Mittwoch, 12.12.2018

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Ex-Junkie Dominik Forster: "Du konsumierst dich behindert"

Präventionstour durch Schulen: Sein Leben und sein Absturz soll Jugendlichen eine Warnung sein - 03.12.2018 17:28 Uhr

Egal, ob in einer Klasse oder auf der Bühne: Wenn der Nürnberger Ex-Junkie Dominik Forster erzählt, hören Jugendliche gebannt zu. © Foto: Sebastian Schultz/privat


Krass. Wer Dominik Forsters Lebensgeschichte hört, dem schießt dieses Wort sofort durch den Kopf. Voll krass. Er steht da auf der Bühne, ein junger Mann, 30 Jahre alt, mit Brille, dunklem Haar, Bart, Kapuzenpulli und tätowierten Armen, und packt vor wildfremden Schülern seine ganze Geschichte aus – und die ist hässlich.

Der Anfang

"Ich hab gesoffen, gekifft, hab mich zugeknallt, gedealt. Ich hab gedacht, ich bin der Allergrößte. Und gelandet bin ich: ganz unten." Verdammt hoch ist Dominik geflogen, da war er noch nicht mal 20. Der Absturz war heftig, dass er fast dabei draufgegangen wäre. Mehrmals.

Deshalb steht er jetzt auf Bühnen, auch an diesem Tag vor Realschülern der Schülermitverwaltung (SMV), die sich in der Jugendherberge in Nürnberg versammelt haben. Deshalb tourt Dominik seit vier Jahren durch Deutschland. Tritt in diversen Fernsehsendungen auf. Schreibt Bücher (die wir verlosen: siehe unten). Er will aufklären, auch wenn er weiß, dass Jugendliche Aufklärung so sexy finden wie einen fetten Pickel auf der Nase. Er will, weil er kann – weil er muss.

Feierabend für heute: Dominik Forster nach seinem Auftritt vor Realschülern der Schülermitverwaltung in der Jugendherberge Nürnberg. Doch seine Präventionstour geht weiter. © Kathrin Walther


Der Höhenflug

Dominik ist 13, als er in die Herschelschule wechselte. "Ich hatte scheiß Haare, einen scheiß Pulli und einen scheiß Scout-Schulranzen. Keine gute Idee. Ich bekam am ersten Tag auf die Fresse, und das hat sich Jahre durchgezogen. Ich war immer der Penner." Hilfe? Dominiks Eltern kämpfen mit sich selbst. In der Schule gibt es Unterstützung – und noch viel mehr Schläge, wenn er jemanden verpfeift.

Du bist 13, 14, 15 oder 16 – die Frage ist: Welcher Typ willst du sein? Der Typ Penner, das Opfer – oder der Typ Gangsta-Rapper Gzuz? Keine Frage. Was macht einen coolen Rapper aus? Seine Texte, vollgepackt mit Drogen, Sex, Gewalt. Wer ist der Coolste der Gruppe? Der, der am meisten raucht, säuft, kifft . . .

Zuerst war’s Alkohol. Dominiks erster Vollrausch – danach war er ein wenig angesagter. Cannabis kommt dazu. Alles kein Ding, alles cool. Irgendjemand steckt ihm Speed zu. Irgendwann ist da Koks. Und Chrystal. Irgendwann alles zusammen. Er ist der King. Der Checker. Jetzt teilt er aus, Drogen und Schläge.

Dominik steht auf der Bühne. Er ist nicht groß, aber er ist präsent. Im Saal ist es still. Dominik sagt: "Niemand wacht auf und hat den Plan: Heute werde ich mal süchtig." Doch dann wachst du auf – und bist es.

Der Absturz

"Du konsumierst dich behindert." Das sagt Dominik Forster oft. Er zerstört seinen Körper, seinen Kopf. Er braucht immer mehr Stoff. Er lebt immer weniger, vegetiert immer mehr, rutscht immer schneller ab. Und unten ist die Hölle.

Dominik, der Dealer, wird erwischt. Ein Sondereinsatzkommando nimmt ihn hoch. Zwei Jahre und sechs Monate ist er im Knast, davon einmal in Hochsicherheitsjugendhaft. Er ist Anfang 20.

Vor den Realschülern spricht er vom Liegen in der eigenen Kotze. Von zugemüllten und versifften Wohnungen. Davon, wie es ist, wenn man sich mit einer Nagelschere die Haut zerfetzt, weil man glaubt, da krabbeln Käfer drunter. Er erzählt von verätzten Nasennebenhöhlen und widerlichem Schleim, den er sich rausziehen muss, um nicht zu ersticken.

Das alles machen die Drogen. Das alles muss so deutlich ausgesprochen werden, weil es einfach so ist – und weil Dominik will, dass alle begreifen: Vielleicht fängt die Sache mit den Drogen als Spaß an. Aber es ist todernst.

Als er aus dem Gefängnis kommt, steht Dominik da: mit 24 Jahren, mit 23 000 Euro Schulden, heimatlos, orientierungslos und total kaputt. Die Folgen des Missbrauchs: Die Bauchspeicheldrüse ist hinüber, Dominik hat Asthma und eine posttraumatische Störung. Unter anderem.

Hier geht's auf Dominiks Homepage. 

Der Neuanfang

Norbert Wittmann nimmt ihn eines Tages mit in eine Schulklasse. Wittmann ist Sozialarbeiter bei der Drogenberatung Mudra. Dominik erzählt den Schülern einfach seine Story – und die sind gebannt, denn er spricht ihre Sprache.

Da erkennt er: Das ist meine Aufgabe. Er hat bis dahin noch nie ein Buch gelesen – und fängt an zu schreiben. Fängt an, Jugendliche zu warnen, fängt an, in Schulen zu gehen.

Davor hat Wittmann mit Dominik eine Bergtour gemacht. Auf dem Weg erfährt Dominik echte Hochgefühle. Schritt für Schritt: die Natur, die Luft, die Freiheit, die Anstrengung, das Gefühl: Du schaffst es. Er kommt zurück und ist geerdet. Er lebt.

Und antwortet auf die Frage, warum ein Leben ohne Drogen schöner ist: 

"Weil jeder Drogentrip nicht echt ist und einen Kater nach sich zieht. Und ich kann aus eigener Erfahrung sagen: Es gibt kein besseres High, als Bock auf sein Leben zu haben."

Verlosung: Bücher & Shirts

Drei Dominik-Forster-Pakete, bestehend aus seinen beiden Büchern, einem Shirt und einer Autogrammkarte, warten auf euch. © Kathrin Walther


Wir verlosen drei Dominik-Forster-Pakete. Darin: seine beiden Bücher "Crystal.klar - Mein Leben als Junkie, Dealer, Häftling" (Ullstein-Verlag, 9,99 Euro) plus "Klar.kommen - Nach Crystal & Knast gibt dir keiner eine Chance" (Fabulus-Verlag, 15 Euro) sowie ein Shirt und eine Autogrammkarte.

Schickt eine Mail (nn-xtra@pressenetz.de), Stichwort "Dominik". Einsendeschluss ist der 10. Dezember.

 

 

  

KATHRIN WALTHER

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