Freitag, 16.11.2018

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Von Jerusalem zum Kibbuz in der Wüste

Eine Nürnberger Abiturientin berichtet über ihre Reise durch das Land Israel — Teil 2 - 16.08.2018 17:48 Uhr

Die Stadt Tzefat in Galiläa wurde bekannt als wichtiger Ort jüdischer Gelehrsamkeit und als Künstlerkolonie. © privat


Tag 4: Nach einer entspannenden Nacht in Jerusalem stand der nächste Programmpunkt an. Ein Besuch in der Knesset, dem israelischen Parlament. Anschließend ging es weiter zur Jewish Agency, einer Non-Profit-Migrantenorganisation, die sich um Juden in Notsituationen kümmert.

Danach erkundeten wir die jüdische Altstadt und besuchten die Klagemauer. Weiter oben beten die Muslime beim Tempelberg in der al-Aqsa Moschee.

Danach konnten wir beim Mahane Jehuda shoppen, einem riesigen Basar, auf dem man alles kaufen kann, was das Herz begehrt. Dieser Tag war ein Donnerstag, und das ist in Israel der Abend vor dem Wochenende: Alle gehen auf die Straße und feiern. Dabei lernten wir israelische Jugendliche kennen und verbrachten zusammen einen gelungenen Abend.

Kerzen für ermordete Kinder

Tag 5: Der nächste Tag fing sehr emotional an, denn der Besuch der Yad-Vashem-Gedenkstätte berührte uns alle. Besonders das Denkmal für die im Zweiten Weltkrieg ermordeten Kinder schockierte uns sehr. Man betritt einen von Kerzen beleuchteten Raum, es herrscht Stille, und nur der Name, das Alter und der Geburtsort der Kinder werden über einen Lautsprecher vorgelesen. Eva, zehn Jahre, Berlin; Samuel, four years old, Warsaw; Daniel, un año, Auschwitz.

So emotionsgeladen wie der Tag anfing, so hörte er auch wieder auf. Den Schabbat begrüßten wir gemeinsam in einer Synagoge. Das Gebet war unglaublich schön, und es wurde gesungen und getanzt. Es herrschte eine innige Atmosphäre und ein unbeschreibliches Gemeinschaftsgefühl. Wir lachten und sangen gemeinsam mit Menschen, die wir gerade erst kennengelernt hatten.

Tag 6: Am nächsten Morgen fuhren wir zu einem ehemaligen militärischen Stützpunkt der Israelis in den Golan-Höhen. Von dort aus erkannten wir die Grenzen zu Syrien und Jordanien. Im kühlen Bus ging es nach Hamat Gader, ein Gebiet mit Mineralquellen. Wir ließen uns trotz der Hitze dazu überreden, in das 42 Grad heiße Schwefelwasser zu steigen. Tiefenentspannt ging es weiter zum Kibbuz Sha’ar HaGolan. Dort konnten wir endlich den Schwefelgeruch abwaschen.

Tag 7: In aller Früh brachte uns der Bus in das Jordan River Village, das von der Paul-Newman-Stiftung ins Leben gerufen wurde. Dort finden Zeltlager für schwerbehinderte Kinder statt. Sie haben dort zum Beispiel ein Schwimmbad und einen Sportplatz. Trotz des Nahost-Konflikts werden hier auch muslimische Kinder aus dem Gaza-Streifen aufgenommen – heimlich und auf Wunsch der Eltern selbstverständlich.

Denn falls die Hamas das erfahren würde, wären die Muslime in ihren Augen Verräter, wenn sie einen Fuß nach Israel setzen und dort ein Camp besuchen.

Wildwasserrafting auf dem Jordan

Im Dorf ist der Konflikt kein zentrales Thema. Hier werden Vorurteile zwischen den Religionen und Kulturen abgebaut. Aus diesem Grund unterstützt die Israelitische Kultusgemeinde Nürnberg die durch Spenden finanzierte Organisation.

Anschließend erkundeten wir die Stadt Tzefat im Norden Israels. Dieser Ort hat eine besondere historische, religiöse und künstlerische Bedeutung für die jüdische Welt. Aber Spaß und Action durften auch nicht fehlen. Es stand Wildwasserrafting auf dem Jordan auf dem Plan; wir wurden zwar alle pitschnass und dreckig, aber so gab es viel zum Lachen.

Wieder im Kibbuz Sha’ar HaGolan wurde uns erklärt, wer welche Aufgabenbereiche im Alltag übernimmt. Wichtig dabei ist, dass jeder mal alles gemacht hat, damit es fair bleibt.

Die Ausnahme sind zum Beispiel Mediziner oder Ingenieure, doch auch sie bekommen nicht mehr Geld. Das Gesamtbudget des Kibbuz wird gleichmäßig auf die Bewohner verteilt. 

VON LENA PRYTULA

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