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Vier Tote nach Familiendrama in Berlin

Mann tötete vermutlich seine Ehefrau, die Kinder und sich selbst - Fahndung nach Familienvater aus Neuss - 22.08.2012 12:30 Uhr

Berlin  - Schon wieder ein Familiendrama. In Berlin findet die Feuerwehr vier Tote. Wahrscheinlich hat der Vater seine Familie und sich selbst getötet. In Neuss, wo ein Mann seine Frau und seine Kinder erschossen haben soll, ist der Verdächtige immer noch auf der Flucht.

Tatort Berlin: In einem Wohnhaus werden vier Leichen gefunden. Ein Familienvater hat wahrscheinlich seine Frau und zwei seiner Kinder getötet.
Tatort Berlin: In einem Wohnhaus werden vier Leichen gefunden. Ein Familienvater hat wahrscheinlich seine Frau und zwei seiner Kinder getötet.
Foto: dpa
Tatort Berlin: In einem Wohnhaus werden vier Leichen gefunden. Ein Familienvater hat wahrscheinlich seine Frau und zwei seiner Kinder getötet.
Tatort Berlin: In einem Wohnhaus werden vier Leichen gefunden. Ein Familienvater hat wahrscheinlich seine Frau und zwei seiner Kinder getötet.
Foto: dpa

Die Reihe schockierender Familiendramen in Deutschland nimmt kein Ende. Nur ein Tag, nachdem in Neuss eine Gewalttat mit drei Toten bekanntwurde, haben die Ermittler in Berlin vier Tote in einem Mehrfamilienhaus gefunden. Bisher geht die Polizei davon aus, dass ein 69 Jahre alter Vater seine 3 und 6 Jahre alten Kinder sowie seine 28 Jahre alte Frau und sich selbst getötet hat. Im nordrhein-westfälischen Neuss ist der Mann immer noch flüchtig, der seine Frau und seine beiden Kinder erschossen haben soll. Der 35-Jährige wird mit Haftbefehl wegen dreifachen Totschlags gesucht. Er war als gewalttätig bekannt.


 In Berlin sollen Obduktionen an diesem Mittwoch klären, wie die Familie ums Leben gekommen ist, sagte ein Polizeisprecher am Morgen. Ein knapp einjähriges Mädchen hat die Familientragödie in Berlin-Gatow mit vier Toten überlebt. Das Kind sei vor der Tat in der Babyklappe des Waldkrankenhauses in Spandau abgegeben worden, sagte der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, am Mittwoch und bestätigte Informationen der „Bild“-Zeitung.

Mädchen ist in gutem Zustand

„Wir können bestätigen, dass es sich bei dem Kind um die Tochter der getöteten Frau handelt. Das Mädchen war gesund und in gutem, gepflegten Zustand“, sagte eine Sprecherin des Evangelischen Waldkrankenhaus Spandau am Mittwoch. Ärzte hätten sich sofort um das Kind, einen älteren Säugling, gekümmert. Noch in der Nacht sei die Kripo informiert worden. „Das ist das normale Vorgehen“, sagte die Sprecherin. Gleich am frühen Montagmorgen habe man Kontakt mit dem Krisendienst des zuständigen Jugendamtes aufgenommen und noch am selben Tag hätten Ärzte die Kleine in die Obhut eines Kinderheimes übergeben.

Die Ermittler gehen davon aus, dass die Tat im Stadtteil Gatow schon mehrere Tage zurückliegt, wann genau, war zunächst unklar. «Es gibt keine Hinweise, dass die Frau die Tötung gewollt hat», betonte Redlich. Die Todesursachen stehen noch nicht fest, erschossen wurden die Opfer aber laut Polizei nicht. Wahrscheinlich hat sich der Mann nicht unmittelbar nach der Tat das Leben genommen, sondern noch etliche Zeit vergehen lassen, hieß es. Der Mann habe einen Abschiedsbrief hinterlassen. Demnach könnten hohe Schulden Auslöser des tödlichen Dramas gewesen sein.

 Nachbarn hätten am Dienstagabend kurz nach 20.00 Uhr die Feuerwehr alarmiert, weil der Wagen der Familie schon länger nicht bewegt worden sei und ein Fenster der Wohnung tagelang offen gestanden habe, erklärte der Sprecher. Die Feuerwehrleute brachen daraufhin die Wohnungstür auf und fanden die Leichen. Die Kinder wurden in ihrem Zimmer entdeckt.

 Das dreigeschossige Mehrfamilienhaus mit zehn Mietparteien liegt im Berliner Ortsteil Gatow im Westen der Hauptstadt. Die Nachbarn wurden bereits befragt, sollen aber auch in den kommenden Tagen noch einmal vernommen werden.

Trennungsabsicht als Motiv in Neuss?


In Neuss war das Motiv des Vaters möglicherweise die Trennungsabsicht der Frau. Die Polizei war in den vergangenen zwei Jahren mehrfach nach Gewaltausbrüchen des Mannes in der Wohnung der Familie, das Jugendamt war eingeschaltet. Die Polizei fahndet nun mit einem Foto nach dem Vater, der womöglich bewaffnet ist. Der Mann ist demnach 1,66 Meter groß und schlank. Als er zum letzten Mal gesehen wurde, trug er ein rötliches Hemd und eine khakifarbene Dreiviertelhose. Für Hinweise, die zu seiner Festnahme führen, hat die Staatsanwaltschaft eine Belohnung von 1 500 Euro ausgesetzt. Der 35-Jährige gilt als gefährlich und ist möglicherweise mit einem Revolver oder einer Pistole bewaffnet.

 Vor zwei Jahren war der Mann erstmals aufgefallen, weil er seine Frau geschlagen und ihr gedroht hatte. Die Kinder seien den Erkenntnissen zufolge nicht Opfer von Gewalt geworden und auch nicht vernachlässigt gewesen.

In den vergangenen Wochen hatten mehrere Familiendramen die Öffentlichkeit schockiert. Allein in Nordrhein-Westfalen wurden in diesem Monat schon sieben Kinder getötet. Anfang August waren nach einem Wohnungsbrand in Dortmund zwei tote Kinder entdeckt worden, ein drittes starb im Krankenhaus. Die Ermittler gehen davon aus, dass die 29 Jahre alte Freundin des Vaters die zwei Jungen und ein Mädchen ermordet hat. Knapp eine Woche später hatte ein 27 Jahre alter Mann in Oberhausen einen 8 Jahre alten Jungen mit einem Messer erstochen. Zwei Tage später kam in Essen ein 7-jähriges Mädchen um - seine Mutter soll zuerst das Mädchen und dann sich selbst getötet haben.


Im oberbayerischen Emmering hatte zudem eine Mutter ihre beiden kleinen Söhne und sich selbst umgebracht. Wenige Tage zuvor hatte im Allgäu ein Familienvater seine vier und zehn Jahre alten Söhne getötet, dann hatte sich der 44-Jährige an einem Bagger erhängt. 

dpa


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