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Angriff der Luftwaffe

Vivian Sohn holte Gold im Polsterwaffenschwertkampf - 19.05.2015 17:42 Uhr

Polsterwaffenschwertkampf ist ihre gemeinsame Leidenschaft: Seit gut einem Jahr trainieren Vivian Sohn (rechts) und ihre beste Freundin Barbara Burger gemeinsam im Verein Zitadelle Nürnberg. © Fotos: Günter Distler


Wenn Freunde Vivian auf ihr Hobby ansprechen, können sich die meisten gar nichts darunter vorstellen und schauen sie erst einmal mit großen Augen an. „Es gibt auch viele, die glauben es einem erst nicht so wirklich“, sagt Barbara Burger, die mit Vivian in die 9. Klasse des Ohm-Gymnasiums Erlangen geht und ihre beste Freundin überhaupt erst auf den Kampfsport aufmerksam gemacht hat.

Seit gut einem Jahr nun trainieren beide gemeinsam im Verein Zitadelle, der neben seinem Hauptsitz in Nürnberg auch Ableger in Ingolstadt, München, Frankfurt und Würzburg hat.

Mit Freude denkt Vivian an ihre erste Übungseinheit zurück: „Ich wurde nicht geschont, weil ich eine Anfängerin war, sondern gleich ins kalte Wasser geschmissen.“ Runden laufen, Liegestützen — das volle Programm.

Der Polsterwaffenschwertkampf ist ursprünglich als Vorbereitung auf den Umgang mit dem Eisenschwert entstanden, erklärt Sebastian Coors, der nicht nur Vollkontakt-Schwertkampf betreibt, sondern auch den Nachwuchs heranführt: „Es geht darum, Kinder und Jugendliche im Vorlauf zu trainieren, bevor es sich mit der richtigen Waffe lohnt.“

Die Polsterwaffenschwerter bestehen aus einem Plastikrohrkern, der mit Schaumstoff umklebt und mit einer Glasfasermatte ummantelt ist. Das Ganze wird mit Schaumstoff oder Tape versehen. Mittlerweile hat sich der Kampf mit den Polsterwaffen zu einer eigenständigen Sportart entwickelt, die auch viele Erwachsene betreiben.

Vivians Eltern waren überrascht, als ihre 15-jährige Tochter nach Weißrussland reisen wollte. „Aber sie hatte so lange und so hart trainiert“, sagt Mutter Heike Sohn. Außerdem bestätigte Trainer Valentin Zerr, dass Vivian für das internationale Turnier gewappnet sei. „Alleine wären wir wahrscheinlich nicht gefahren. Aber als klar war, dass Kevin mitkommt, haben wir gesagt: Wir wagen das Abenteuer.“

Der 25-jährige Kevin Kondert ist seit zwei Jahren dabei. Er wurde über das von der Zitadelle veranstaltete Burggrabenfest in Nürnberg auf den Schwertkampf aufmerksam. Kurz darauf absolvierte er ein Probetraining und war fortan Feuer und Flamme.

Bei den Titelkämpfen in Weißrussland erkämpfte sich der Oberasbacher bei den Männern im Leichtgewicht Rang vier – und trug seinen Teil dazu bei, dass die deutsche Delegation einen bemerkenswerten 3. Rang unter den sieben teilnehmenden Nationen erreichte.

In der weißrussischen Hauptstadt hatten die Athleten aus Nürnberg immer wieder mit Verständigungsproblemen zu kämpfen – Vivian verpasste gleich mehrfach Aufrufe zum nächsten Kampf. „Die Leute sind aber sehr hilfsbereit gewesen“, sagt Kevin: „Die Suche nach einem Restaurant hat sich über zwei Stunden hingezogen, obwohl drei Weißrussen versucht haben, uns mit Händen und Füßen den Weg zu erklären.“ Für Kevin ist der Kampf mit den Polsterschwertern eine willkommene Abwechslung. Schließlich fällt die Ausrüstung dafür im Vergleich zu seiner 26 Kilogramm schwere Rüstung für den Vollkontakt-Schwertkampf kaum ins Gewicht.

„Mein Ziel ist es, irgendwann mit Eisen zu kämpfen und auch damit weit aufzusteigen“, sagt Vivian selbstbewusst. Nach Möglichkeit ähnlich erfolgreich wie in Minsk, als sie im Finalkampf ihre polnische Kontrahentin in einem spannenden Duell bezwang und sich dadurch den Titel bei den Mädchen der Altersklasse 14 und 15 Jahre sicherte.

„Vivian hat eine relativ gute Deckung und arbeitet technisch recht sauber, aber leider noch deutlich zu berechenbar“, sagt Sebastian. „Daran müssen wir im Moment noch arbeiten, um mehr Überraschungseffekte und mehr Bums reinzubringen.“

Sorgen um ihre Tochter müssen sich Vivians Eltern keine machen. „Der Polsterwaffenschwertkampf ist sehr sicher. Da passiert eigentlich sehr wenig“, sagt Sebastian. „Stahl ist zwar ein bisschen riskanter, aber vom Verletzungsgrad her sind wir immer noch weit unter den Quoten, die es allein schon beim Fußball gibt.“

Noch ist Vivian zu jung, selbst mit dem Eisenschwert zu kämpfen. Ihr nächstes Ziel hat sie aber bereits fest im Blick: die Weltmeisterschaft, die auch 2016 in Minsk ausgetragen wird.

  

JOHANNES HANDL

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