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Stärkung der Gemeinden vor Ort

Kritisches evangelisches Kirchenforum fordert: - 20.04.2011 19:49 Uhr

Am 7. Mai veranstaltet das Forum unter dem Motto „Wie reformfähig ist unsere Evangelische Kirche?“ in der Gustav-Adolf-Gedächtniskirche seinen 3. Aktionstag. „Aufbruch Gemeinde“ wendet sich gegen alle Tendenzen der Zentralisierung, Hierarchisierung und Episkopalisierung in der Evangelischen Kirche, denn damit beharre sie auf jahrhundertealten Strukturen. Stattdessen fordert das Forum mehr Eigenverantwortung und Entscheidungsvollmacht für die Gemeinden – in Personal- und Bauangelegenheiten, vor allem aber auch in finanziellen Fragen.

Vorgeschlagen wird ein alternatives Finanzierungssystem, das die Gemeinden stärkt. Grundidee ist, dass 80 Prozent der Kirchensteuermittel an die Gemeinden zurückfließen. So soll direkt vor Ort entschieden werden, wie das Geld am sinnvollsten verwendet wird. „Den Gemeindemitgliedern kann man das dann viel besser plausibel machen“, meint der Fürther Pfarrer Hans-Ulrich Pschierer. Das Finanzierungsmodell soll zunächst in einem Probedekanat getestet werden.

Ein Kritiker der Politik der Evangelischen Landeskirche in Bayern ist Pfarrer Dieter Schlee. Diese Politik schnüre seiner Gemeinde Lichtenhof wie vielen anderen in Bayern die Luft ab. Schlee wendet sich gegen die Mittelverteilung „von oben“, den Landesstellenplan und das Immobilienmanagement. Durch Stellenvorgaben wurden in seiner Gemeinde die Bürostunden der Sekretärinnen so stark reduziert, dass er selbst einen großen Teil der Verwaltungsangelegenheiten übernehmen muss. Schlees seelsorgerliche Hauptaufgabe kommt dadurch zu kurz, und darunter leidet der Pfarrer ebenso wie die Gemeindemitglieder: „Mir geht es doch eigentlich darum, das Evangelium unter die Leute zu bringen.“ Auch das Immobilienmanagement würde sich verheerend auf die Gemeinde Lichtenhof auswirken: Es verlangt von den Gemeinden, hohe Rücklagen für den Bauunterhalt anzusparen. Im Fall der Gustav-Adolf-Gedächtniskirche wären das jährlich 450000 Euro – „eine Summe, die uns in den Ruin treiben würde“, so Schlee.

Im Forum „Aufbruch Gemeinde“ haben sich 2008 fränkische Pfarrer und Theologen zusammengeschlossen. Sie erhoffen sich vom künftigen Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, „dass er den Blick für die Ortsgemeinde hat, deren Anliegen versteht und dass er den Kurs der Landeskirche vorsichtig prüft und stoppt“, sagt Martin Hoffmann.

Zum Aktionstag am 7. Mai sind Kirchenvorstände und Pfarrer eingeladen, die man über die Ziele von „Aufbruch Gemeinde“ informieren will. Geplant ist, einen „Gemeindebund“ zu gründen, der sich für das alternative Finanzierungsmodell einsetzt. Der Tag beginnt um 10 Uhr, um 10.15 Uhr spricht Wolfgang Schoberth, Professor für Systematische Theologie aus Erlangen, zum Thema „Wie reformfähig ist unsere Evangelische Kirche – Das Profil einer Aufbruchsgemeinde“. Ab 12.30 Uhr stellt das Forum seine Ziele in mehreren Arbeitsgruppen vor. Der Tag endet mit einem Gottesdienst um 14 Uhr. 

Ute Wolf E-Mail

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