Donnerstag, 13.12.2018

|

Wer schreibt, der bleibt

Warum haben wir Menschen angefangen, das festzuhalten, was wir erleben? - 24.11.2018 08:00 Uhr

"Stille Post" ist ein tolles Spiel. Was vom Satz übrig bleibt, ist garantiert lustig. © Kathrin Walther


Ein Satz geht auf Wanderschaft. Ganz am Anfang heißt er "Meine Pizza belege ich am liebsten mit Parmaschinken, Auberginen und Oliven." Und am Ende kommt heraus "Alte Killer-Socke".

Wie bitte? Weißt du, was da passiert sein könnte? Genau: Es wurde "Stille Post" gespielt. 15 Kinder vom Nürnberger Kinderhort Bartholomäusstraße haben sich den Satz ins Ohr geflüstert und gekichert, und das Ergebnis ist von Ohr zu Ohr immer verrückter geworden. Und sie haben erkannt: Manchmal kommt das, was wir sagen, an einer anderen Stelle ganz anders an.

Wieso schreiben wir?

Genau das wollte Stefan Salamonsberger mit seinem Stille-Post-Experiment zeigen. Stefan ist von der Ludwig-Maximilian-Universität München nach Nürnberg gekommen, um mit den Kindern etwas zu erforschen: Wann und warum ist Sprache sichtbar geworden? Also: Wieso haben wir Menschen die Schrift erfunden?

In dieser Woche war nämlich der Kinder-Uni-Horttag zum Thema "Zeichen und Signale, Töne und Sprache". Denn es ist gar nicht selbstverständlich, dass du diesen Text hier lesen kannst. Du musstest erst jeden Buchstaben und seine Bedeutung lernen. Kannst du dich noch daran erinnern, als Texte für dich ausgesehen haben wie ein wildes Durcheinander aus Strichen und Formen?

Es hat unvorstellbar viele Jahre gedauert, bis der Mensch die Buchstaben erfunden hat. Vor langer Zeit, da haben unsere Vorfahren an Höhlenwände gemalt. Stefan zeigt den Kindern Bilder von Menschen mit Pfeil und Bogen, die Rehe jagen, von Pferden und Händen. Das war quasi die erste festgehaltene Bildsprache, von der wir heute wissen.

Viel später auf dem Kontinent Südamerika hat ein Volk sich über Knotenschnüre verständigt. Das waren die Inkas, und sie lebten in der Stadt Machu Picchu. Von der gibt es immer noch Ruinen. Hier wurden auch die Schnüre gefunden: Mehrere waren oben verbunden, und in jeder Schnur waren Knoten, die sich in Dicke und Zahl unterscheiden.

Was könnten die Knoten bedeuten? Sollten damit Gefühle ausgedrückt werden? Oder wollte jemand sagen, wie oft er auf die Jagd gegangen ist? Stefan erzählt, dass selbst heute die ganz klugen Forscher nicht wissen, was die Menschen damit sagen wollten. Vermutlich hatte es etwa mit der Ernte zu tun.

Bildschrift oder Schriftbild

So, und nun schreib doch mal anhand dieser Zeichen einen Aufsatz. Viel Spaß dabei! © Stefan Hippel


Dann zeigt Stefan auf einem Bild die Schrift, die der Ursprung für unsere Schrift heute ist: die Hieroglyphen der alten Ägypter, also die Symbole, die in Steine gemeißelt wurden. Die spannende Frage lautet: Steht das Bild nur für ein Wort – oder ist das Bild ein Symbol? Warum das spannend ist? Stell dir vor, die einzelne Hieroglyphe würde wirklich nur für ein Wort stehen – wie würde "Gregs Tagebuch" dann aussehen? Vollkommen unhandlich, das Buch wäre so groß und dick, dass es kein Mensch tragen könnte! Zum Glück haben die Wissenschaftler es geschafft, die Hieroglyphen zu entschlüsseln.

Stefan schenkt den Kindern ein Blatt mit den Hieroglyphen und ihrer Bedeutung. Wir haben sie für dich abgebildet. Mal doch mal deinen Namen in Bildern! 

Kathrin Walther Xtra-Redaktion E-Mail

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus dem Ressort: Szene Extra