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2017

Bundestagswahl

Kinder und Jugendliche stimmen am Freitag bei U18-Wahl ab

Diskussion zum Jugendwahlrecht: Sollen 16-Jährige wählen dürfen? - 13.09.2017 10:00 Uhr

Der Junge ruft euch zum Wählen auf: Entweder geht ihr zur U18-Wahl diesen Freitag, oder – wenn ihr schon Ü18 seid – zur Bundestagswahl am 24. September. Nehmt euer Wahlrecht wahr. © Foto: Jason Rosewell für pixabay (CC0)


Wer bei der Bundestagswahl am 24. September aktiv mitmachen möchte, muss mindestens 18 Jahre alt sein. Doch auch Kinder und Jugendliche dürfen ihre Stimme abgeben – bei der U18-Wahl. Was dafür spricht, dass diese Stimmen zählen sollten, und was dagegen, lest ihr hier:

Ewan sagt: 16-Jährige müssen auch Steuern zahlen

Ewan Schück (15): Beim Thema "Wählen ab 16" gehen so manchem Kreuzchenmacher schnell die Gegen-Argumente aus: Man unkt gern, den jungen Leuten mangele es doch an Interesse und sie seien sich der Wahl-Verantwortung sowieso nicht bewusst. Als ob das vom Alter abhinge! Schon jetzt gehen weniger als die Hälfte aller Wahlberechtigten zur Wahl. Ein Grund dafür, den Menschen ab 18 das Wahlrecht abzusprechen, ist das sicher nicht. Aber Grund genug, uns mitentscheiden zu lassen!

Das Argument, Jugendliche hätten nicht genügend Möglichkeit, sich zu informieren, ist geradezu aberwitzig. Keine andere Altersgruppe hat so viele mediale Kontakte wie die zwischen 16 und 18 Jahren – dank Zeitung, Fernsehen, Radio, sozialer Medien, Schule, YouTube...

Als letzter Strohhalm der Gegner wird dann gern angeführt, politische Themen wie Rente, Pkw-Maut und Europa gingen vor dem 18. Geburtstag niemanden etwas an. Weit gefehlt: Europa ist für unsere Generation ganz nah, als Nachbar, Freund und Familie. Und der Führerschein ist in unserem Alter näher als so manchem Wähler, der ihn bereits wieder abgegeben hat.

Den Generationenvertrag erfüllen auch wir Monat für Monat mit unseren Rentenzahlungen. Warum also sollten 16-Jährige, die diesem Staat in Lehre und Beruf genauso Steuern zahlen wie jeder andere auch, nicht als Wähler entscheiden dürfen, was mit "unseren" Steuergeldern passiert?

Und selbst ein 16-jähriger Wähler, der auf dem Stimmzettel einen Smiley malt und sich so bewusst der Stimme enthält, ist immer noch besser als ein Altwähler, der am Wahlsonntag daheim aufm Sofa bleibt, obwohl er wählen dürfte. Was wir 16-Jährige also sind, ist eine bestens informierbare, zukunftsbegierige Generation am Anfang einer langen Karriere als mündiger Bürger. Die Frage ist also nicht, ob man ab 16 wählen darf, sondern wie lange es sich eine Gesellschaft noch leisten kann und will, den Entscheidern von morgen das Recht zu Wählen vorzuenthalten.

Hannah sagt: 16-Jährige dürfen auch nicht Autofahren

Hannah Friedrich (20): Wählen mit 16? Ehrlich? Manche 16-Jährige können noch nicht einmal einen Topf Nudeln kochen. Sollen die wirklich wählen dürfen? Okay, etwas weniger polemisch ausgedrückt: Jugendliche sind oft nicht politikinteressiert oder haben keine Ahnung von der Verantwortung, die mit dem Wählen einhergeht. Ich war selbst mal 16, das ist noch nicht allzu lange her. Und ich bin mir sicher, dass Jugendliche, die bei der Klassensprecherwahl allen Ernstes für "deine Mudda" stimmen, nicht geeignet sind, den Bundestag zu wählen.

Dass Jugendliche sich oft nicht für Politik interessieren, hängt sicher auch damit zusammen, wie Politik im Sozialkundeunterricht vermittelt wird – nämlich oberflächlich und staubtrocken. Wenn ich mich zurückerinnere, habe ich damals zwar gelernt, wie der Bundestag zusammengesetzt ist. Von den Parteien und wofür sie stehen war im Unterricht aber nie die Rede. Nicht so die perfekten Bedingungen für eine Bundestagswahl. Außerdem passt es für mich nicht so recht zusammen, wenn ein 16-Jähriger wählen, aber nicht Auto fahren darf. Wir trauen ihm nicht zu, sich im Verkehr verantwortungsbewusst zu verhalten, aber auf dem Wahlzettel schon?

Ganz abgesehen davon – zu zwei Dritteln der aktuellen Themen hat ein Jugendlicher doch keine Meinung, geschweige denn eine fundierte. Was interessiert einen 16-Jährigen Steuerpolitik? Renten? Elternzeit, Mietpreisbremse, Kita-Gebühren – das betrifft einen Jugendlichen doch nicht. Soll er dann mitbestimmen, welche Partei zu diesen Themen ihr Programm umsetzt? Nein, danke. Lasst es bitte so, wie es ist. Wählen mit 18 macht einfach mehr Sinn!

Die U18-Wahl: Hier hat jeder eine Stimme

Ihr wollt mal ausprobieren, wie das mit dem Wählen so ist? Dann macht am Freitag, 15. September 2017, bei der U18-Wahl mit! Alle unter 18 sind aufgerufen in ein Wahllokal eurer Nähe zu gehen und einer Partei eure Stimme zu geben.


Das Ganze läuft wie bei einer echten Wahl ab: Ihr bekommt einen Wahlzettel und geht damit in die Wahlkabine. Dann macht ihr auf dem Wahlzettel bei einer Partei euer Kreuz und werft das Papier in die Wahlurne. Die Mitarbeiter vor Ort zählen dann die Stimmen aus.

Auch unsere Zeitung hat in 13 Geschäftsstellen Wahllokale eingerichtet, die zwischen 10 und 15 Uhr geöffnet sind. Alle Infos dazu findet ihr unter www.u18.org oder www.nordbayern.de/wahlen.

Das sind die U-18-Wahllokale rund um Nürnberg
 

 

Ewan Schück und Hannah Friedrich (goe)

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