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Das Karlspreis-Direktorium würdigte Schäuble als einen „großen Europäer“. Er zähle zu den wenigen noch aktiven Politikern in Europa, die an den bedeutenden Integrationsschritten seit den 1980ern mitgewirkt hätten.
„Wolfgang Schäuble ist ein deutscher Patriot und auch ein europäischer Patriot“, sagte Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker in seiner Laudatio. Die gemeinsame Währungsunion sei ihm ein Herzensanliegen. „Er schindet sich, er bemüht sich, er kämpft“, sagte Juncker, der die Auszeichnung sechs Jahre zuvor erhalten hatte.
Mit der Wahl Schäubles setzte das Karlspreis-Direktorium demonstrativ ein Zeichen in der wohl schwersten Krise Europas. Gerade in Zeiten der Krise sei er ein wichtiger Akteur und bedeutender Impulsgeber für ein Fortschreiten der Einigung hin zu einer Politischen Union. Für den Vollblutpolitiker Schäuble ist der Karlspreis, den schon der frühere US-Präsident Bill Clinton und Papst Johannes Paul II. gewonnen haben, die höchste Auszeichnung seiner Karriere. Schäuble wurde von seiner Familie begleitet.
Unter den 850 Gästen im Aachener Rathaus waren unter anderen der frühere Bundespräsident Roman Herzog, der Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz, Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) und NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD).
Schäuble ist Europäer durch und durch: Der 54. Karlspreisträger war 1986 an der Einheitlichen Europäischen Akte beteiligt, die das Fundament für einen gemeinsamen Binnenmarkt legte. Vier Jahre später hat er als Verhandlungsführer den Vertrag zur Deutschen Einheit unter Dach und Fach gebracht – die Teilung Europas war überwunden. 1992 wirkte er am Vertrag von Maastricht entschieden mit, 2007 am Lissabonner Vertrag.
Der Aachener Karlspreis zählt zu den bedeutendsten europäischen Auszeichnungen. Er wird seit 1950 an Persönlichkeiten und Institutionen verliehen, die sich um die Einigung Europas verdient gemacht haben. Die Auszeichnung ist mit 5000 Euro dotiert und wird traditionell am Himmelfahrtstag verliehen. Zu den bisherigen Preisträgern zählen auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (2008) und der frühere britische Premierminister Tony Blair (1999).