10°C
Mittwoch, 22.05. - 10:47 Uhr
Login
Info
Anmeldung
Diese Funktion steht nur registrierten Usern zur Verfügung.
Loggen Sie sich bitte hier ein oder registrieren Sie sich kostenlos!
Passwort vergessen
Info
Passwort vergessen
Wenn Sie Ihr Passwort vergessen haben können Sie hier ein neues Passwort anfordern. Geben Sie bitte hierzu Ihre E-Mail-Adresse ein!

E-Mail-Adresse
Druckversion

Gauck sagt Reise in die Ukraine ab

Protest gegen Behandlung von Timoschenko - 26.04.2012 18:00 Uhr

München/Berlin  - Bundespräsident Gauck setzt ein klares außenpolitisches Signal. Wegen der Inhaftierung der kranken Oppositionsführerin Timoschenko sagt er einen Besuch in der Ukraine ab. Dafür erhält er viel Beifall.

Bundespräsident Joachim Gauck hat seinen Besuch der Ukraine abgesagt.
Bundespräsident Joachim Gauck hat seinen Besuch der Ukraine abgesagt.
Foto: Rainer Jensen (dpa)
Bundespräsident Joachim Gauck hat seinen Besuch der Ukraine abgesagt.
Bundespräsident Joachim Gauck hat seinen Besuch der Ukraine abgesagt.
Foto: Rainer Jensen (dpa)

Deutschland erhöht den Druck auf die Regierung der Ukraine. Angesichts des Umgangs mit der inhaftierten Ex-Premierministerin Julia Timoschenko sagte Bundespräsident Joachim Gauck eine Einladung in die frühere Sowjetrepublik ab. Gauck werde nicht zu einem Treffen mit anderen zentraleuropäischen Staatschefs Mitte Mai in Jalta reisen, sagte sein Sprecher Andreas Schulze am Donnerstag in Berlin. Politiker von Regierung und Opposition begrüßten die Entscheidung Gaucks. Damit werde ein Zeichen gesetzt. Einen generellen Boykott der Fußball-EM soll es aber nicht geben.

 

Hintergrund ist die Sorge um die inhaftierte und erkrankte Oppositionsführerin Julia Timoschenko. Sie gilt als Opfer politischer Rachejustiz im Auftrag des ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch. Sie hatte 2004 die gegen Janukowitsch gerichtete Orangene Revolution angeführt.

Der Entschluss, nicht nach Jalta zu reisen, sei in engem Benehmen mit der Bundesregierung gefallen, sagte Gaucks Sprecher. Er bestätigte damit einen Bericht der «Süddeutschen Zeitung». Im Präsidialamt wurde darauf hingewiesen, dass die Teilnahme Gaucks an dem Treffen nicht zugesagt war. Ob Gauck anlässlich der Fußball- Europameisterschaft im Juni in die Ukraine fährt, sei noch nicht entschieden. Nach einem Bericht der ARD-«Tagesschau» soll schon Gaucks Vorgänger Christian Wulff die Einladung nach Jalta abschlägig beschieden haben.

Üblicherweise werden Absprachen über Reisen des Bundespräsidenten mit dem Auswärtigen Amt getroffen. Gauck soll sich bei der Ukraine-Reise auch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) abgestimmt haben. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte, Gespräche zwischen den beiden Verfassungsorganen blieben immer vertraulich.

Absagen von Auslandsreisen eines Bundespräsidenten kommen nur selten vor. So hatte Wulff im Februar 2011 einen geplanten Besuch in Bahrain wegen des harten Vorgehens der Sicherheitskräfte gegen Demonstranten in dem Land abgesagt.

Vertreter des Kanzleramts sprachen laut «Financial Times Deutschland» (Freitag) am Donnerstag in Berlin mit ukrainischen Regierungsvertretern über den Fall Timoschenko. Der ukrainischen Seite sei dabei signalisiert worden, dass ein EM-Besuch der Kanzlerin in dem Land noch keineswegs gesichert sei.

Der für den Sport zuständige Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) will sich eventuell persönlich über den Gesundheitszustand Timoschenkos informieren. Er wolle zur EM zum Spiel Deutschland gegen die Niederlande in Charkow fahren, sagte er der «Rheinischen Post» (Freitag) «Sollte Frau Timoschenko bis dahin noch in Haft sein, möchte ich mit ihr sprechen.» Timoschenko ist in Charkow inhaftiert.

Gaucks Entschluss wurde in Deutschland einhellig positiv aufgenommen. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) sagte: «Ich finde, dass der Herr Bundespräsident eine richtige Entscheidung getroffen hat.» Die Bundesregierung trete für eine «angemessene medizinische Behandlung» Timoschenkos ein. Westerwelle bot erneut an, Timoschenko in Deutschland behandeln zu lassen.

Die SPD fordert von Kiew, eine Behandlung Timoschenkos in Deutschland umgehend zuzulassen. Generalsekretärin Andrea Nahles sagte, Janukowitsch missachte internationale Menschenrechtsstandards und europäische Grundwerte.

Grünen-Chefin Roth forderte die Bundestagsabgeordneten auf, nicht zu EM-Spielen in die Ukraine zu fahren. «Wir dürfen uns nicht für eine Showveranstaltung der ukrainischen Führung missbrauchen lassen», sagte sie «Spiegel Online».

Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning (FDP), begrüßte es, dass Gauck nicht zu dem Treffen in die Ukraine fährt. «Das ist ein sehr klares Signal, das Herr Gauck dort aussendet», sagte er im Sender n-tv. Zugleich sprach er sich gegen einen Boykott der Fußball-EM aus. Auch Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) sagte der «Passauer Neuen Presse» (Donnerstag), sie halte wenig von Boykottaufrufen. «Wir müssen mit der Regierung in Kiew im Gespräch bleiben.» Die Menschenrechtsbeauftragte der Unionsfraktion, Erika Steinbach, kritisierte, der Umgang der ukrainischen Staatsführung mit Timoschenko widerspreche allen Menschenrechtsstandards.

Die EU-Justizkommissarin Viviane Reding hat unterdessen einen Boykott der bevorstehenden Fußball-EM angekündigt. Diese Absicht habe sie dem UEFA-Präsidenten Michel Platini in einem Brief mitgeteilt, sagte eine Sprecherin der Kommissarin am Donnerstag in Brüssel.

In der Ukraine werden die ersten drei Spiele der deutschen Mannschaft ausgetragen. Nach Informationen der «Süddeutschen Zeitung» wird überlegt, bei möglichen Reisen von Bundespräsident, Kanzlerin oder Ministern zur EM den Kontakt zur ukrainischen Führung auf ein Minimum zu reduzieren.

  

dpa


Ihr Kommentar

Name:
 
 Bitte beachten Sie unsere Netiquette.
Info
Bestätigungswort

Um Ihren Kommentar abzusenden, geben Sie bitte das Bestätigungswort ein. Nicht lesbar? Erzeugen sie durch Klick darauf einen neuen Text.


Zum Thema
Zustimmung_und_Kritik_für_Gauck_-_Ärger_in_Koalition_hält_an_jpeg-1480A800FD95A9F5-20120220-img_35198226_original.large-4-3-800-0-0-2680-2008.jpg
Geburtsdatum:
24.1.1940
Beruf, Funktion:
Bundespräsident


Kurzbeschreibung:
Der ehemalige Rostocker Pfarrer und DDR-Bürgerrechtler Joachim Gauck wurde nach der Wende Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen; er leitete die nach ihm benannte Behörde bis in das Jahr 2000.
2010 bewarb er sich um das Amt des Bundespräsidenten, unterlag jedoch knapp Christian Wulff. Nach dessen Rücktritt im Februar 2012 wurde Gauck erneut für das Amt nominiert - diesmal als gemeinsamer Kandidat von Union, FDP, SPD und Grünen. Mit großer Mehrheit wurde er im März 2012 zum Bundespräsidenten gewählt.
Er ist seit vielen Jahren mit seiner Nürnberger Lebensgefährtin, der Journalistin Daniela Schadt liiert.