Mittwoch, 14.11.2018

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Sind wir wirklich bereit für die 1. Liga?

Nach dem umjubelten Aufstieg fragt sich ein Fan, ob der 1. FCN den Anforderungen gewachsen sein wird - 21.08.2018 11:13 Uhr

Der bisherige Höhepunkt in Paulas Clubfan-Leben: Nach dem Sieg in Sandhausen ist der Aufstieg in die 1. Fußball-Bundesliga perfekt. © Lorenz Belz


Sandhausen, 17.15 Uhr. Schrill erklingt der Pfiff des Schiedsrichters. Jetzt ist es offiziell. Der 1. FC Nürnberg ist nach einem 2:0 Sieg zum 8. Mal in die Erste Fußball-Bundesliga aufgestiegen. Ich bin wie erstarrt, während maskierte Fans ihre Bengalos anzünden und andere über den gefährlichen Metallzaun aufs Spielfeld klettern.

Die Spieler feiern ausgelassen mit den Fans und trinken Bier. Ich kann einfach nicht begreifen, dass es nun wirklich passiert ist. Nach dieser nervenaufreibenden Saison mit Höhen und Tiefen ist der Traum von der 1. Liga Wirklichkeit geworden. Einem Teil der etwa 8000 mitgereisten Anhänger scheint es genauso zu gehen. Wir jubeln wie bei einer Party und singen "Nie mehr 2. Liga" – wie schon die Wochen zuvor bei den Siegen gegen Braunschweig und Kiel.

Aber uns ist in diesem Moment noch nicht bewusst, dass sich nach diesem Sieg tatsächlich alles ändern wird. Eine Änderung, die wir uns ja alle gewünscht hatten. Der ruhmreiche Traditionsverein sollte raus aus der 2. Liga. Wir Fans wollten endlich Erstligaluft schnuppern und dabei weitere Erfolge feiern. Diesen Spieltag werde ich niemals vergessen.

Etwa zwei Monate später: Nürnberg, 17.15 Uhr. Der Aufstieg und das historische WM-Aus der Nationalmannschaft in der Vorrunde habe ich allmählich verdaut. Trotzdem stehe ich wieder wie erstarrt nach dem Schlusspfiff im Stadion, diesmal allerdings im Max-Morlock-Stadion.

Lahmes Testspiel

Das Testspiel gegen den spanischen Verein Valladolid war nämlich nicht besonders spannend. Deshalb habe ich mit meiner Freundin die ganzen Änderungen für den Club in der 1. Liga besprochen. Zum Beispiel die neu verpflichteten Spieler, die ungewohnten Anstoßzeiten und den Videobeweis.

Abgesehen von den neu eingeführten Mehrwegbechern und teureren Dauerkarten wurden eine neue Security-Firma und ein zweiter Co-Trainer verpflichtet. Und laut meinem Vater wird auch noch schlechteres Essen angeboten. Als wäre das noch nicht genug, ist es angeblich aus Sicherheitsgründen verboten, eigenes Essen mit ins Stadion zu nehmen.

In einem Punkt bleibt sich der Club also absolut treu. Beim 1. FC Nürnberg lernt man die Schattenseiten der Fußballliebe kennen. Nirgends so sehr, wie dort. Die Liebe bringt mehr Leid als Freude.

Ich bin mir sicher, dass die kommende Saison alles andere als einfach wird. Wir Fans werden besonders starke Nerven brauchen. Trotz der Überlegenheit der Aufstiegsmannschaft in den bisherigen Testspielen war der Auftritt gegen Valladolid nicht überzeugend.

Vor allem die schwache Chancenverwertung ist besorgniserregend. Und fraglich ist, ob die Neuzugänge – außer Torwart Christian Mathenia – wirklich so einschlagen werden, wie es sich die Verantwortlichen wünschen.

"Wir sind reif für die Liga!", sagte Trainer Michael Köllner höchst optimistisch. Mir fällt es schwer, diesen Optimismus zu teilen. Ohne eine weitere Verstärkung in der Offensive wird der Club große Schwierigkeiten haben, die neue Klasse zu halten. Doch selbst dann – da bin ich mir in diesem Moment sicher – würden der 1. FC Nürnberg und ich weiter miteinander klarkommen.

Eine Woche danach: Nürnberg, 17.15 Uhr. Ich habe zusammen mit einer Freundin das erste Pflichtspiel der Saison, das Pokalspiel beim SV Linx, auf Sky angeschaut. Obwohl der Club 2:1 gewann, hat sich meine Skepsis nochmals verstärkt. Die Mannschaft hatte gegen den Fünftligisten große Schwierigkeiten.

Und nur mit Glück hat sie die große Blamage abgewendet. Auffällig war wieder die schwache Chancenverwertung. Bei 35 Torschüssen sind zwei Treffer einfach zu wenig. Vielleicht kommt die Rettung aus Japan: Nach dem Pokalspiel verpflichtete der Club den Offensivspieler Yuya Kuba. Für 500 000 Euro soll der 24-Jährige für effektiven Offensiv-Fußball sorgen. Wenn das klappen würde, wäre die 1. Liga eine weniger schlimme Vorstellung.

"Die Atmosphäre im Stadion ist mit 50 000 Zuschauern einfach besser als mit nur 30 000", sagt der 15-jährige Jakob. Ähnlich antworten andere Fußball-Fans, die ich gefragt habe, worauf sie sich in der 1. Liga freuen: prominente Gegner und qualitativ hochwertige Spiele.

Viele sagten aber auch, dass sie keinen großen Unterschied zu anderen Saisonstarts spüren. Sie freuen sich einfach darauf, mit ihren Freunden den Club so leidenschaftlich zu unterstützen, wie sie es immer tun. Da spielt die Liga keine Rolle. 

PAULA WAHLIG

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