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Eine Woche ohne Smartphone, Strom und Co.

Ein Zeltlager mit Technikpause - das kann sogar richtig erholsam sein - 13.04.2017 19:56 Uhr

Ein Feld im Nirgendwo: Hier verbringen Jugendliche eine Woche fast ohne Technik. Die meisten vermissen ihr Handy gar nicht, zumal es kaum Strom zum Aufladen gibt. © Eckert


Eine Wiese irgendwo im Nirgendwo. Eingekesselt von Wald und Feldern verbringen wir eine Woche ohne Elektrizität und Technik. Würde ich nicht schaffen, denken sich vielleicht viele. Das würde ich wahrscheinlich auch meinen, wenn ich diese Erfahrung nicht schon gemacht hätte. Wo? Auf unserem Zeltlager in der Fränkischen Schweiz – abseits von Zivilisation und Alltag.

Dort angekommen haben wir erst mal Heringe in die Erde geklopft, Steckregale und Gaskocher im Küchenzelt aufgebaut, Holz fürs Lagerfeuer gesammelt, den Wasserkanister aufgefüllt und so weiter. Dann kamen unsere Teilnehmer an, für die wir Betreuer ein vielseitiges Programm voller Action und Spaß auf die Beine gestellt haben.

Irgendwo im Nirgendwo trifft es übrigens ganz gut, denn meistens lässt auch der Handyempfang zu wünschen übrig. Wie? Handyempfang? Ja, es geht um eine Woche ohne Technik, aber ganz ohne klappt es eben doch nicht. Die technischen Gegenstände auf dem Zeltplatz lassen sich aber an einer Hand abzählen: Handys, Autos und Kameras.

Interessant ist, dass das Bedürfnis, auf das Smartphone zu schauen, im Laufe der Woche abnimmt. Dieser Effekt beginnt schon, wenn wir in der Natur ankommen und das Telefon anfängt zu nerven, mit seiner ständigen Forderung nach Aufmerksamkeit. Anfänglich versuchen alle noch, einigermaßen up to date zu bleiben.

Die Aktivitäten lenken ab

"Man merkt schnell, dass man sich die Informationsflut gar nicht mehr antun will", stellt Pfarrjugendleiter Matthias (22) fest. Das geht den Teilnehmern genauso: "Durch das Programm ist man eh die ganze Zeit abgelenkt", sagt auch der 14-jährige Noah.

Für musikalische Unterhaltung und zum Handyakku-Laden ist eine Autobatterie im Gepäck. Technisch gesehen gibt es da bestimmt praktischere Möglichkeiten, für ein bisschen Elektrizität zu sorgen. Zum Beispiel hat sich eine der Leiterinnen eine Solarladestation für den Smartphone-Akku mitgenommen. Der Haken an der Sache ist klar: die Sonne, die nicht immer scheint. Also ist es bei der Autobatterie geblieben. Mit dieser sind normalerweise an die 100 Handyladungen kein Problem. Oder eben weniger Ladungen und mehr Strom für die Musikboxen.

Die Autobatterie ist aber schon etwas älter und daher nicht mehr so ergiebig – und sehr schnell entladen. So konnten wir die mitgebrachten Musikboxen kaum laufen lassen. "Das Musikhören habe ich vielleicht ein bisschen vermisst", sagt Oliver (23). Das ging auch einigen anderen so. Doch die meistgenannte Antwort auf die Frage, was während der technikfreien Woche gefehlt hat, war überraschenderweise: "Eigentlich nichts."

Eine Woche stromfrei leben? Klar, das geht schon. Größtenteils zumindest. © Colourbox.de


Ja, ehrlich! "Die eine Woche ist kein Problem, solange man nichts Großes organisieren muss", stellt Oliver fest. Im Alltag geht es dann aber meistens doch nicht ohne. Vor allem nicht ohne Elektrizität. Woher der Strom zu Hause überhaupt kommt, ist für einige Teilnehmer ganz klar: aus der Steckdose! Wie soll die Küche denn auch ohne Strom kochen? Da kommt es schon mal vor, dass das Küchenteam nach der Steckdose zum Handyaufladen gefragt wird.

Brot selber schneiden, Geschirr per Hand spülen

Unsere Woche abseits der Zivilisation gestaltet sich aber sehr angenehm. Gut, das Brot fürs Frühstück wurde eben mit einer manuellen Brotschneidemaschine geschnitten, das Geschirr per Hand abgespült, Wasser über dem Gaskocher erwärmt und die Zelte abends mit Kerzen beleuchtet. Das hört sich allerdings viel spartanischer an, als es sich angefühlt hat.

Das liegt wohl am Gemeinschaftsgefühl – das Schönste an so einer gemeinsamen Woche. Ohne die aufmerksamkeitsfordernde Informationsflut, an die wir uns mittlerweile alle gewöhnt haben, verändert sich vor allem die persönliche Wahrnehmung sehr schnell. "Man ist sozusagen gezwungen, sich mit seinen Mit-Zeltern zu beschäftigen, und auch die Natur um sich herum nimmt man viel besser wahr", findet Matthias. "Außerdem entspannt es, wenn man weiß, dass die Welt auch ohne mein Wissen ihren Gang weiter geht und nicht gleich aus den Fugen gerät."

Wieder zu Hause habe ich versucht, dieses unbeschwerte Gefühl noch ein bisschen festzuhalten. Aber der Alltag und die Technik hatten mich leider schnell wieder fest im Griff. Umso mehr freuen wir uns jetzt schon auf das nächste Jahr, wenn es heißt: Gummistiefel und Mückenspray eingepackt, los geht’s!

Das Zeltlager der katholischen jungen Gemeinde Veitsbronn findet für 9- bis 17-Jährige wieder vom 5. bis 10. Juni 2017 statt. Kosten: 75 Euro. Wer mitfahren möchte, mailt an KJG.veitsbronn(at)gmail.com  

Lea Otte

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