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Vom Eisvogel bis zu Igelkolben

Naturlehrpfad rund um den Dutzendteich eröffnet - 07.09.2005

Der Naturlehrpfad um den Dutzendteich ist eröffnet. 15 Stationen geben Einblick in die reichhaltige Flora und Fauna. Auch die Geschichte des Geländes in der Zeit des Dritten Reiches wird angesprochen. Foto: Gerullis © -


„Der Dutzendteich im Volkspark ist auf Grund seiner Größe und Schönheit der Anlagen ein beliebtes Naherholungsgebiet der Nürnberger“, führte der Sprecher der Agenda-Gruppe, Günther Raß, zur Eröffnung aus. Inmitten der Großstadt habe sich hier trotz unterschiedlicher Nutzungen ein grünes Paradies erhalten oder sei wiederhergestellt worden - eine unverzichtbare Zufluchtstätte für Vögel, Pflanzen, allerlei Wassergetier und berufs- wie alltagsgestresste Menschen.

Nur was man kennt, schützt man auch

„Alte Baumbestände liefern Bruthöhlen für Fledermäuse, überhängende Weiden werden als Ansitz vom Eisvogel genutzt. Sumpfschwertlilie, Wolfstrapp, Igelkolben und Blutweiderich tragen zur Farbenpracht der Ufer bei. Hier kann man aber auch zahlreiche Insekten wie Libellen und Kaisermantel beobachten“, schwärmte Raß. Mit dem unter Mithilfe des Bundes Naturschutz fertig gestellten Naturlehrpfad wolle die Agenda-Gruppe dazu beitragen, dass auch Leute, die nicht gerade achtsam mit Biotopen umgingen, dieses Grün zu schätzen und zu schützen lernten. „Denn nur was man kennt, schützt man auch“, so Raß.

Die Wanderer entlang des Naturlehrpfads sollen begreifen lernen, dass wertvolle Lebensräume für Tiere und Pflanzen einen Schutz vor Zerstörung durch den Bau von Parkhäusern oder Sportanlagen verdienen. Insgesamt 15 Schautafeln geben deshalb Einblicke in das reichhaltige Leben von Flora und Fauna am Dutzendteich. An Station 15 erfährt der Wanderer zum Beispiel einiges über die in den Weihern betriebene Fischaufzucht. Station 14 informiert über die Brutmöglichkeiten für Enten und Blasshühner in den Uferbereichen. Alle Schautafeln sind entlang der Hauptwege vom Großen Dutzendteich über Kleinen Dutzendteich, Silbersee und den Nummernweihern des ehemaligen Tiergartens eingerichtet. Der Rundweg umfasst eine Strecke von fünf Kilometern. Wer weniger Zeit oder Puste hat, kann auch eine nur drei Kilometer lange Runde (Abkürzung zwischen Station 6 und Station 14) um den Großen Dutzendteich drehen.

Insgesamt kostete das Informationssystem rund 12 000 Euro. Etwa 4000 Euro kamen allein durch Spenden aus der Bevölkerung zusammen, den Rest trug die Stadt. Günther Raß ist froh, dass nach über zwei Jahren Vorbereitungs- und Planungszeit der Naturlehrpfad endlich realisiert werden konnte. Immerhin war das Projekt zu Beginn gerade in der Stadtverwaltung auf einiges Misstrauen gestoßen: „Einige Leute befürchteten, der Naturlehrlehrpfad könnte sich störend auf das ebenfalls rund um den Dutzendteich aufgestellte Informationssystem zum Thema Reichsparteitagsgelände auswirken“, erzählte Raß. Bedenken, die man aber schließlich habe ausräumen können.

„Die beiden Informationssysteme vertragen sich schon miteinander“, ist Michael Kaiser, persönlicher Referent von Umwelt-Bürgermeister Klemens Gsell, überzeugt. Immerhin habe man gewisse Entflechtungs-Maßnahmen ergriffen: „Die Tafeln stehen jetzt an etwas unterschiedlichen Stellen und heben sich auch deutlich voneinander ab“, so Kaiser. Vor allem aber legte man großen Wert darauf, Erholung, Natur und Historie miteinander zu verknüpfen. So ist die erste Station dem altbeliebten Treffpunkt Café Wanner gewidmet.

Auch an das Dritte Reich wird erinnert

Aber auch der Einfluss der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft auf den Dutzendteich bleibt innerhalb des Naturlehrpfads nicht unerwähnt: „Die Schautafeln an Silberbuck und Silbersee informieren vor allem darüber, was dort in der Zeit des Dritten Reiches geschah“, erklärte Gerhard Brunner vom Bund Naturschutz.

Auch Grünen-Stadträtin Christine Seer ist mit dem erreichten Ergebnis zufrieden: „Gerade viele Kinder in der Stadt kommen einfach zu wenig mit Natur in Berührung“, bedauert sie. „Mit Hilfe des Naturlehrpfads am Dutzendteich können sie jetzt aber sogar Freizeitspaß haben, Natur erleben und zugleich Wissen erwerben.“ Marianne Schlotthauer 

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