-1°

Freitag, 14.12.2018

|

zum Thema

Kleinstadtpunks auf Mofas

Die Primetime Heroes aus Neustadt machen Musik auf ihre Weise - 30.07.2016 10:00 Uhr

Das Mofarocker-Foto ist als Gag gedacht, denn so schlimm ist es in der Kleinstadt nicht, wo die Bandmitglieder der Primetime Heroes aufgewachsen sind. Nur vielleicht etwas isoliert, was das Cover der EP im Artwork aufgreift. © Fotos: Isabell Diez


Wer im Netz nach den Primetime Heroes sucht, wird verschiedene Bands unter diesem Namen finden, meistens aus den USA und von zweifelhafter musikalischer Qualität. „Die werden aber alle anders geschrieben“, behauptet Sänger Patrick. „Wie wir zu unserem Namen gekommen sind, das war ganz witzig: Unseren ersten richtigen Auftritt hatten wir in Uffenheim in der Stadthalle. Wir hatten damals tatsächlich noch keinen Bandnamen, aber einen tollen Slot um 20.15 Uhr – und da meinten Lukas und Mario ,hey, wir sind die Primetime Heroes!‘“

Und die sind klassische Kleinstadtpunks – mit allen Vor- und Nachteilen. Wobei das Mofarocker-Foto natürlich ein Gag ist: Die beiden alten Teile standen in der Garage herum, Spontaneität ist bekanntlich eine Zier (nicht nur) im Punkrock-Business. So schlimm ist es dann auch nicht in Neustadt a. d. Aisch, wo die vier Primetime Heroes aufgewachsen sind – und vor vier Jahren als Band zusammengefunden haben.

Erste Scheibe mit fünf Songs

Basti und Mario hatten schon davor gemeinsam Musik gemacht und verbrachten ein halbes Jahr instrumental im Übungsraum, bis sie Sänger Patrick auf einem Konzert kennenlernten. Die Suche nach einem Bassisten nahm dann noch mal eine gute Weile in Anspruch. Den Zuschlag bekam schließlich Lukas, der sich witzigerweise zuvor als Sänger beworben hatte, glücklicherweise aber auch Bass spielen kann.

Das war 2013. Inzwischen hat das lustige Quartett nicht nur eine ganze Latte an Auftritten in der Region gespielt, sondern mit „Isolation; Identified“ vorigen September auch ein erstes Lebenszeichen auf Tonträger veröffentlicht: eine EP mit fünf Liedern, die erstaunlich ausgereift sind, prima durchlaufen und bei denen der Finger am Ende des letzten Songs automatisch zur Play-Taste zuckt. Gleich noch mal hören!


Musikalisch setzen die Primetime Heroes auf melodiösen Skatepunk, wie ihn Bands wie Lagwagon, Millencollin und die Bouncing Souls oder auch Plattenfirmen wie FatWreck und Epitaph groß gemacht haben. Dynamisch im Aufbau, sonnig im Sound, melancholisch im Inhalt. Textlich geht es bei den Primetime Heroes viel um die eigenen Befindlichkeiten: Ums Ausgegrenztwerden, weil man sein Punker-Ding in jungen Jahren allen Anfeindungen zum Trotz eisern durchgezogen hat. Aber auch um das Gefühl des Isoliertseins, mit dem man sich auch jetzt beim Älterwerden immer wieder erwischt. Oder um die vielen sinnlosen Dinge, die einem im Leben ständig begegnen.

Das Cover-Artwork der Scheibe greift diesen Gedanken auf: Spaß hat trotzdem vor allem der Kollege zur Linken, der in selbstgewählter Einsamkeit auf der Klippe lebt, vor den Toren der großen grauen Stadt mit ihrer schlechten Luft und dem lauten Konsum-Krempel, den kein Mensch braucht. „Als erstes stand der Plattentitel, der eine Textzeile aus dem ersten Song ,My Own Guardian‘ aufgreift. Dazu hat Isabell Diez, eine Freundin von uns, das Cover gemalt. Sie hatte völlig freie Hand.“ Und jawohl: Well done! Lange keine so schicke Verpackung mehr gesehen. Schade, dass es die EP der Primetime Heroes nicht auf Vinyl gibt. Aber zumindest auf CD ist das Mini-Album erschienen, erhältlich bei den Konzerten der Band sowie digital auf bandcamp.com.

Was geht sonst so in Neustadt Rock City? „Nix eigentlich“, sagt Patrick und schüttelt dabei den Kopf. „Wir proben jetzt in Emskirchen, nachdem unser alter Proberaum in Neuhof abgebrannt ist . . .“ Wobei die Primetime Heroes schon sehr Richtung Nürnberg orientiert sind, wo sie schon an jeder Steckdose zu erleben waren. „Die Region ist so gut wie abgeklappert“, sagt der Sänger nickend.

„Trotzdem könnten es mehr Auftritte sein“, bedauert er. Zwischenrein sei bei der Band immer wieder Flaute, weil einer nicht da war, auf Auslandssemester oder krank. Auch das Songwriting dauere sehr lange, weil die Musiker so unterschiedliche Charaktere seien – was sich auch in der Musik widerspiegele. „Aber wir stehen das gemeinsam durch und bleiben dran. Dann machen wir es halt ein wenig langsamer als die anderen!“

Live kann man die Primetime Heroes am 20. August im Kunstkeller Fürth, Ottostraße 27, erleben: Zusammen mit Turbomongo aus Regensburg und den Cat Eaters aus der Eifel. Zudem spielt die Truppe am 2. Oktober mit Faintest Idea im Zentralcafé des K4, Königstraße 93, in Nürnberg.  

STEFAN GNAD

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus dem Ressort: Szene Extra