Montag, 12.11.2018

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Kein Platz für Gewalt !

Clubfan Paula plädiert für Friedlichkeit im Stadion - 21.08.2018 11:14 Uhr

So sieht Paula die Pyrotechnik in der Nordkurve des Max-Morlock-Stadions von ihrem Stehplatz aus. © Phillip Reizner


Ich hatte genau zwei schlimme Erfahrungen im Fußballstadion. Eine war auf einer Auswärtsfahrt, die andere im Max-Morlock-Stadion in Nürnberg.

Bei der ersten war ich vielleicht zehn Jahre alt. Eintracht Frankfurt hatte gegen den Club gewonnen. Das Spiel war längst zu Ende, und wir wollten uns auf den Heimweg machen.

Dann kamen uns Frankfurter Hooligans entgegen. Sogar ich wusste genau, was ihr Plan war. Sie waren in den letzten Spielminuten um das ganze Stadion gelaufen, um sich dann mit den Gästefans anzulegen.

Vor meinen Augen wurden Männer mit Schlagstöcken zu Boden gebracht. Die Polizisten hatten riesige Helme auf und gingen brutal, aber auch gezielt vor. Am Ende war ich froh darüber. Meinen Eltern und mir war nichts passiert. Wir sind mit einem Schrecken davongekommen. Nach diesem Erlebnis war mir klar, dass es nicht nur nette Menschen beim Fußball gibt.

Ein paar Jahre später: Der 1. FC Nürnberg spielte vor vollem Haus gegen die SpVgg Greuther Fürth. Derbys haben immer eine besondere Stimmung. Jeder ist aufgeregter als sonst. Bei diesem Spiel gab es auch mehr Polizisten als sonst. Das Spiel war schrecklich und frustrierend. Der Club verlor 0:1. Diesmal waren es Clubfans, die mir Angst machten. Nach Abpfiff entriegelten sie mit Gewalt die Absperrungen und marschierten über das ganze Spielfeld in Richtung Gästeblock. Das Ziel war wiederum voraussehbar. Vor den Fürther Fans angekommen, pöbelten sie und versuchten, eine Prügelei mit den gegnerischen Fans anzufangen. Diese beschmissen die Cluberer mit Schnee und Eis. Diesmal bekam ich keinen Schreck. Von da an fragte ich mich, was die Städterivalität für einen Sinn machte. Ich war mit dem Gedanken aufgewachsen, dass Fürth schlecht ist. Über alles in Verbindung mit dieser Stadt machte ich mich lustig. Ich sollte meinem Vater versprechen, niemals einen Freund aus Fürth zu haben. Auch die "ANTIFÜ"- Pullover gefielen mir sehr.

Doch dieser Abend brachte mich zum Nachdenken. Die Gewalt und die Rivalität sind komplett unnötig! Es sollte einfach nur um Fußball gehen. Und eine Stadt sollte einfach nur eine Stadt sein.

Wenn ich ansonsten an meine Stadionerfahrungen denke, sind sie zumeist sehr positiv. Wir sind jetzt seit vier Jahren in der Nordkurve. Im Block herrscht bei jedem Heimspiel eine ausgelassene, aber auch familiäre Stimmung. Da muss wirklich keiner Angst haben.

Vorurteile gegenüber Ultras

Doch manche Freundinnen von mir dürfen noch nicht mitgehen. Die Eltern haben Angst um ihre Kinder im Stadion. Zu groß sind die Vorurteile gegenüber den Ultras. Ich kann diese Eltern verstehen. Denn sie kennen nur, dass im Fernsehen über gewalttätige Fans berichtet wird.

Und genau da liegt das Problem. Die Medien sollten darüber berichten, wie es meistens ist. Und sich nicht auf Ereignisse stürzen, die vielleicht einmal in fünf Jahren vorkommen. Ich würde es nämlich jedem empfehlen, es mal in der Nordkurve auszuprobieren. Die Gewalt findet woanders statt und hat meist nichts mit dem Stadionbesuch zu tun.

Ich kenne auch jemanden, der nur zum Spiel kommt, um sich danach zu prügeln. Das es so etwas gibt, ist wirklich traurig. Doch dieser "Fight Club" betrifft nicht die Fans, die das Spiel sehen und einen schönen Tag im Stadion verbringen wollen. 

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