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„Ich bin Markus Lanz“, sagt der leicht nervöse Mann auf dem Bildschirm. Und irgendwie fällt in dem Moment das glänzende Papier endgültig ab von diesem Geschenk ans deutsche Fernsehen – diesem Markus Lanz, diesem Heilsbringer, der dem Übervater Frank Elstner zu Beginn der Show zu rauschendem Applaus die Hand schüttelte. Zur Sicherheit sagt es Lanz auch nochmal: „Frank Elstner, meine Damen und Herren.“
Alles glänzt bis dahin noch so schön neu: Die Wettkandidaten kommen gleich mit ihren prominenten Paten in die Show, die Couch kann sich drehen und Lanz weicht jeder Form des Salbaderns aus. Der Mann hat seine Eloquenz ja auch im Boulevard geschult. Und so bleiben die Gespräche weiter nichtssagend, nur geht es eben nicht mehr um neue Filme, Bücher oder Platten sondern Karl Lagerfelds Ausgaben und Wotan Wilke Möhrings wilde Vergangenheit. Das der Sendung allerdings vorzuwerfen, wäre kleinlich, denn „Wetten, dass…?“ soll ein Unterhaltungsformat sein.
Doch das Gequatsche nimmt jetzt den größten Teil der Sendung ein. Die Wette, in der ein Mann mit dem Traktor auf zwei Reifen durch einen Parcours fahren wollte, endet innerhalb von ein paar Sekunden. Und somit auch dann die Zeit des Kandidaten. Dumm gelaufen. Genauso wie bei der Dame, die nur anhand vom Tasten des Fells die Hunderasse erkennen wollte. Gottschalk hat sich in diesen Momenten zurückgenommen. Lanz redet. Und redet. Und redet.
Aber er darf das. Er ist Markus Lanz. Das hat er uns ja zu Beginn auch gesagt. Der Mann, der alles wieder gut machen soll. Und doch ist er gnadenlos verloren vor so einer großen Bühne. Seine Moderationen haben phasenweise den Charme einer Tombola im örtlichen Baumarkt. Dagegen kommt selbst Cindy aus Marzahn erfrischend als Assistentin daher. Da sitzen immerhin die Pointen und die Frau weiß, wie sie sich zurückstellen muss, wenn es wichtig wird.
Doch braucht es wirklich immer noch Witze über Wohnwagen, wenn die Wettpaten Holländer sind? Sylvie van der Vaart und ihr Gatte machen das breitwillig mit, aber der Unterhaltungswert? Das sind zwei Holländer, die mit einem Tandem und einem angehängten Wohnwagen durch die Halle fahren. Zwei Holländer. Auf einem Tandem. Lustig. Nicht.
Aber die Frage der Fragen am Abend war sowieso: „Was reimt sich auf Lanz?“ Rapper Cro war einer der wenigen lichten Momente mit seinem Shirt, auf dem eben jene Frage in großen Buchstaben stand. Lanz nimmt das offenbar ernsthaft als Kompliment.
Es gäbe noch viel zu sagen: Vom Playback-Auftritt der Toten Hosen, der in etwa so viel Punk war, wie der Auftritt von Jennifer Lopez, von der komplett missglückten Jauch-Parodie von Michael Kessler, von der Langeweile, die sich breitmachte, obwohl Lanz nur ein paar Minuten überzogen hat. Doch vielleicht sind das Dinge, die sich noch ausbessern lassen.
Allerdings stellt sich die Frage, ob ein so aufgeblähter Gigant wie „Wetten, dass..?“ überhaupt noch eine Chance hat, sich am Samstagabend durchzusetzen. Die vielen Neuerungen entpuppen sich einfach nur als ein Platzmachen für die Person Lanz. Wetten werden vielleicht noch per Einspielfilm erklärt, aber auch nicht immer, die Kandidaten bekommen kaum Zeit sich vorzustellen. Damit geht nicht nur das Alte sondern auch der Charme flöten.
Denn es sind gerade viele kleine Dinge, die stimmen müssen, damit so eine Show funktioniert. Es braucht da keinen Bombast, sondern Bodenständigkeit. Und vielleicht manchmal einfach Stille und ein wenig Selbstironie. Den Raab schlägt Lanz so niemals. Nicht einmal beim Überziehen der Sendung.