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Die Brechdurchfall-Epidemie wird teuer für den Großküchenkonzern Sodexo. Das Unternehmen will die gut 11 000 erkrankten Kinder und Erwachsenen mit Gutscheinen im Gesamtwert von 550 000 Euro entschädigen. Den ostdeutschen Kantinen, wo verseuchte Tiefkühl-Erdbeeren die bisher größte derartige Lebensmittel-Epidemie auslösten, will Sodexo zudem zwei Tage gratis Essen liefern.
Die Gutscheine für die Betroffenen im Wert von jeweils 50 Euro würden in Kürze verteilt, kündigte ein Sprecher des Lieferanten für Schulessen am Dienstag in Rüsselsheim an. Sie können bei einem Berliner Verlag für Bücher, Lernmittel oder Nachhilfeangebote eingelöst werden.
Bei der Epidemie waren vor rund zwei Wochen vor allem Kinder und Jugendliche in Kindergärten und Schulen erkrankt. „Wir können die Emotionen der Kinder und Eltern der letzten Tage gut nachvollziehen und bedauern die durch die Vorgänge entstandenen Unannehmlichkeiten sehr“, teilte das Unternehmen mit. „Wir sind uns der Verantwortung bewusst, wenn Speisen über uns an Schulen und Kindertagesstätten rausgehen. Deshalb ist unsere Geste als ein Trostpflaster für die Kinder gedacht.“
Das Unternehmen sei weiter in ständigem Kontakt mit den betroffenen Kindergärten und Schulen, sagte der Sodexo-Sprecher. Neue Krankheitsfälle habe es nicht gegeben. Den betroffenen Kantinen sollen für zwei Tage die Kosten des Essens gutgeschrieben werden - rückwirkend für September, sagte der Sprecher.
Nach dem Abschlussbericht des Robert Koch-Instituts (RKI) und der Koordinierungsgruppe des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hatten tiefgefrorene Erdbeeren aus China die Durchfälle ausgelöst. Die verdächtigen Erdbeeren waren von mehreren Großküchen in Ostdeutschland verarbeitet worden.
Das RKI hatte mit seinen Untersuchungen eine Charge Erdbeeren als Ursache identifiziert und es eigenen Angaben zufolge ermöglicht, die „Quelle des Ausbruchs gezielt vom Markt zu nehmen“. Das Landesamt für Verbraucherschutz Sachsen-Anhalt hatte demnach erstmals Noroviren in einer Probe nachgewiesen. Die Behörden sprachen vom „bisher größten lebensmittelbedingten Ausbruch von Gatroenteritis in Deutschland“.
Die Gefahr aus den Erdbeeren sieht Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) gebannt. „Ware, die möglicherweise noch mit dem Erreger kontaminiert ist, konnte aus dem Verkehr gezogen und damit eine weitere Ausbreitung vermieden werden“, sagte Aigner der „Augsburger Allgemeinen“ (Mittwoch).
Der nordrhein-westfälische Verbraucherschutzminister Johannes Remmel warb für mehr regionale und saisonale Kost in der Schulküche. Der Grünen-Politiker lobte außerdem Bemühungen von Schulträgern, Hygienestandards und Ernährungsvielfalt zu verbessern. „Gute Schulverpflegung braucht überprüfbare Qualitätskriterien“, sagte Remmel bei einer Verleihung von Qualitätszertifikaten an Schulen.
Sodexo setzte nach der Erkrankungswelle die Zusammenarbeit mit seinem deutschen Zwischenhändler aus, der die verseuchten Tiefkühl-Erdbeeren importiert haben soll. Unabhängige Prüfer sollen die Vorgänge bei der Firma untersuchen, sagte der Sodexo-Sprecher. Mit Ergebnissen werde in zwei bis drei Wochen gerechnet. Danach will das Unternehmen entscheiden, ob es weiterhin mit dem Zulieferer zusammenarbeitet. Angaben über die für Sodexo entstandene Schadenshöhe wollte der Sprecher nicht machen.
Nach den bisherigen Erkenntnissen wurden die Erdbeeren nach ihrer Ankunft im Hamburger Hafen über einen Großhändler aus Sachsen in mehrere ostdeutsche Zentralküchen für Schulessen geliefert. In den Einzelhandel gelangten die Früchte wahrscheinlich nicht.