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Süßes Gebäck tröstet über traurige Tage

Zwischen Pegnitz und Piazza vom 3. November 2012 - 02.11.2012 12:43 Uhr

Meine Landsleute sind an diesen Tagen viel unterwegs, um ihre verstorbenen Lieben in anderen Städten zu besuchen. Auf dem Friedhof wurde gestern gearbeitet, geputzt, poliert und geschmückt – und unvermeidlich auch viel geredet, denn Allerseelen ist auch ein fester Termin, an dem sich die Familien treffen, um zusammen Trost zu finden und sich gemeinsam an die scomparsi (Hingeschiedenen) zu erinnern.

Die cimiteri (Friedhöfe) wurden von Menschen geradezu überrannt, die normalerweise diesen Ort kaum besuchen: Italiener mögen den Friedhof überhaupt nicht und schon gar nicht, um dort lange zu verweilen. Wenn es nicht notwendig ist, versuchen sie dieses Thema sogar total zu vermeiden. Die Blumenläden wurden kaum mit der starken Nachfrage nach crisantemi (Chrysanthemen) fertig. Wer in santa pace (ungestört) beten wollte, musste sich möglichst früh am Morgen zum Friedhof begeben. Je später, desto höher die Gefahr, jemandem aus der Verwandtschaft zu begegnen, und dann wird es wirklich schwierig, sich dem Fluss der Erinnerungen zu entziehen.

Vielleicht ist aber eben das die Botschaft, denn beim Zusammenhalten wächst auch das Gefühl der Zugehörigkeit. Und wer sich trotzdem dabei nicht wohl fühlt, sollte sich ein bisschen entspannen, denn das passiert nicht tutti i santi giorni (jeden Tag).

Santa pazienza!

Tutti i santi giorni haben die Italiener dagegen von ihm gehört: Direkt oder indirekt stand der italienische Ex-Premier Silvio Berlusconi 20 Jahre lang ununterbrochen im Rampenlicht: una santa pazienza (sehr viel Geduld) hatten meine Landsleute! Nachdem aber die Diskussion innerhalb seiner Partei über eine mögliche Kandidatur zu den nächsten Wahlen era giunta a un punto morto (an einem toten Punkt gekommen war), und die jüngsten Umfragen um seine Person deprimierend waren, hat der Cavaliere entschieden, im Frühjahr nicht wieder zu kandidieren: Eine neue Konstellation, die sich viele gewünscht haben, an die aber nur wenige geglaubt haben. Nach seiner letzten provokativen, fast gespenstischen Pressekonferenz verspricht er aber, meine Landsleute weiter zu beschäftigen – trotz des Hafturteils wegen Steuerbetrugs.

Erstens muss sich jetzt herauskristallisieren, wer seinen Platz übernehmen wird: Sein Nachfolger dovrà raccomandarsi a tutti i santi del paradiso (wird zu allen Heiligen im Paradies um Fürsprache bitten müssen)! Wie werden sich die Italiener aber über diesen „Verlust“ hinweg trösten? Sie haben schon angefangen, und zwar mit i dolci dei Morti (dem süßen Gebäck zu Allerseelen): Ursprünglich als Verbindung zu den Toten gedacht, gehören die Süßigkeiten zum traditionellen Gebäck an diesen ersten Novembertagen – auch zum Trost für die graue Zeit, die dieser Monat mit sich bringt. Je nach Region heißen sie anders: pane, fave od ossa dei morti (Brot, Saubohnen oder Knochen der Toten). Von den meist würzigen Kekssorten davon naschen alle in der Familie: Zusammen mit einem Gläschen vinsanto können sie risuscitare anche i morti (auch die Toten wieder aufleben lassen)! 

Nicoletta De Rossi E-Mail

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