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S. wurde als mutmaßlicher Mordhelfer der Zwickauer Terrorzelle festgenommen. Er ist dringend verdächtig, Beihilfe zu sechs Morden und einem versuchten Mord des rechtsextremen NSU geleistet zu haben — so sieht es die Bundesanwaltschaft.
Rund ein Jahr lang scheint S. ein wichtiger Mann für das flüchtige Terrortrio gewesen zu sein. Laut einem im Dezember 2011 erstellten Bericht des Bundesamts für Verfassungsschutz soll der Aktivist des Thüringer Heimatschutzes von März 1999 bis Ende April 2000 als Einziger aus der Neonazi-Szene mit den Flüchtigen Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe direkten Kontakt gehalten haben.
Das Landesamt für Verfassungsschutz Thüringen erfuhr davon offenbar schon früh, zumindest habe sich S. im März 1999 mit der Information an den V-Mann Tino Brandt gewandt, heißt es im Bericht.
Vor wenigen Tagen noch hatte der 31-Jährige über seinen Anwalt jede Beteiligung an den NSU-Morden bestritten und sein Entsetzen über die Taten des NSU kundgetan. Er sei aus der rechtsextremen Szene ausgestiegen und verabscheue deren Treiben, ließ er wissen. In Düsseldorf scheint das durchaus nachvollziehbar: S. studierte Sozialpädagogik an der Fachhochschule, arbeitete als Berater im sozialen Bereich für gemeinnützige Organisationen und Einrichtungen.
Auf Fotos im Internet lächelt er mit Jugendlichen in einem Jugendzentrum um die Wette. Bis zu seiner Festnahme arbeitete er in einem eher alternativen Milieu mit Homosexuellen.
Es scheint, als hätte S. die Welten gewechselt: Das Logo der Studentenvertretung der FH Düsseldorf, an der S. studierte, ziert ein roter Stern. Das erstgenannte Referat heißt „Antifa“. Ob der Milieuwechsel mit Hilfe des Aussteigerprogramms für Rechtsextreme geschah, darüber halten sich die Behörden bedeckt. Seine Herkunft aus Thüringen hatte Carsten S. in Düsseldorf nicht verschwiegen, seine Vergangenheit anscheinend schon. Dass er Mitglied im berüchtigten Thüringer Heimatschutz war, löst dort, wo man S. in Düsseldorf kennengelernt hat, ungläubiges Staunen aus. „Das ist ein toller Mensch, ein super Mitarbeiter“, sagt die Leiterin des Jugendzentrums, in dem er acht Stunden die Woche arbeitete. „Ich glaube das erst, wenn ein Richter das bestätigt.“ Auch bei seinem Haupt-Arbeitgeber, einer Hilfseinrichtung, hört man nur Gutes: „Ein ganz toller Mitarbeiter.“
Ein junger Mann im schwierigen Alter von 18, 19 Jahren sei S. damals gewesen, hatte sein Kölner Anwalt Jacob Hösl argumentiert. Dass S. auch noch in Nordrhein-Westfalen als logistischer Helfer für die Terroristen gedient haben soll, hielt Hösl in der vergangenen Woche für abwegig. Sein Mandant ließ über ihn mitteilen: „Ich bin im Jahre 2000 aus der rechten Szene ausgestiegen. Seitdem habe ich mich davon distanziert und verabscheue jegliche Art von rechtem, rassistischem und extremistischem Gedankengut.“ Nach 2000 habe er keinen Kontakt mehr zur rechten Szene gehabt. Er habe von den Straftaten der Zwickauer Terrorzelle nichts gewusst und sei über deren Aktivitäten extrem erschrocken.
Zur Frage, ob er das Neonazi-Trio persönlich kannte, schwieg sich S. allerdings aus. „Mehr möchte ich dazu nicht sagen, da ich vor elf Jahren ein neues Leben begonnen habe“, ließ er nur verlauten. Ins Rheinland zog Carsten S. einem Verfassungsschutzbericht zufolge allerdings erst im Jahr 2003. Nicht nur über diese Lücke von immerhin drei Jahren wird er nun den Ermittlern von Bundesanwaltschaft und BKA einige Fragen beantworten müssen.