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Medikament nach Maß Extra-Forschung

Erlanger Forscher entwickeln neues Schmerzmittel - 31.03.2017 10:00 Uhr

Daniela Dengler arbeitet im Labor des Erlanger Lehrstuhls für Pharmazeutische Chemie. © Foto: Harald Sippel


"Es ist wie beim Kochen", meint Daniela Dengler, "man hat ein Rezept, man wiegt die Zutaten ab, man mischt sie zusammen, und am Ende probiert man, ob es so geworden ist, wie man sich das gedacht hat."

Nicht umsonst sprechen Chemiker in ihrem Jargon von "Kochen", wenn sie neue Substanzen im Labor synthetisieren. In Danielas Fall, im Labor des Erlanger Lehrstuhls für Pharmazeutische Chemie, geht es um ein Opiat-ähnliches Schmerzmittel.

Opiate, wie zum Beispiel Morphin, gehören zu den wichtigsten Medikamenten zur Linderung schwerer Schmerzen. Aber sie haben schlimme Nebenwirkungen.

Jährlich sterben tausende Menschen an den Folgen von Abhängigkeit und Atemstillstand – ausgelöst durch Opiate. Die Pharmazeutische Chemie weltweit forscht daher seit Jahren an der Entwicklung neuartiger Schmerzmittel, die ohne diese negativen Folgen funktionieren.

Einen Erfolg dabei vermeldet nun ein Team von Wissenschaftlern von der Uni Erlangen-Nürnberg, der Stanford University, der University of California in San Francisco und der University of North Carolina. Aus Erlangen ist der Lehrstuhl für Pharmazeutische Chemie von Prof. Peter Gmeiner dabei, wo Daniela arbeitet. Im Modellversuch konnten die Forscher nachweisen, dass ihr neuer Wirkstoff genauso effektiv wie Morphin Schmerzen lindert. Aber er ruft keine der üblichen schlimmen Nebenwirkungen hervor.

Das Besondere an dem neuen Stoff: Seine Struktur hat keine Ähnlichkeit mehr mit der eines Opiats. Sondern er wurde im Labor so maßgeschneidert, dass er möglichst optimal auf denjenigen Rezeptor passt, der ein wichtiger Angriffspunkt für starke Schmerzmittel ist. Danielas Job dabei: "Kochen", so lange, bis es dem Rezeptor "schmeckt"

Grundlage dafür waren Vorarbeiten der Forscher in San Francisco. Die suchten mit Hilfe eines Hochleistungsrechners aus mehr als drei Millionen potenziellen Wirkstoffen diejenigen aus, die – in der Computersimulation – am besten mit dem Rezeptor interagierten. Letztlich blieb ein Treffer übrig.

Zusammen mit Viachaslau Bernat, Stefan Löber, Harald Hübner und Ralf Kling hat Daniela in der Erlanger Arbeitsgruppe die theoretisch optimale Substanz im Reagenzglas konkret synthetisiert. Schließlich ist es eine Spezialität an Gmeiners Lehrstuhl, ein Atom genau da zu platzieren, wo man es haben möchte.

Bis der neue Wirkstoff allerdings tatsächlich als Medikament auf den Markt kommen kann, ist es noch ein sehr weiter Weg. Dafür sind noch viele Experimente und klinische Studien notwendig. 

hlo

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