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Schurken und wilde Tiere bevölkerten den Reichswald

Der Forst zwischen Nürnberg und Erlangen ist ein Hort vieler Geschichten — Steinmartern erinnern an Unglücke und Verbrechen - 28.08.2016 19:36 Uhr

Der Maulaufreißer: In der Nische war früher vermutlich eine kleine Figur. © Foto: Ernst Bayerlein


Der neue dreieckige Stein in der Ohrwaschel. Er wurde 2013 aufgestellt, ist ein Forstrevier-Grenzstein. © Foto: Ernst Bayerlein


Uralt ist der Reichswald: Bereits im Jahr 1021 schenkte Kaiser Heinrich II. den Wald dem von ihm gegründeten Bistum Bamberg, aber nach seinem Tod fiel er 1040 wieder an das Reich zurück. Es entstanden in der Folgezeit mehrere Ortschaften; Heeres- sowie Handelsstraßen wurden angelegt. 1427 kam der Reichswald durch Lehenserwerb an die Reichsstadt Nürnberg und 1810 an das neue Königreich Bayern.

Dass es viel Wild im Reichswald gab, darauf deuten heute noch die Namen von Waldabteilungen wie Hirschlecke und Saugarten hin. Auch Raubwild gab es wie die Namen Wolfsmarter und Wolfsfelden bezeugen.

Manch dunkle Tat ist im Reichswald begangen worden. Der Kreuzstein erinnert daran, dass einst ein junger Bursche seine schwangere Braut im nahen Sambachweiher ertränkt hat. Der Maulaufreißer ist eine Gedenksäule und steht an der Kreuzung Tennenloher Weg / Dormitzer Straße. Die Säule ist zum Andenken an die Nürnberger Patriziersöhne Sebastian Schedel und Christoph Pfinzing errichtet worden, die 1547 bei einem Ritt von Nürnberg nach Marloffstein hier von durchziehenden italienischen Soldaten erschossen wurden.

Verrufener Eppelein

Besonders verrufen war der Wald als Eppelein von Gailingen um 1370/80, Kunz Keltsch um 1500 und Hanns von Embs, ein Freund des berüchtigten Thomas von Absberg um 1527 hier ihr Unwesen trieben. Im Jahre 1716 brachen etwa 30 Personen mit vermummten Gesichtern im damaligen Schloss Wolfsfelden (an der Straße von Neunhof nach Kalchreuth) ein, banden die Menschen an Händen und Füßen, raubten die Bewohner aus und ließen dieselben in ihrem Blute liegen – heißt es in einem Bericht dazu. Die Verbrecher wurden nie entdeckt obwohl die Reichsstadt Nürnberg eine Belohnung von 100 Gulden aussetzte. Auch überfielen zwölf Räuber 1723 im Tennenloher Wald eine Postkutsche und plünderten die Reisenden gänzlich aus.

Mit der Festigung der Staatsgewalt verschwand dieses Raubwesen, aber auf Wilderer, Vogelfänger und Holzfrevler mussten die Förster und die Gendarmen auch in späterer Zeit noch scharf aufpassen. Schlupfwinkel waren insbesondere das Wirtshaus in Wolfsfelden, das dann um 1900 vom Staat aufgekauft und abgerissen wurde sowie das Waldwirtshaus Ohrwaschel, das nicht mehr verpachtet und 1912 ebenfalls abgerissen wurde.

Gleich zwei Gedenksteine erinnern an Förster, die in Ausübung ihres Dienstes starben. Der Arnold-Stein im Buckenhofer Forst in der Nähe der früheren Munitionsbunker verweist darauf, dass am 18. Oktober 1851 „durch einen Schuss aus Freundesrohr infolge Selbstentladung des Gewehres“ der Forstmann hier verstarb. Das Häfner-Denkmal am Weinweg/Wurzelweg hält das Gedenken an den Königlichen Förster Albrecht Häfner aus Tennenlohe wach, der am 18. Mai 1899 verstarb, als er aus seinem Jagdwagen stieg.

Weiter gibt es im Reichswald zahlreiche Forstrevier-Grenzsteine wie die Wolfsmarter, die Rote Marter oder den Dreieckigen Stein sowie viele Steine, die an Tiere des Waldes erinnern wie der Eulenstein, der Saupass-Stein, der Fuchsstein und der Wolfstein.

Schließlich entspringen im Reichswald auch zahlreiche Wasserquellen wie die Albrecht-Dürer-Quelle, der tropfende Fels, die Dachsquelle und das Hasenbrünnlein.

Die meisten dieser Gedenksteine oder Quellen sind mit der Topographischen Karte Erlangen-Süd, herausgegeben vom Bayerischen Landesvermessungsamt, gut zu finden. 

ERNST BAYERLEIN

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