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Rückkehr der Bibertbahn machbar, aber teuer

VGN-Zwischenbericht: 21 Millionen Euro plus X wären nötig - 13.03. 10:00 Uhr

FÜRTH Land  - Kaum noch Chancen räumt VGN-Geschäftsführer Willi Weißkopf einer Reaktivierung der Bibertbahn ein. Bei der Jahrespressekonferenz des Verkehrsverbunds Großraum Nürnberg (VGN) legte er in einem Zwischenbericht vorläufige Zahlen aus der Studie zur Reaktivierung der alten Trasse zwischen dem Bahnhof Nürnberg-Stein und Leichendorf vor.


Die VGN-Untersuchung geht bei der Studie für die Bibertbahn davon aus, dass Triebwagen der Baureihe 648, wie sie beispielsweise auf der Gräfenbergbahn unterwegs sind, zum Einsatz kommen könnten.
Die VGN-Untersuchung geht bei der Studie für die Bibertbahn davon aus, dass Triebwagen der Baureihe 648, wie sie beispielsweise auf der Gräfenbergbahn unterwegs sind, zum Einsatz kommen könnten.
Foto: privat
Die VGN-Untersuchung geht bei der Studie für die Bibertbahn davon aus, dass Triebwagen der Baureihe 648, wie sie beispielsweise auf der Gräfenbergbahn unterwegs sind, zum Einsatz kommen könnten.
Die VGN-Untersuchung geht bei der Studie für die Bibertbahn davon aus, dass Triebwagen der Baureihe 648, wie sie beispielsweise auf der Gräfenbergbahn unterwegs sind, zum Einsatz kommen könnten.
Foto: privat

Im Landratsamt Fürth will man den VGN-Zwischenbericht nicht kommentieren: Es handle sich um vorläufige Zahlen, sagt die zuständige Abteilungsleiterin Alexandra Horn. Die Studie sei noch nicht fertig, weshalb man wenig Sinn darin sehe, einzelne Details vorab zu veröffentlichen. Seien letzte Abstimmungen erledigt, werde man die Komplettfassung präsentieren. Noch vor der Jahresmitte soll das geschehen, kündigt sie an.

Der VGN sieht das weniger eng: Dort bestätigt man die grundsätzliche Machbarkeit der Reaktivierung. Allerdings machen die Gutachter etliche Knackpunkte aus, wie VGN-Pressesprecher Manfred Rupp erläutert. Da wären zum einen die hohen Investitionen, die erforderlich sind, um die Infrastruktur, wie etwa die Bahn-Trasse, Bahnsteige und -übergänge oder Brücken, instand zu setzen. Dafür müssten der Landkreis und die Städte Zirndorf und Oberasbach aufkommen, von Freistaat und Bund seien keine Zuschüsse zu erwarten. Ob und inwieweit sich Nürnberg beteiligen würde, ist Rupp zufolge nach wie vor offen. Die Stellungnahme der Noris stehe noch aus.

Für einen 30-Minuten-Takt wären dem VGN zufolge Investitionen in Höhe von etwa 21 Millionen Euro plus X nötig. Die Unbekannte X steht für diverse Posten, die die Kalkulation noch nicht berücksichtigt: Beispielsweise einen Park-&-Ride-Parkplatz am Endhalt Leichendorf, Gleissicherungsanlagen an acht Bahnübergängen sowie eventuell erforderliche Veränderungen am geplanten U-Bahn-Endhalt in Nürnberg-Gebersdorf. Dort könnte es wegen einer U-Bahn-Abstell-Anlage eng werden für die Bibertbahn, erklärt Rupp.

Zur Erinnerung: Bei der großen Lösung einer U-Bahn-Verlängerung nach Zirndorf und Oberasbach, die an dem Bürgerentscheid in Zirndorf scheiterte, ging man von Kosten bis zu 70 Millionen Euro aus, hätte allerdings mit 80 Prozent an Zuschüssen rechnen können. Die Betriebskosten — 1,3 bis 1,5 Millionen Euro pro Jahr — dagegen wären an den Kommunen hängengeblieben. Im Fall der Bibertbahnlösung würde der Freistaat den Betrieb finanzieren. Die Voraussetzungen dafür, nämlich mindestens 1000 Fahrgäste am Tag, würde die Bibertbärbel laut VGN-Gutachten mit 1150 Fahrgästen erfüllen.

Drei neue Brücken

Mit 21 Millionen Euro liegt die VGN-Kalkulation um sechs Millionen Euro über der Summe, die die Interessengemeinschaft Bibertbahn (IG), die sich seit Jahren um eine Wiederbelegung der Bahnlinie bemüht, errechnet hat. Entsprechend verwundert zeigt sich IG-Sprecher Jörg Schäfer etwa darüber, das die drei Brücken zwischen Fürth-Süd und Altenberg für die Bibertbahn neu gebaut werden müssten, während es für die Verlängerung der U-Bahn-Linie 3 auch deren um fast fünf Millionen Euro günstigere Sanierung getan hätte.

Trotz der eher negativen Prognosen Weißkopfs sieht die IG Bibertbahn ihr Konzept zur Wiederbelebung der Trasse „im Großen und Ganzen“ bestätigt, erklärt Schäfer. Er spricht von guten Werten — zumal die ganzen Berechnungen von der Annahme ausgingen, dass die U3 tatsächlich bis Gebersdorf fährt. Doch ob und vor allem wann dies tatsächlich geschehe, steht für die IG Bibertbahn noch in den Sternen. „An den Bau dieses U-Bahn-Abschnitts glauben selbst etliche Nürnberger erst, wenn dort irgendwann nach 2020 die Bauarbeiten beginnen“, so Schäfer.

An diesem Aspekt macht Schäfer seine Kritik fest, dass sich der VGN bei seiner Analyse doch stark an den Interessen seiner beiden größten Partner im Verbund, der Stadt Nürnberg und des DB-Konzerns, orientiert habe. Den Interessen der Bahn hält er es für geschuldet, dass der sinnvollere 20-Minuten-Takt als nicht machbar eingestuft wurde oder dass mit den Triebwagen der Baureihe 648 ein Typ vorgesehen werde, der seit Dezember 2008 zwar im Dieselnetz Nürnberg im Einsatz ist, wegen der engen Bestuhlung von den Fahrgästen aber wenig geschätzt werde.

In puncto U3 bis Gebersdorf wähnt Schäfer die Bürger im Biberttal in jedem Fall in der Verliererrolle. Werde die U3 tatsächlich bis Gebersdorf verlängert, müssten sie die hohen Baukosten als Steuerzahler mittragen, ohne großen Nutzen von der U-Bahn zu haben. Und sollte die Entscheidung, die U3 nicht bis Gebersdorf zu verlängern, irgendwann nach 2015 fallen, könnte es zu spät für die Reaktivierung der Bibertbahn sein. Zirndorf und Oberasbach wären endgültig abgehängt von einer schienengebundenen Verkehrslösung.

Aktuell fürchtet Schäfer, die Bibertbahn könne an den klammen Kassen der beteiligten Gebietskörperschaften scheitern. Dann aber, mahnt er vorsorglich, sollte zumindest die Trasse erhalten bleiben. Schließlich könnten steigende Benzinpreise und geopolitische Verwerfungen sehr rasch zu einer Situation führen, in der man „froh ist, wenn man mit der Bibertbahn noch eine bezahlbare Alternative zum Auto hat“.

  





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