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Jeder hat mal Angst

NN-Ferienreporter beschäftigten sich mit diesem Thema - 15.08.2016 10:00 Uhr

Jeder hat mal Angst... © colourbox.de


Schiffschaukeln gegen Höhenangst

„Angst ist normal, man muss nur lernen, mit ihr umzugehen“, sagt Psychologe Andreas Rose (60). © Foto: Stefan Gnad


Herr Rose, was kann man machen, wenn man Höhenangst oder Angst im Dunkeln hat?

Andreas Rose: Es ist erst mal so, dass man je nach Lebensalter unterschiedliche Ängste hat. Ein Neugeborenes zum Beispiel hat Angst, nichts zu essen zu kriegen. Wenn ihr in der Schule seid, habt ihr vielleicht Angst, schlechte Noten zu kriegen, gemobbt zu werden oder ein Außenseiter zu sein. Was bei Angst immer wichtig ist: Wenn man vor ihr wegläuft, folgt sie einem, und es wird immer schlimmer, bis man sich entscheidet, sich ihr zu stellen. Bei Höhenangst wäre Schiffschaukeln eine Möglichkeit für ein erstes Angsttraining. Wenn man eine Angst bekämpfen möchte, sollte man immer klein anfangen und sich Schritt für Schritt an das, was einem Angst macht, herantasten.

Haben Sie vor etwas Angst?

Rose: Angst ist wie lachen und weinen – jeder kennt das Gefühl. Wenn man älter wird, hat man vielleicht Angst davor, noch älter zu werden oder dass man krank wird. Ihr seht: Ängste haben oft viel mit den jeweiligen Lebensbedingungen zu tun. Es gibt kaum ein Alter, in dem man keine Ängste oder Unsicherheit hat. Man muss nur lernen, damit umzugehen.

Nikolas Schuppe (27) arbeitet im Nürnberger Kommkino. Er sagt: „Horrorfilme sind immer auch der Versuch, sich den eigenen Ängsten zu stellen.“ © Foto: Celine Meyburg


Das Horrorkino wurde besser

Herr Schuppe, wie entsteht Angst in Filmen?

Nikolas Schuppe: Zuerst einmal brauchen wir ein Thema, das den Zuschauern Angst macht. Das kann die Angst vor einem Monster sein oder auch vor etwas Unbekanntem, in das man hineinschlittert und plötzlich vor einer Bedrohung steht. Ganz wichtig ist dann, wie das auf der Leinwand in Szene gesetzt wird. Da spielen die Musik, der Ton und die Beleuchtung eine große Rolle. Und natürlich müssen die Schauspieler und die Spezialeffekte glaubhaft sein.

Was machen Horrorfilme mit uns?

Schuppe: In erster Linie verbreiten sie Angst und Schrecken. Letztlich geht es aber um den Adrenalin-Kick, der im Körper entsteht und der einem Angst macht. Darüber hinaus sind Horrorfilme aber auch der Versuch, sich den eigenen Ängsten zu stellen.

Aber warum schaut man sich etwas an, das einem Angst macht?

Schuppe: Das kann als Mutprobe für einen selber gedacht sein, aber auch dem Ausloten der eigenen Ängste und Grenzen dienen. Horrorfilme haben eine lange Tradition. Das Kino war kaum erfunden, da wurden schon die ersten Gruselfilme gedreht. Die erste Verfilmung von „Frankenstein“ stammt aus dem Jahr 1910. Es gibt eine interessante, wissenschaftliche Theorie, die sagt, dass Horrorfilme immer dann populär sind, wenn in der realen Welt etwas Schlimmes passiert. Das würde bedeuten, dass in Horrorfilmen echte Ängste der Menschen verarbeitet werden. 

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