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Alles Fake: Schüler erfinden Nachrichten

So schnell verbreiten sich auch Falschmeldungen im Internet - 27.10.2014 10:00 Uhr

Schüler der Nürnberger Georg-Ledebour-Schule haben während ihrer Projektwoche Falschmeldungen in ihren Blog geschrieben und diese über ihre Facebookseite geteilt. © Foto: Stefanie Goebel


„Schüler machen Zeitung und schreiben Nachrichten“ - wie langweilig, dachten sich die Schüler der Georg-Ledebour-Schule, die dieses Thema nicht gerade vom Hocker riss. Das geben die meisten der 13 Teilnehmer offen zu. Doch in der Projektwoche hat sich ihre Einstellung deutlich geändert; am Ende sind sie sogar ganz heiß darauf, noch mehr Meldungen zu schreiben.

Denn was die beiden Projektleiter Nicole Oksman, Lehrerin, und Stefan Salamonsberger, Medienexperte von der Nürnberger Initiative „Abenteuer Buch“, nicht bei der Ausschreibung des Themas verrieten: Die Schüler sollten keine echten Nachrichten verfassen, sondern Falschmeldungen.

Brief oder Kommentar

Davor haben sich die Schüler aber erst mal mit Nachrichten in Zeitung und Internet beschäftigt. Ihre Aufgabe war es herauszufinden, ob und wie sich die gedruckte Version vom Online-Produkt unterscheidet. In dem Fall untersuchten sie die Nürnberger Nachrichten und die Webseite www.nn-online.de

Hyperlinks, die der Internetnutzer anklickt, um mehr über ein Thema zu erfahren, gibt es in der Zeitung schließlich auch. Nur heißt es da eher „Weiterer Bericht auf Seite 3“. Und wenn Leser Artikel online kommentieren, entspricht das in der gedruckten Version den Leserbriefen. Es gibt also vieles, das ähnlich ist, hinter dem nur eine andere Technik steckt.

Genauso ist es bei der Verbreitung von Nachrichten. Wer einen Zeitungsbericht seinen Freunden zeigen will, muss diesen ausschneiden und ihn weitergeben – oder ihn in der Schule ans schwarze Brett pinnen. Online geht das viel schneller. Über die Funktionen „teilen“ oder „versenden“ steht ein Artikel schwuppdiwupp auf Facebook oder landet bei Freunden im E-Mail-Postfach.

Dass sich Meldungen online flott verbreiten, durften die Schüler dann bei ihrem eigenen Weblog erfahren. Unter dem Titel „Young Digital News“ schrieben die Jugendlichen selbst Nachrichten – allerdings durften diese nicht wahr sein. Sich Fake- News auszudenken, machte den Schülern schließlich so viel Spaß, dass sie in der Woche insgesamt acht Falschmeldungen im Blog veröffentlichten und auf der dazugehörigen Facebook-Seite teilten. Die Schüler behaupteten etwa, dass es bald das Fach „Pflege und Aussehen“ an der Schule gibt oder dass das Franken- Einkaufszentrum vergrößert wird.

Die Reaktionen darauf konnten die Siebt- bis Zehntklässler kaum fassen. „Ein Kumpel glaubte, dass in Langwasser wirklich eine Go-KartBahn gebaut wird und dass in einem Sandkasten Gold gefunden wurde“, erzählt Kevin (14) und lacht. „Auch auf Facebook konnte man aus den Kommentaren ablesen, dass die Meldungen für wahr gehalten werden“, ergänzt Carsten (17). Er glaubt seit der Projektwoche dem Internet nicht mehr alles, weil „wie wir ja jeder einfach etwas behaupten kann“.

Der Blog, zu finden auf http:// youngdigitalnews.wordpress.com, ist zwar mit dem Begriff „Satire“ verschlagwortet, doch diese Info verschwindet beim Teilen auf der Facebook-Seite, die in einer Woche knapp 70 Likes erhielt. Der Blog soll auch nach dem Projekt weiter gefüllt werden, sagen die Projektleiter. 

STEFANIE GOEBEL

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