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"Weil Bildung die beste Armutsprävention ist"

Die internationale Nachhilfe "Lernträume" der SinN-Stiftung - 17.12.2012 10:00 Uhr

Maria Gorelowa, Koordinatorin des Projektes „Lernträume“, mit ihrem Schützling Iven Maksymenko. Gegen einen symbolischen Geldbetrag erteilt das Lehrerteam Nachhilfe unter anderem in Englisch, Deutsch und Mathematik. © Eduard Weigert


Zusammen bilden sie das Lehrkräfte-Team der „Lernträume“, einer internationalen Nachhilfe für rund 100 Kinder im Stadtteil St. Leonhard/Schweinau.

SinN steht für „Seelsorge in Nürnberg“. Die Stiftung wird von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern getragen und hat vor allem Russlanddeutsche im Fokus. Das Nachhilfe-Projekt hat die Stiftung im Jahr 2008 ins Leben gerufen. „Mit zwei Schülern und zwei Lehrkräften haben wir ganz klein begonnen“, erinnert sich Maria Gorelowa, Koordinatorin des Projektes „Lernträume“. Damals fand der Unterricht noch im Haus der Kirche in Schweinau statt. Doch bald brauchten die „Lernträume“ mehr Platz. „Es hatte sich immer mehr rumgesprochen, wir sind gewachsen. Ich merke auch die Anerkennung, die uns entgegengebracht wird“, freut sich Gorelowa. Inzwischen hat das Dekanat vier Räume in der Gemeinde St. Leonhard/Schweinau zur Verfügung gestellt.

Das Angebot der „Lernträume“ ist vielfältig: für einen nahezu symbolischen monetären Beitrag gibt es Nachhilfe in Englisch, Deutsch, Französisch, Russisch, Mathematik, aber auch Musikfrüherziehung und Schach. Es gibt Gruppen- und Einzelunterricht. Zu den Besuchern von „Lernträumen“ gehören auch etwa 20 Erwachsene, die hier Deutsch und Englisch lernen. Den Schwerpunkt jedoch bilden die Kinder.

Die Notwendigkeit des Projektes lag für Arnold auf der Hand: „Unser Projekt arbeitet in einem Stadtteil mit hoher Arbeitslosenquote. Und Bildung ist die beste Armutsprävention.“ Das Projekt wendet sich gezielt an Migrantenkinder. „Zuwanderungskinder erfahren keine Chancengleichheit in der Schule. Sie brauchen unsere Unterstützung.“

Viele „Lernträume“-Kinder oder deren Eltern stammen aus den GUS-Ländern. Hier erweist es sich als hilfreich, dass viele Lehrkräfte selbst aus der ehemaligen Sowjetunion stammen, erläutert Arnold: „Es hat den Vorteil, dass sie ein tieferes Verständnis für die Kinder und ihren kulturellen Hintergrund haben.“ Auch für diese Lehrkräfte ist das Projekt wichtig, betont die Leiterin der SinN-Stiftung: „Es gibt sehr viele sehr gut ausgebildete Lehrer aus den GUS-Ländern in Nürnberg. Wir wollten ihnen die Chance geben, ihre beruflichen Erfahrungen und Kompetenzen ehrenamtlich einzubringen. Und es gibt viele, die das auch möchten.“ Im Lehrkräfte-Team sind aber auch Einheimische. Darüber ist die promovierte Historikerin sehr froh: „Wir wollten Menschen aus der Kirchengemeinde mit zugewanderten Lehrkräften zusammenbringen. Es ist auf beiden Seiten notwendig. Und es funktioniert hervorragend.“

Die Lehrkräfte der „Lernträume“ sind auch in den Schulferien aktiv: Zweimal im Jahr veranstaltet die SinN-Stiftung eine Theaterferienwoche für Kinder. Die Lehrkräfte singen, tanzen, basteln, spielen mit den kleinen Teilnehmern und bringen sie auf die Bühne: in der St. Leonhard-Kirche.

Die Motivation und das Engagement der Mitarbeiter ist sehr groß, stellt Maria Gorelowa immer wieder fest: „Unseren Lehrkräften ist es nicht egal, welche Zukunft die Kinder in diesem Land haben werden. Wir verhelfen ihnen zum schulischen Erfolg.“ Richtig gut sein in der Schule will auch Iven Maksymenko, der mit seinen Eltern aus der Ukraine kommt. Der Zehnjährige besucht die fünfte Klasse eines Gymnasiums. Jede Woche packt er sein gelbes Vokabelheft sowie das Englisch-Buch aus der Schule in den „Lernträumen“ aus und büffelt mit Maria Gorelowa Englisch. „Hier lerne ich viel mehr und schneller Englisch als in der Schule, weil es besser erklärt wird“, sagt Iven.

Davor, dass den „Lernträumen“ die Schüler ausgehen, hat Sabine Arnold keine Angst: „Wir rechnen damit, dass dieses Schuljahr sogar noch mehr Schüler zu uns kommen.“ Sorgen bereitet ihr aber die Finanzierung der Koordinatorenstelle von Maria Gorelowa: „Die Finanzierung ist nur bis Ende Oktober 2014 gesichert.“

Das Projekt „Lernträume“ freut sich über Geld- und Sachspenden. Sachspenden können bei der SinN-Stiftung im Haus der Kirche, Georgstr. 10 in Nürnberg, Mo.–Fr. von 8–12.30 Uhr und 14–17 Uhr abgegeben werden. Spendenkonto: SinN-Stiftung Nürnberg, Konto: 3501272, Evangelische Kreditgenossenschaft Kassel; BLZ: 52060410. Alle Beiträge unserer Serie finden Sie unter www.nz.de
  

Ella Schindler

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