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Doch der Präsident der Landesärztekammer, Max Kaplan, warnt davor, aus einem schnellen Blick auf die Statistik falsche Schlüsse zu ziehen. So ist seit dem Jahr 2006 die Zahl der Allgemeinärzte mit eigener Praxis um mehr als fünf Prozent gesunken. Gleichzeitig hat die Zahl der Fachärzte etwa im gleichen Tempo zugenommen. Bei den Krankenhausärzten verzeichnet die Ärztekammer ein Plus von mehr als 17 Prozent innerhalb von fünf Jahren. Bei den angestellten Medizinern in Arztpraxen beträgt der Zuwachs sogar fast 68 Prozent.
Kaplan hält daher Aussagen von gesetzlichen Krankenkassen, wonach es gerade in Bayern weiterhin mehr als genug Ärzte gebe, für verkürzt. Erst vor kurzem hatte die AOK Bayern eine Broschüre mit dem Titel „Populäre Irrtümer aus dem Gesundheitswesen“ neu aufgelegt. Einer dieser Irrtümer: „In Bayern werden die Ärzte knapp.“ Denn für die AOK ist klar: „Die Überversorgung beträgt in Bayern über 30 Prozent.“
Die Ärztekammer hält dem entgegen, dass die Zahlen, mit denen die Kassen arbeiten, sich auf vergangene Zeiten beziehen, als Ärzte 60 Stunden und mehr in der Woche gearbeitet haben. Doch junge Mediziner suchten immer öfter eine Stelle als Angestellte, stellt Kaplan fest. Ein Grund: Wer angestellt ist, hat leichter die Möglichkeit, in Teilzeit zu arbeiten. Dass die Zahl der angestellten Ärzte in Bayerns Praxen innerhalb von fünf Jahren um zwei Drittel gestiegen ist, sei ein klares Signal, meint er.
Auch beim Bayerischen Hausärzteverband (BHÄV) sieht man zumindest bei den Allgemeinmedizinern einen Mangel drohen. Petra Reis-Berkowicz vom BHÄV-Vorstand hält vor allem eine Zahl für „ausgesprochen dramatisch“: Von den rund 1800 Facharztprüfungen, die die bayerische Landesärztekammer 2011 abgenommen hat, entfielen weniger als ein Zehntel auf Fachärzte für Allgemeinmedizin.