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Niederlande machen Nichtraucher-Schutz rückgängig

Gesundheitsministerin: Regierung ging zu weit – Vorwurf: Ministerin mit Tabaklobby verbandelt - 15.12. 10:51 Uhr

Amsterdam  - In kaum einem anderen Land leben Raucher wohl bald so unbehelligt wie in den Niederlanden – allerdings nur die Anhänger des blauen Dunsts von Zigaretten. Denn während die Regierung ihre liberale Politik im Umgang mit Haschisch oder Marihuana überdenkt, nimmt sie gegenüber dem Tabakkonsum eine zunehmend lockere Haltung ein – und schwimmt damit gegen den weltweit vorherrschenden Trend.

Wer den Glimmstängel liebt, hat es in den Niederlanden bald wieder leichter: Die Regierung nimmt die Raucherschutzgesetze zurück.
Wer den Glimmstängel liebt, hat es in den Niederlanden bald wieder leichter: Die Regierung nimmt die Raucherschutzgesetze zurück.
Foto: Irene Lenk
Wer den Glimmstängel liebt, hat es in den Niederlanden bald wieder leichter: Die Regierung nimmt die Raucherschutzgesetze zurück.
Wer den Glimmstängel liebt, hat es in den Niederlanden bald wieder leichter: Die Regierung nimmt die Raucherschutzgesetze zurück.
Foto: Irene Lenk

Die Entwicklung nahm schon im vergangenen Jahr ihren Anfang, als einige Kneipen vom Rauchverbot ausgenommen wurden. Nun hat die Regierung neue Pläne präsentiert: Künftig soll weniger Geld für Anti-Raucher-Werbekampagnen fließen. Spezielle Gesundheitsprogramme zur Suchtentwöhnung von Nikotinabhängigen sollen sich künftig gänzlich in Rauch auflösen.

  „Diese Rückschritte macht kein anderes Land“, erklärte der Direktor des Nationalen Kontrollzentrums für den Tabakkonsum, das nun 2013 geschlossen werden soll. „Was hier passiert, beschämt mich.“

„Gesundheits- oder Tabakministerin?“



Auf einer Pressekonferenz übten etliche niederländische Politiker und Experten am Mittwoch scharfe Kritik an der Kehrtwende in Sachen Tabakkontrolle. Gesundheitsministerin Edith Schippers treffe die falsche Entscheidung, erklärte die Oppositionspolitikerin Renske Leijten von den Sozialdemokraten. „Man kann sich durchaus fragen, ob sie Ministerin für Gesundheit oder Ministerin der Tabakindustrie ist“, erklärte sie.

Schippers hielt dagegen. Sie glaube an die Entscheidungsfreiheit der Raucher, erklärte sie. Die Regierung sei „zu weit dabei gegangen, in diesem Bereich Regeln aufzustellen.“ Die Niederlande wollten nun „einen andere Art der Prävention“ verfolgen, sagte eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums, Inge Freriksen, der Nachrichtenagentur AP. Dabei solle es in erster Linie darum gehen, Kinder über die Gefahren des Rauchens aufzuklären.

Zweifelhafte Verbindungen zu Tabakindustrie?

Einige Experten deuten allerdings andere Gründe für die neue Haltung an. Demnach könnten mögliche zweifelhafte Verbindungen zwischen der niederländischen Regierung und der heimischen Tabakindustrie eine Rolle gespielt haben. Die Niederlande haben europaweit die größte Tabakindustrie, in dem Land hat der Tabakwarenhersteller Philip Morris seine weltweit größte Niederlassung.

Jüngst erklärte etwa der Tabak-Lobbyist Alexander van Voorst Vader in einer im niederländischen Fernsehen ausgestrahlten Dokumentation, Schippers in ihrer Zeit als Abgeordnete gekannt zu haben. Sie hätten zahlreiche Diskussionen geführt. Gegenüber den Standpunkten der Industrie sei sie sehr offen gewesen, erklärte van Voorst.

Dabei sind jegliche Kommunikationswege, mit denen die Tabakindustrie politische Entscheidungen beeinflussen könnte, nach dem WHO-Rahmenüberinkommen zur Eindämmung des Tabakgebrauchs aus dem Jahr 2005 untersagt. Der Haken: Wie bei den meisten internationalen Abkommen sieht es für zuwiderhandelnde Länder keine effektiven Strafmaßnahmen vor.

In den Niederlanden rauchen rund 27 Prozent der Bevölkerung. Die Lungenkrebsrate in dem Land liegt nach Angaben der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) über dem westeuropäischen Durchschnitt.

Niederländische Forscher sind alarmiert: Anfang des Jahres rechneten sie vor, dass in Holland rund eine Millionen Menschen bis 2040 vorzeitig an tabakbedingten Krankheiten sterben werden, wenn es keine strengeren Anti-Raucher-Kampagnen gibt.

  



Von Maria Cheng und Toby Sterling (beide dapd)

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