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Alle wollen es: ein Semesterticket

Erlanger Studenten entscheiden mehrheitlich für solidarisch finanziertes Modell - 13.12.2013 10:00 Uhr

Ein echtes Semesterticket gibt es derzeit nicht für all die Studenten, die etwa zwischen Nürnberg und Erlangen pendeln. Der VGN verkauft bislang Fahrkarten, die nur während der Vorlesungszeit gültig sind. © Mark Johnston


Hände schießen in die Höhe und wedeln mit einem grünen Papier, die grüne Ja-Karte. Damit stimmt die Mehrheit der Studenten einem Vorschlag von Benedikt Kopera, dem Vorsitzenden des studentischen Konvents, zu. Dieser lautet: „Wollen wir ein solidarisch finanziertes Semesterticket für Erlangen-Nürnberg?“

Es ist studentische Vollversammlung an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Zwar klingt der Begriff Vollversammlung etwas allzu optimistisch: Von den 37500 immatrikulierten Studenten hocken gerade mal 200 bis 250 im Audimax. Bierflaschen klirren, einige feiern ein wenig. Doch andere sind voll bei der Sache.

Heißdiskutiertes Thema der Versammlung: das Semesterticket. Mal wieder. Seit Jahren kämpfen Studenten um ein solches Ticket. Bislang erfolglos. Dabei gibt es inzwischen in fast allen Uni-Städten so ein Ticket, wie Benedikt Kopera erzählt: „In Deutschland gibt es an zwei Unis kein Semsterticket“, sagt er, blickt kurz in die Runde und bringt seine Pointe. „Das sind die FAU und die Fernuni Hagen.“ Gelächter.

Dabei ist den Studis das Thema durchaus ernst: Erst in diesem Jahr haben Vertreter der FAU, der Technischen Hochschule sowie der Evangelischen Hochschule Nürnberg ein Aktionsbündnis gegründet mit dem Ziel, ein Semesterticket einzuführen.

Vorbild München?

In München etwa gibt es seit diesem Herbst erstmals ein echtes Semesterticket — nachdem jahrzehntelang darüber debattiert wurde. Das System ist denkbar einfach: Jeder Student — egal, ob er das Ticket nutzt oder nicht — muss einen Beitrag zahlen: 59 Euro pro Semester. Dafür bekommt jeder Student auch ein Ticket, mit dem er nach 18 Uhr und am Wochenende durch ganz München tingeln kann. Also eher ein Freizeitticket.

Wer tatsächlich zur Uni pendelt und tagsüber mit U-Bahn oder Tram fahren will, zahlt nochmal 141 Euro drauf. Falls das Münchener Verkehrsunternehmen bei diesem Deal miese macht, hat die Stadt München ihre Hilfe zugesichert: Sie will in den ersten beiden Jahren bis zu zwölf Millionen Euro übernehmen. Binnen diesen zwei Jahren muss die Verkehrsgemeinschaft ein Kalkül finden, das aufgeht.

An sich wäre das Münchener Modell auch in der Metropolregion denkbar: Der VGN als Vertragspartner ist einem solchen Ticket nicht per se abgeneigt, versichert Pressesprecher Manfred Rupp. Erklärt aber gleichzeitig den Haken an der Sache: In Bayern gibt es keine verfasste Studentenschaft, die einen solchen Vertrag abschließen kann.

Sattdessen käme diese Rolle dem Studentenwerk zu. Das wiederum fürchtet jedoch, verklagt zu werden. Denn freilich gibt es Studenten, denen es nicht in den Kram passt, für ein Ticket zu zahlen, das sie nicht nutzen — gibt Rupp zu Bedenken. „Gerade in Erlangen fahren ja viele Fahrrad.“

Eben deswegen könnte das Studentenwerk verklagt werden. Die verfasste Studentenschaft nicht — sie wird demokratisch von den Studenten gewählt. In Deutschland gibt es in allen Bundesländern eine verfasste Studentenschaft, bloß in Bayern nicht. Vor 40 Jahren wurde sie im Freistaat abgeschafft.

Im nächsten Jahr wollen VGN und Studentenwerk erneut verhandeln. Dann nämlich liegen dem VGN die Ergebnisse einer Fahrgastbefragung vor. Mit dieser will der Verbund kalkulieren, wie viel ein solches Ticket kosten müsste. Die Studenten auf der Versammlung sind sich zumindest einig: Sie wollen ein Semesterticket. Und dafür werden sie demnächst auch eine Demo organisieren. 

HANNI KINADETER

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