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Sozialticket: Im Herbst werden die Würfel fallen

Ausschuss debattierte über billigere Variante für den Nahverkehr - 13.07.2012 13:00 Uhr

Wer auf Sozialleistungen angewiesen ist und daher Anspruch auf einen Nürnberg-Pass hat, kann eine vergünstigte Monatskarte für 30,80 Euro erwerben. Allerdings halten die Befürworter des Sozialtickets dies für zu teuer. © Hans-Joachim Winckler


Freilich hat die VAG schon ein solches Sozialticket (auch wenn es nicht so heißt) im Angebot, wie Sozialreferent Reiner Prölß im Disput mit Befürworterin Marion Padua (Linke Liste) lautstark deutlich machte: „Da hat noch niemand über Teilhabe diskutiert, da haben wir in Nürnberg vor über 20 Jahren einen Sozialtarif eingeführt.“ Wer auf Sozialleistungen angewiesen ist und daher Anspruch auf einen Nürnberg-Pass hat, kann eine vergünstigte Monatskarte für 30,80 Euro erwerben. Allerdings halten die Befürworter des Sozialtickets dies für zu teuer.

Für die Studie, die im gesamten Jahr 2011 lief, wurden 1521 Personen mit Nürnberg-Pass über ihr Mobilitätsverhalten befragt. Dabei kam heraus, dass 69 Prozent der Nürnberg-Pass-Besitzer kein Auto haben und 68 Prozent auch keinen Führerschein besitzen. Betrachtet man alle Nürnberger, sind die Zahlen fast genau spiegelverkehrt: 75 Prozent haben ein oder mehrere Autos im Haushalt, 70 Prozent den Führerschein.

Insofern sind die Pass-Besitzer für die VAG ein interessantes Zielpublikum. Allerdings nutzen bereits 45 Prozent der Pass-Besitzer Bus und Bahn als dominierendes Verkehrsmittel (Gesamt-Nürnberg: 22 Prozent), eine Zahl, die Brög für schwer steigerbar hält. In der Studie wurden vier Varianten zum bisherigen Sozialtarif formuliert.

Drei orientieren sich am Regelsatz für Mobilität, der Empfängern von Arbeitslosengeld II zusteht – nämlich 23 Euro. Zwei dieser Varianten werden dann teurer, wenn man – was bisher ausgeschlossen ist – zudem Leute mitnehmen darf. Eine weitere Variante übernimmt die 30,80 Euro, ermöglicht aber Mitnahme, wenn der Fahrgast 4,70 Euro draufzahlt.

Diese vierte Variante erwies sich logischerweise als die unattraktivste für die befragten Nürnberg-Pass-Besitzer. Den größten Fahrtenzuwachs – immerhin 20 Prozent – würde die Variante erzielen, die zum Preis von 26,50 Euro Mitnahme ermöglicht.

Doch damit würden wenig Neukunden angesprochen, sondern es gäbe eine Wanderung von bisher anderen Ticketverkäufen in den Sozialtarif hinein. Deshalb könnte die VAG am Ende kein Plus erwirtschaften, sondern hätte einen Verlust von 180000 Euro. Vor diesem Hintergrund machte Prölß deutlich, dass es eigentlich nur drei Wege gebe, einen billigeren Sozialtarif zu finanzieren: Eine Möglichkeit wäre, die anderen Tarife zu erhöhen. Dann leide aber darunter etwa die Discounter-Verkäuferin, die auch nicht viel Geld hat, aber über der Bemessungsgrenze liegt.

Oder aber die VAG trägt das Defizit; das trifft die Stadt. Die dritte Variante: „Man finanziert das über den Sozialetat. Aber dann muss der ehrenamtliche Stadtrat entscheiden, welche Leistungen er dafür streichen will“, so Prölß.

Im Oktober soll nochmals – rechtzeitig vor den Haushaltsberatungen – über die Studie beraten werden. Dann wollen die Räte darüber entscheiden, ob sie auf der Grundlage der Untersuchung einen veränderten Sozialtarif einführen oder das alte System belassen. 

Marco Puschner

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