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Organvergabe: Ministerium für "Sechs-Augen-Prinzip"

Vertrauen soll wiederhergestellt werden - 11.08.2012 17:38 Uhr

Berlin/München  - Der Organspende-Skandal hat die Öffentlichkeit aufgeschreckt. Die Ärzte wollen sicherstellen, dass bei der Zuteilung der Organe alles korrekt läuft. Das Gesundheitsministerium will nun noch weiter gehen.

Das Vertrauen in das Organspendewesen hat infolge des Transplantationsskandals gelitten. Eine Umfrage zeigt: Die Bedenken sind groß. Dabei läuft bald die große Werbe-Aktion der Krankenkassen für mehr Spendebereitschaft an.
Das Vertrauen in das Organspendewesen hat infolge des Transplantationsskandals gelitten. Eine Umfrage zeigt: Die Bedenken sind groß. Dabei läuft bald die große Werbe-Aktion der Krankenkassen für mehr Spendebereitschaft an.
Foto: Carsten Rehder, dpa
Das Vertrauen in das Organspendewesen hat infolge des Transplantationsskandals gelitten. Eine Umfrage zeigt: Die Bedenken sind groß. Dabei läuft bald die große Werbe-Aktion der Krankenkassen für mehr Spendebereitschaft an.
Das Vertrauen in das Organspendewesen hat infolge des Transplantationsskandals gelitten. Eine Umfrage zeigt: Die Bedenken sind groß. Dabei läuft bald die große Werbe-Aktion der Krankenkassen für mehr Spendebereitschaft an.
Foto: Carsten Rehder, dpa

Als Konsequenz aus dem Organspende-Skandal hat das Bundesgesundheitsministerium ein «Sechs-Augen-Prinzip» vorgeschlagen. Damit sollten etwa Manipulationen von Labordaten vor Transplantationen verhindert werden, schrieb Ministerialdirektorin Karin Knufmann-Happe in einem der Nachrichtenagentur dpa vorliegenden Brief an die Bundesärztekammer. Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery hatte nach einem Sondertreffen von Ärzten, Kliniken und Krankenkassen angekündigt, ein «Vier-Augen-Prinzip» in den ärztlichen Richtlinien zu verankern. Bei der Anmeldung für die Warteliste und Organzuteilung soll ein nicht direkt mit der Transplantation befasster Arzt beteiligt werden.

Dem Bundesgesundheitsministerium geht es darum, unabhängige Entscheidungen bei der Organzuteilung zu sichern: «Neben der bereits angedachten Kontrolle durch einen Laborchemiker, der nicht der Abteilung Chirurgie angehört, aber noch im Bereich des Klinikums tätig ist, könnte eine dritte Person in den Prozess einbezogen werden.»

Ob es sich bei dieser Person um einen Klinikangehörigen oder einen Externen handeln soll, müsse unter dem Gesichtspunkt der Praktikabilität bei zeitkritischen Entscheidungen entschieden werden, schrieb Knufmann-Happe an die Ärztekammer. Am 27. August will Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) mit Verbandsvertretern mögliche Änderungen per Richtlinien, Verordnungen und Gesetze beraten.

Forderung nach Verbot von Bonuszahlungen

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer und Gesundheitsminister Marcel Huber (beide CSU) forderten ein Verbot von Bonuszahlungen für Transplantationen. Seehofer betonte am Samstag in Straubing: «Der ganze Skandal muss sauber aufgeklärt werden. Es muss geklärt werden, ob es ein Fehler des Systems war oder einzelner Personen. Wenn im System Fehler sind, muss das ganze System verändert werden.»

Gesundheitsminister Huber sagte der «Bild am Sonntag»: «Die Bezahlung der Ärzte muss leistungsgerecht sein, darf aber nicht von der Anzahl ihrer Operationen abhängen. Es muss jeder Anschein vermieden werden, dass es einen Wettlauf um Prämien gibt.» Es gehe nicht darum, alle Ärzte unter Generalverdacht zu stellen, sagte Huber. «Gerade deshalb müssen wir Fehlanreize wie Bonuszahlungen für Transplantationen verbieten.»

Die Universitätskliniken Regensburg und Göttingen werden derzeit von einem Organspende-Skandal erschüttert. Ein Oberarzt steht im Verdacht, zuerst in Regensburg und später in Göttingen Krankenakten gefälscht zu haben. Dabei soll er die Krankheit auf dem Papier verschlimmert haben, damit den Patienten schneller eine neue Leber implantiert wurde - obwohl andere sie vielleicht nötiger gehabt hätten. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt. Es besteht außerdem der Verdacht, dass der Mediziner für die Vorzugsbehandlung Geld nahm. Der Anwalt des Hauptbeschuldigten wies alle Vorwürfe zurück.

  

dpa


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