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Afghanische Familie bei Nato-Bombardement ausgelöscht

Präsident Hamid Karsai zweifelt an strategischer Partnerschaft - 28.05.2012 11:23 Uhr

KABUL  - Wieder werfen die Afghanen der Nato vor, Zivilisten getötet zu haben. Diesmal soll eine ganze Familie bei einem fehlgeleiteten Bombardement ausgelöscht worden sein. Die Nato untersucht die Vorwürfe. Sie hat über Pfingsten selber sieben tote Soldaten zu beklagen.

Ein Mann in Pakistan demonstriert gegen die erneute Öffnung einer Nachschubroute für NATO-Truppen nach Afghanistan. Im November 2011 wurde sie geschlossen, nachdem pakistanische Soldaten bei Luftangriffen getötet wurden. Nun sollen afghanische Zivilisten bei NATO-Angriffen ums Leben gekommen sein.
Ein Mann in Pakistan demonstriert gegen die erneute Öffnung einer Nachschubroute für NATO-Truppen nach Afghanistan. Im November 2011 wurde sie geschlossen, nachdem pakistanische Soldaten bei Luftangriffen getötet wurden. Nun sollen afghanische Zivilisten bei NATO-Angriffen ums Leben gekommen sein.
Foto: afp
Ein Mann in Pakistan demonstriert gegen die erneute Öffnung einer Nachschubroute für NATO-Truppen nach Afghanistan. Im November 2011 wurde sie geschlossen, nachdem pakistanische Soldaten bei Luftangriffen getötet wurden. Nun sollen afghanische Zivilisten bei NATO-Angriffen ums Leben gekommen sein.
Ein Mann in Pakistan demonstriert gegen die erneute Öffnung einer Nachschubroute für NATO-Truppen nach Afghanistan. Im November 2011 wurde sie geschlossen, nachdem pakistanische Soldaten bei Luftangriffen getötet wurden. Nun sollen afghanische Zivilisten bei NATO-Angriffen ums Leben gekommen sein.
Foto: afp

Bei einem Nato-Luftangriff in der ostafghanischen Provinz Paktia ist nach Angaben der Provinzregierung eine achtköpfige Familie ausgelöscht worden. Bei den zivilen Opfern habe es sich um die Eltern und ihre sechs Kinder gehandelt, sagte der Sprecher des Provinzgouverneurs, Rohullah Samun. Sie seien ums Leben gekommen, als ihr Haus in der Nacht zu Sonntag bombardiert worden sei.

Es sei unklar, wem der Angriff gegolten habe. Am Wochenende wurden zudem mindestens sieben Soldaten der Nato-geführten Schutztruppe Isaf bei Anschlägen und Angriffen getötet. Ein Isaf-Sprecher sagte zu den Vorwürfen über getötete Zivilisten, Isaf-Bodentruppen seien zur fraglichen Zeit in Paktia von einer großen Anzahl Aufständischer angegriffen worden. Sie hätten Luftunterstützung erhalten.

Man prüfe, ob zwischen den Gefechten und den Vorwürfen über zivile Opfer ein Zusammenhang bestehe. Zivile Opfer bei Isaf-Operationen haben zwar abgenommen, sorgen aber immer noch für großen Unmut bei den Afghanen. Der afghanische Präsident Hamid Karsai ordnete eine Untersuchung an. Die Isaf teilte mit, bei einem Angriff und einem Anschlag im Osten des Landes seien am Pfingstsonntag zwei ihrer Soldaten getötet worden. Tags davor seien bei mehreren Sprengstoffanschlägen in Südafghanistan vier Isaf-Soldaten gestorben.

Zur Nationalität machte die Schutztruppe wie üblich keine Angaben. Am Montag stürzte in Ostafghanistan ein Isaf-Flugzeug ab. Die Schutztruppe teilte mit, Besatzung und Passagiere seien in Sicherheit gebracht worden. Nach ersten Erkenntnissen habe es keine „feindlichen Aktivitäten“ zum Zeitpunkt des Absturzes gegeben.

Abkommen über strategische Partnerschaft gebilligt

Das afghanische Parlament billigte unterdessen das Abkommen über eine strategische Partnerschaft mit den USA mit Mehrheit. US- Präsident Barack Obama und der afghanische Präsident Hamid Karsai hatten das Papier, das die Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern nach dem geplanten Abzug der internationalen Truppen im Jahr 2014 für zehn Jahre regeln soll, bereits Anfang des Monats unterzeichnet. Von den 249 Abgeordneten in Kabul nahmen am Samstag rund 180 an der Sitzung teil, fünf verließen sie wegen Bedenken gegen das Abkommen, einige enthielten sich.

Der Vertrag sieht vor, auch nach dem Ende des Nato-Kampfeinsatzes im Jahr 2014 US-Soldaten zum Training der afghanischen Sicherheitskräfte und zur Terrorbekämpfung am Hindukusch zu belassen. Details etwa darüber, welche Stützpunkte die USA weiter nutzen dürfen, werden in einem separaten Abkommen ausgehandelt.

Anschläge an Mädchenschulen verübt

Am Sonntag kam es erneut zu einem mutmaßlichen Anschlag mit giftigem Gas an einer Mädchenschule in Nordafghanistan. Rund 45 Schülerinnen in der nordafghanischen Provinzhauptstadt Talokan seien mit Vergiftungserscheinungen ins Krankenhaus gebracht worden, sagte ein Sprecher der Bildungsbehörde der Provinz Tachar. Er machte die Taliban für die Tat verantwortlich, die das wiederum zurückwiesen.

Es ist bereits der zweite Vorfall dieser Art an der Mädchenschule in dieser Woche und der dritte in der Provinz in diesem Monat. Schon am Mittwoch hatten an der Mädchenschule 130 Schülerinnen und drei Lehrerinnen nach offiziellen Angaben giftige Gase eingeatmet und waren anschließend ins Krankenhaus gebracht worden.

Unterdessen gibt es nach Angaben des afghanischen Außenministers Salmai Rassul keine Fortschritte bei der Suche nach einer politischen Lösung im Konflikt in Afghanistan. „Wir haben den Prozess begonnen, aber wir sind noch nicht in greifbare Verhandlungen (mit den Taliban) eingetreten“, sagte er am Sonntag in Kabul. 

dpa


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