann auch gelesen.“ Das hat Stamm nie wieder losgelassen – der technische Aspekt, die seltsamen Maschinen und die Dystopie. "Science Fiction finde ich nach wie vor faszinierend“, so Stamm. "Das ist mein Genre, wenn man so will.“

Vor drei Jahren fing Stamm mit seinen Freunden an, an dem Spiel "Tiny & Big“ zu arbeiten, was sie als Experiment sahen. Doch aus der Versuchsanordnung bekamen sie ein mehr als ansehnliches Ergebnis.Danach ließ Stamm sich freistellen für sein Comic - für ein dreiviertel Jahr. An einer Fortsetzung zu "Lescheks Flug" arbeitet Stamm bereits. Ob das allerdings ein Comic wird, steht noch nicht fest. Denn die Geschichte des Roboters Leschek könnte auch in einem Computerspiel weitergehen. 

Björn Bischoff

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