Nein, einfach durchschmuggeln kann sich keiner an der Talstation der Gondel, die auf den Schafberg hinauffährt. Es wird genau hingeguckt, notfalls muss das Ticket eben mehrfach vor den Scanner gehalten werden. Denn mit Schmugglern haben die Bewohner des Montafons so ihre Erfahrungen gesammelt.
Noch vor 100 Jahren war das auf 1400 Metern gelegene Gargellen ein beliebter Standort für Menschen, die Waren illegal ins benachbarte Wallis einführen wollten. Beinahe jede Familie kann auf diese zweifelhafte, meist auf bittere Armut zurückzuführende Tradition verweisen. Heute dürfen sich die Kinder spielerisch dem lange verdrängten Thema nähern. An der Bergstation auf 2130 Metern Höhe beginnt der Schmugglerpfad, ein Rundweg, der auch Erwachsenen viel Spaß macht.
Wann hat man schon die Gelegenheit, barfuß durch ein Hochmoor zu waten, ohne von vorbeilaufenden Bergwanderern für verrückt erklärt zu werden? Der Schleichweg über Wiesen, Kieselsteine und durch einen eiskalten Gebirgsbach versetzt die Barfußläufer in die Situation von bitterarmen Schmugglern, denen die Zöllner dicht auf den Fersen waren und die - obwohl ohne festes Schuhwerk unterwegs - bei ihrer Flucht keine Rücksicht auf den Untergrund nehmen konnten.
Kurzweilig verläuft die Runde, für die zwei Stunden zu veranschlagen sind. Der Blick streift immer wieder die etwas höher gelegenen Gipfel, die die Grenze zur Schweiz markieren. Auch dort oben am Grat verläuft eine Schmuggler-Runde, die von den Wanderern allerdings vier bis fünf Stunden Konzentration und Trittsicherheit abverlangt. Die Überreste längst aufgelassener Zöllner-Stationen sorgen für den authentischen Rahmen.
Am Weg ins Tal treffen sich große und kleine Schmuggler auf der Kessl-Hütte, die unter Einheimischen ob ihrer Küche hoch gehandelt wird - Kaiserschmarrn und frisch gefangene Forellen zählen zu den Schmankerln auf der Karte. Unten im Tal öffnet sich der Blick auf ein Dorf, dem die Bausünden manch anderer Alpendomizile erspart geblieben sind.
Lebhafter geht es unten in Schruns und Tschagguns zu, den beiden Hauptorten des Montafons. Hier, ganz im Westen Österreichs, erinnert vieles an die benachbarte Schweiz. Die beiden Orte bieten zum Beispiel 300 Kilometer bestens beschilderte Mountainbike-Touren für Radfahrer aller Leistungsklassen. Beschaulich ist zum Beispiel eine Tour ins Silbertal, wo vor Jahrhunderten Gold abgebaut wurde. Heute wartet dort ein Rückzugsgebiet für selten gewordene Tier- und Pflanzenarten auf die Touristen, die nur zu bestimmten Zeiten Zugang zur sensiblen Landschaft haben. Mit dem Rad sind es von Schruns knapp eineinhalb Stunden bis zum Hasli-Hüsli, einer bewirtschafteten Alm, die auch von Wanderern gern besucht wird.
Überhaupt funktioniert im Montafon das Miteinander der beiden nicht überall kompatiblen Gruppen bestens. Hier ist der Wanderweg und daneben verläuft die Radlerstrecke: Konflikte werden von vornherein vermieden. Und während Papa mit den größeren Söhnen auf Tour geht, kann der Rest der Familie im Aktiv-Park Montafon entspannen - mit viel Bewegung, versteht sich. Gemeinsam geht es dann zum Golm, dem nahe gelegenen Hausberg. Dort warten der Wald-Klettergarten und der Alpine-Coaster, eine Mischung aus Sommerrodel- und Achterbahn.
Ausführliche Informationen unter www.montafon.at, Tel.: 0043/5556722530
