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In den kommenden Tagen werden demnach weitere Untersuchungen an Bord durchgeführt. Wenn das geschehen ist, wird die Staatsanwaltschaft nach dem vermissten Seemann suchen. Erst anschließend kann mit der Entladung des Schiffes begonnen werden.
Dem Havariekommando zufolge werden die Arbeiten wohl Wochen dauern. Weil sich mehrere Länder – darunter Großbritannien, Frankreich und Spanien – wegen der unklaren Gefahrenlage weigerten, die „Flaminia“ aufzunehmen, ist auch eine politische Debatte über den Umgang mit Havaristen in Gang gekommen.
Am Samstagmorgen war die „Flaminia“ in deutschen Gewässern eingetroffen. Fachleute hatten nach einer Inspektion an Bord Entwarnung für die Umwelt gegeben. „Derzeit geht keine Gefahr von der Ladung aus. Auch die Luft auf dem Schiff ist nicht belastet. Lediglich im Laderaum wurden noch Kontaminationswerte gemessen“, sagte Jens Rauterberg von der Einsatzleitung des Havariekommandos.
Die fast 300 Meter lange „Flaminia“ ist nach einem Feuer und mehreren Explosionen stark beschädigt. Zum Unglück war es am 14. Juli auf der Fahrt von Charleston im US-Staat South Carolina nach Antwerpen auf dem Atlantik gekommen. Ein Seemann starb, ein weiterer wird noch vermisst. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich 23 Menschen an Bord, neben fünf Deutschen auch Polen und Philippiner. Unter den etwa 3.000 geladenen Containern sind auch rund 150 mit gefährlichen Stoffen beladen. Diese waren von den Explosionen nicht betroffen gewesen. 70 Container sind komplett ausgebrannt.
Die Sprecherin der Reederei NSB aus Buxtehude, Bettina Wiebe, warnte noch am Samstag vor „hysterischen Reaktionen“. Die Ladung sei vorschriftsgemäß gelagert gewesen. Zudem sei noch völlig unklar, wie es zu dem Brand gekommen sei und ob er durch einen gefährlichen Stoff ausgelöst worden sei.
Nach einer nächtlichen Pause vor Helgoland hatte die „Flaminia“ am Sonntagmorgen gezogen von einem Schlepper ihre letzte Etappe angetreten. Je ein Lotse wurde per Hubschrauber auf der „Flaminia“ und dem Schlepper „Fairmount Expedition“ abgesetzt, um dem Schleppverband den Weg in den noch nicht eröffneten neuen Tiefwasserhafen in Wilhelmshaven zu weisen.
Nachts hatten Schlepper die „Flaminia“ aus Sicherheitsgründen auf Warteposition gehalten. Ein Team aus Chemikern und Schiffsbrandexperten hatte bis zum Samstagabend an Bord des Unglücksschiffs Proben genommen und die Dichtheit des Rumpfes überprüft.
Für die Arbeiter in Wilhelmshaven sei die Gefahr bei der Bergung der Container vergleichbar mit den Risiken, die es an jeder Großbrandstelle gebe, urteilten die Fachleute laut einem Sprecher des Havariekommandos nach ihrer Inspektion an Bord. Erst nach der Bergung wird auch der Ausmaß des Schadens deutlich.
Die Havarie wird voraussichtlich weit mehr als zehn Millionen Euro Schaden nach sich ziehen, wie aus Schätzungen von Schiffsmaklern, Versicherungsexperten und Reedereimitarbeitern hervorgeht, die von der Nachrichtenagentur dapd befragt wurden. Das Schiff selbst ist wohl nur noch Schrott. Ein Schiffshändler, der ungenannt bleiben wollte, taxierte den Schrottwert des 2001 in Dienst gestellten Schiffes auf 7,5 Millionen Euro. Unbeschädigt würde es auf dem Weltmarkt für etwa 22 Millionen Dollar (17 Millionen Euro) gehandelt.
So richtig in Gang kommen wird in diesem Monat die Diskussion, wie in Europa mit havarierten Schiffen umgegangen werden soll. Der Vorsitzende der niedersächsischen CDU-Landtagsfraktion, Björn Thümler, kündigte eine Initiative im Landtag an, die auf eine Reform der EU-Richtlinie über Nothäfen dringt. In einem dapd-Gespräch sagte Thümler: „Das Versagen liegt bei den europäischen Nachbarstaaten. Die haben sich in der Frage einen ziemlich schlanken Fuß gemacht.“