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Praxisschock soll abgefedert werden

Bei verschiedenen Projekten können angehende Lehrer schon im Studium Erfahrungen mit Schulklassen sammeln - 19.05.2016 17:08 Uhr

... so, und das macht ihr jetzt alle mal nach! © Foto: privat


Institut für Sportwissenschaft – Marie-Therese-Gymnasium Erlangen:

„In der Pädagogik geht es nicht nur um Leistung“, hat Manuel in seinem Studium gelernt. Sondern auch um Aspekte wie Erfolgserlebnisse, Anerkennung, Selbstbestätigung.

Manuel gehört zu einer Gruppe von 16 Sport-Studenten, die in einem Projektseminar des Erlanger Lehrstuhls für Sportdidaktik (Prof. Ralf Sygusch) den Auftrag für eine „Intervention“ hatte. Überspitzt bedeutet das: Studenten rücken an, und zeigen Lehrern, wie man einen besseren Unterricht macht.

„Natürlich haben wir das Rad nicht neu erfunden“, sagt Manuel, „aber wir hatten die Aufgabe, Handreichungen und Stundenpläne nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen zu entwickeln.“ Und zwar mit dem Ziel, die „Fitnesskompetenz“ von Zehntklässlern zu verbessern.

Der wesentliche Lerneffekt für die Studierenden bestand darin, sagt Manuel, „dass wir uns als Gruppe selbst organisiert und die Arbeit aufgeteilt haben“. Wer bereitet die Unterrichtseinheiten theoretisch vor? Wer wertet sie hinterher aus? Und nicht zuletzt: Wer hält die Sportstunden mit den Schülern? Erarbeitet wurden insgesamt zehn Sportstunden: drei für „Ringen und Raufen“, drei für „Turnen/Parkours“ und vier für „Basketball“.

Und dann kam ein sehr ähnliches Projektseminar dazu, jedoch für ein anderes Thema: bewegte Pause. Dabei hat die Studentengruppe eine Reihe von Dehn- und Kraftübungen zusammengestellt (siehe Fotos: privat), die den Sitzalltag der Schüler auflockern sollen.

Das Hauptziel bei all den Bemühungen: Sportunterricht in der Schule soll keine Quälerei sein, sondern (manchmal) auch den Leuten Spaß machen, die nicht Reckturnen können und nicht Fußball spielen mögen.

 

Lehrstuhl Wirtschaftspädagogik – FOS/BOS Erlangen:

„Kompetenzorientierter Untericht“, „selbst organisiertes Lernen“. Das sind Begriffe, die bei den Masterarbeiten von Anna und Mathias ein wichtige Rolle spielen. Beide studieren Wirtschaftspädagogik als 1. und Wirtschaftsinformatik als 2. Fach — und beide entschieden sich dafür, ihre Masterarbeit im 2. Fach zu machen.

Dazu nutzen sie die Kooperation des Uni-Lehrstuhls für Wirtschaftspädagogik mit der Erlanger „Vibos“. Das ist die Abkürzung für „Virtuelle Berufsoberschule“. „Zum einen dient diese Lernplattform zur Unterstützung von Schülern, die auf die richtige BOS gehen, zum anderen kann man aber auch mit dem rein virtuellen Unterricht den Abschluss machen“, erklärt Mathias.

Beides soll deutlich ausgeweitet werden. Anna und Mathias entwickeln dafür konkrete Unterrichtseinheiten für Elftklässler im BWL-Fach Materialwirtschaft. Anna hat sich für das Thema optimierte Bestellungen entschieden, Mathias für die Analyse der Lagerhaltung.

Dabei haben die beiden relativ freie Hand, entscheidend ist nur, dass sie den im Lehrplan festgelegten Stoff rüberbringen. Die Arbeit hat zwei Aspekte: zum einen die reinen Inhalte, zum anderen das Programmieren.

Wenn die Unterrichtseinheit fertig ist, soll sie im Computerraum einmal mit Schülern live durchgespielt werden. „Dabei“, sagt Mathias, „fallen uns ganz bestimmt viele Dinge auf, die wir noch verbessern müssen.“ Und natürlich hoffen Anna und er, dass ihre Masterarbeiten nicht in einer Schublade landen, sondern auch wirklich auf die Lernplattform gestellt werden.

 

Lehrstuhl Kunstpädagogik – Birkenwald-Schule Nürnberg:

Bunt sah die Wand in der Nürnberger Birkenwald-Schule aus, als die Studentin Jelka mit ihrem Projektmodul im 6. Semester fertig war. Das Thema lautete: künstlerisches Arbeiten mit Kindern einer Übergangsklasse der 3. und 4. Jahrgangsstufe, die erst seit kurzem in Deutschland sind.

Betreut von der Kunstlehrerin Katja Tauber und dem Uni-Dozenten Tobias Loemke hatte Jelka die Aufgabe, „den Kindern das bildnerische Gestalten von Mustern und Ornamenten“ beizubringen. Und zwar mit bunten Klebestreifen, die als Reste aus der Produktion großer Folien zur Verfügung standen. Sieben Wochen lang war Jelka freitags in der Klasse, „die anderen Tage der Woche habe ich die jeweiligen Unterrichtsstunden vorbereitet“.

Dabei hat die Lehramtsstudentin mit dem Hauptfach Kunsterziehung eine Perspektive kennengelernt, die sie aus dem Studium so noch nicht kannte. „Du stehst ständig vor der Entscheidung: Welchen didaktischen Weg gehst du? Aber du erkst erst im Unterricht, ob es der richtige ist.“ Jedes Kind gestaltete ein Blatt, dann wurden die einzelnen Stücke zu dem Gesamtkunstwerk verknüpft.

 

Studienbegleitung im Zentrum für Lehrerbildung (ZfL):

Ein Schuljahr lang hat Andrea bei dem Projekt „Lehrwerkstatt“ der Eberhard-von-Kuenheim-Stiftung mitgemacht. Das bedeutet: Sie hat als „Lehrwerkerin“ ihren „Lehrmentor“ – in diesem Fall an ihrer alten Schule, dem Willibald-Gluck-Gymnasium in Neumarkt – begleitet.

Dabei hat sie dem Mentor nicht nur beim Unterricht zugeschaut, sondern auch selbst einige Stunden oder Teile davon selbst vorbereitet und dann gehalten. Der Mentor war immer dabei und konnte ergänzend eingreifen. Das Ziel der „Lehrwerkstatt“: den Schock etwas abzufedern, den viele Lehramtsstudierende haben, wenn sie das erste Mal „echten“ Unterricht halten sollen. „Eine Supersache, um schon während des Studiums Praxiserfahrung zu sammeln und sich darauf vorzubereiten, mit einer Klasse zu arbeiten“, findet Andrea.

Jetzt fing das neue Semester an, für Andrea war die Lehrwerkstatt vorbei – und der Praxisbezug auch. Andrea fand: Da fehlt was! Und sie fasste einen Plan: Das Projekt muss weitergehen! Daher baut sie jetzt zusammen mit Anna Ginkel und Münchner Kommilitonen ein Alumni-Netzwerk auf, in dem sich ehemalige „Lehrwerkstatt“-Teilnehmer auch weiterhin austauschen können.

Außerdem wurden Workshops entwickelt und in Eigeninitiative an verschiedenen Schulen durchgeführt, zum Beispiel ein Vorbereitungskurs in Rhetorik und Körpersprache oder ein Vorbereitungskurs für das Mathe-Abitur.

Andreas Ziel: ein festes Konzept, das im Zentrum für Lehrerbildung (ZfL) der Uni Erlangen-Nürnberg verankert ist. Es soll feste Partnerschulen geben, verbunden mit dem Angebot an alle interessierten Lehramtsstudierenden, neben dem Studium Unterrichtserfahrungen zusätzlich zu den üblichen Praxisblöcken zu sammeln.

Bisher betreut Andrea ihr „Baby“ als wissenschaftliche Hilfskraft am ZfL. Doch sie träumt davon, hauptamtliche „Mutter“ ihres Projekts zu werden. „Ich kann mir gut vorstellen“, sagt sie, „erst später ins Referendariat zu gehen und vorher das Alumni-Netzwerk innerhalb des ZfL zu einer festen Einrichtung zu machen.“ 

hlo

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