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US-Wahl-Safari durch Nürnberg

In einem Fotoworkshop suchten die jungen Teilnehmer nach originellen Motiven - 17.10.2012

Der Geldautomat und Romney gehören für die Fotografen der Wahl-Safari genauso zusammen ... © Daniel Gal


US-Präsident Barack Obama steht mit seinem Zahnpastalächeln mitten auf der Kreuzung vor der Kunsthalle in Nürnberg. Fast lehnt er an einem Polizisten in neongelber Warnweste, der gerade noch nichtsahnend die Straße für eine anstehende Demo absperren wollte.

Drum herum stehen grinsend die jungen Teilnehmer des Fotografier-Workshops „US-Wahl-Safari“, legen die Sucher ihrer Kameras an die Augen und knipsen eifrig drauflos. Als der Polizist langsam nicht mehr nur irritiert, sondern etwas gereizt wirkt, flüchtet Teilnehmer Philip Repscher gemeinsam mit seinem lebensgroßen Papp-Obama schnell in seine fotografierende Herde, die kichernd weiterzieht.

Immer im Oktober treffen sich seit vier Jahren fotobegeisterte Jugendliche im Deutsch-Amerikanischen-Institut (DAI), um auf die Suche nach Motiven zum aktuellen Geschehen in den USA zu gehen. Nach dem Thema Twins – wie Twin Towers – im vergangenen Jahr, ist nun die US-Wahl das Objekt der Begierde.

wie Obama und das Heldengäßchen. © Daniel Gal


Pappaufsteller von Mitt Romney und Barack Obama stehen Model für die Fotografen. Das beste Motiv wird im Februar gekürt und gemeinsam mit den anderen Bildern des Workshops im Amerikahaus ausgestellt.

„Wo ist Mitt?“, ruft Raymond Romanos mit seinem amerikanischen Akzent in die Gruppe. „Hier, der ist neu!“ Der US-Fotograf, der den jungen Leuten ein paar Tipps und Tricks zeigt, hält die Papp-Ausführung von Mitt Romney in die Höhe, direkt neben das Wörtchen „neu“, das an der Museumswand in der Lorenzer Straße prangt. Alle nicken, gehen in die Knie und das Klicken von zwölf Kameras ertönt.

Romney und das Geld

Weiter Richtung Innenstadt zum Lorenzer Platz entdecken die Teilnehmer einen Bankautomaten. „Das ist es“, rufen gleichzeitig mehrere aus der Gruppe und positionieren Mitt Romney direkt neben dem Geldautomaten der Stadtsparkasse.

„Es dreht sich alles um Symbolik“, erklärt Fotograf Romanos – und Geld ist für Romney das Symbol schlechthin. Denn er machte seine Millionen als Hedgefondsmanager und argumentiert auch im Wahlkampf mit seinem Wissen über Wirtschaft und Finanzen.

Um überhaupt gute Motive in Nürnberg zu finden, gab die Programm-Leiterin des DAI, Kathleen Röber, den Foto-Fans noch etwas Hintergrundwissen über die Kandidaten und deren Parteien mit auf den Weg. Barack Obama zum Beispiel führte in den USA die Versicherungspflicht ein. „So könntet ihr eine Apotheke als Motiv wählen und Obama davorstellen“, erklärt Kathleen Röber.

Mit einem Privatvermögen von etwa 250 Millionen Dollar ist Romney in der Bar Millionär gut aufgehoben. © Daniel Gal


Vor der Lorenzkirche sprechen immer wieder Passanten die mit USA-Fahnen und blau-weiß-roten Girlanden geschmückten jungen Fotografen an: „Macht ihr Wahlkampf?“ oder „Ist das nicht Barack Obama?“

Besonders auffällig sind die vielen Amerikaner, die sich zu erkennen geben und als Obama-Anhänger outen. Vielleicht, weil Obama für viele Menschen als Held gilt: Denn im Jahr 2009 bekam er den Friedensnobelpreis für „außergewöhnliche Bemühungen für die Zusammenarbeit zwischen den Völkern“.

Tipps vom Profi

Raymond Romanos gibt den Teilnehmern Hinweise, wie sie ihr gewähltes Motiv richtig in Szene setzen. „Es geht um Licht und Schatten und um die richtige Perspektive“, erklärt er und ermahnt die Jugendlichen auch: „Probiert verschiedene Blickwinkel aus: von oben, von unten – legt euch ruhig mal auf den Boden!“ Gesagt, getan. Die Nachwuchsfotografen werden von Foto zu Foto sicherer und erzielen immer bessere Ergebnisse.

Und auch Demokrat Obama findet vor dem Gewerkschaftshaus in Nürnberg ein geeignetes Plätzchen. © Daniel Gal


Vor dem Gewerkschaftshaus am Kornmarkt fühlen sich Obama und sein Gefolge sichtlich wohl. Bäuchlings legen sich alle mitsamt dem Präsidenten auf die Bänke vor dem ver.di-Gebäude und würdigen Obama standesgemäß mit einem abschließenden Gruppenbild.

Dieses und die anderen Motive könnt ihr im Februar 2013 bei einer Ausstellung im Deutsch-Amerikanischen-Institut, Gleißbühlstraße 9, in Nürnberg begutachten. Spätestens dann ist nicht nur raus, ob das schönste Foto Obama oder Romney zeigt, sondern auch, wer von den beiden Kandidaten überhaupt noch auf der Bildfläche zu sehen ist.

  

SARAH DE SANCTIS

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