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Hier ist alles heilig

Auf der indonesischen Insel Bali sind die Götter allgegenwärtig - 06.01.12

Hühner gackern, Hähne krähen, Hunde bellen, Kinder kreischen, Mopeds knattern, Autos hupen. Alles ganz normale Geräusche auf Balis Straßen. Manchmal hat die sich durch Dörfer und Reisterrassen windende Fahrbahn auch mehr Löcher als Straßenbelag. Doch wen stört das schon in dieser paradiesischen Landschaft?

Pura Ulun ist einer der schönsten Tempel Balis, mitten im See gelegen.
Pura Ulun ist einer der schönsten Tempel Balis, mitten im See gelegen.
Foto: Matthias Niese

Am allerwenigsten Ca Meng. Für den Fahrer mit dem dicken Zopf ist das Alltag. Ganz anders als für seine Gäste, die von weither kommen und bei jedem Dorftempel große Augen machen. Er zeigt uns den Alltag auf seiner Insel, auf der nicht alles so paradiesisch ist, wie es auf den ersten Blick scheint.

Die Mühen des Alltags sind den Arbeiterinnen auf dem Reisfeld ins Gesicht gekerbt, und an der Aussichtslosigkeit, einen guten Job zu ergattern, verzweifeln hier viele Menschen. Die Selbstmordrate auf Bali ist so hoch wie nirgendwo sonst in Indonesien. Bali lebt vor allem vom Tourismus. Die Anschläge vom 12. Oktober 2002 mit über 200 Todesopfern und vom 1. Oktober 2005 mit 23 Toten trafen die Insel deshalb an ihrer empfindlichsten Stelle und brachten sie an den Rand des Ruins.



Inzwischen sind die Touristen zurück und die Balinesen tragen den Fremden gegenüber das gewohnte Lächeln zur Schau. Man schlägt sich durch so gut man eben kann. Und sei es, indem man gegenüber einem Tempel die Benutzung eins Stehklos anbietet – für 1000 Rupien pro Notfall, gut zehn Cent. Rund um Ubud, der Künstlerstadt, verdienen ganze Familien ihren Lebensunterhalt mit Schnitzen und Steinmetzarbeiten. Das Kunsthandwerk wird auf der ganzen Welt als authentisches Souvenir verkauft: Giraffen für Afrika, Bumerangs für Australien, Engel für Europa, Buddhas für Asien.

Platz finden die Dämonen und Götterfiguren, die Drachen und Schlangen nicht nur an den allgegenwärtigen Dorftempeln und Hausaltären, sondern auch in den Hotels auf Bali, die sich bemühen, in ihren Anlagen dem außergewöhnlichen Flair der Insel Tribut zu zollen.

Eine ganze Ganesh-Galerie etwa gibt es im Four Seasons at Jimbaran. Und dass jede Villa in der Hotelanlage ihren Wächter aus Stein hat, ist selbstverständlich. Selbst die Lehrküche im weitläufigen Park des Hotels wird von einer steinernen Gottheit bewacht. Was sie wohl von den Kochversuchen der Gäste hält? Vorsorglich hat ihr ein dienstbarer Geist schon frühmorgens ein Blumenopfer dargebracht. Sie scheint denn auch milde gestimmt, als bei einem Gäste-Kochwettbewerb zwei Gruppen gegeneinander antreten. Blacky, der freundliche Betreuer, weist uns in die balinesische Küche ein. Frisch und fruchtig ist sie, und gut gewürzt. Beim Schnippeln all der Zutaten kann man sich glatt einen Muskelkater holen.

Unter den Kochmützen rinnt der Schweiß. Doch jedes Team arbeitet Hand in Hand und am Ende wird Hühnersaté auf marinierten Bohnen, Garnelen im Parmaschinken-Mantel auf würzigem Fruchtsalat mit Balsamico-Reduktion und Filet vom Red Snapper auf buntem Wok-Gemüse serviert.

Im Dschungel und in den Gärten von Bayad kann man sehen, wie die Früchte wachsen und erfährt, welche Kräuter gegen welche Krankheiten gewachsen sind. Seit 2008 gibt es dieses Öko-Projekt auf Bali, das eine Brücke zwischen Touristen und Einheimischen bauen und die Menschen vor Ort unterstützen will. 30 Prozent der Einnahmen gehen an die Bauern, zehn Prozent bekommt das Dorf. „Wir wollen alle glücklich machen“, sagt Ketut Sanarta, während er durch den Kräutergarten führt.

Auch der Eco-Walk in Bayad ist keine Mogelpackung. Eine Quelle plätschert, der Wind raschelt in den Blättern, ein Wasserfall rauscht, Vögel zwitschern, Äste knacken unter den Schuhen. Sonnenflecken sprenkeln den Weg, der mal steil bergauf, dann wieder fast eben durch grüne Blättertunnel führt.

Es ist ein Zauberwald, in dem wir aufregende Entdeckungen machen: das so genannte Labyrinth. Es ist ein unterirdisches Höhlensystem, das im 13. Jahrhundert von Bauern zur Bewässerung der Reisfelder angelegt wurde und Zuflucht für Tausende bot, die erst vor den holländischen Kolonialisten und später vor indonesischen Nationalisten flohen.

Oder die Goa Maya, die heilige Höhle, wo die Balinesen heute noch Geister vermuten. Gott Indra soll sie geschaffen haben, nachdem er den Dämon Raya Mayadenawa in einer blutigen Schlacht besiegt hatte.

Die Götter gehören zum Alltag Balis wie die Reisfelder und die Vulkane. Sie haben die Insel im Glauben ihrer Bewohner davor bewahrt, vor den muslimischen Einwanderern zu kapitulieren und sich den Urlaubern anzupassen. „Ich bin 100 Prozent Hindu“, sagt Ca Meng. Er lebt nach dem balinesischen Jahr, das 210 Tage hat. Und diese Nacht verheißt Gutes: Es ist Vollmond und gleich zwei balinesische Feste fallen auf dieses Datum. „Das passiert alle hundert Jahre einmal“, erklärt Ca Meng. Die Götter scheinen es gut mit den Besuchern Balis zu meinen.

Weitere Informationen

Einreise: Der Reisepass muss noch ein halbes Jahr gültig sein. Das nötige Visum wird am Flughafen gegen eine Gebühr von 25 Dollar ausgestellt. Bei der Ausreise wird eine Flughafensteuer in Höhe von 150000 Rupien fällig, etwa 13 Euro.

Anreise: Es gibt tägliche Flugverbindungen von Europa auf die rund 12000 Kilometer entfernte Insel. Die Flugzeit beträgt rund 17 Stunden. Es fliegen Singapore Airlines über Singapur, Cathay Pacific über Hongkong und Qatar Airways über Doha nach Bali.

Währung: Indonesische Rupiah, zehn Euro sind etwa 122245 Rupiah. US-Dollar, Euro und Kreditkarten werden in Hotels und größeren Geschäften akzeptiert.

Übernachtungen:

Auf Bali gibt es Hotels und Gästehäuser für jeden Geldbeutel. Besonders schön gelegen ist das Four Seasons at Sayan nahe Ubud, wo jede Villa nicht nur einen eigenen Pool sondern auch einen Teich hat; ab 750 US-Dollar pro Nacht; www.fourseasons.com/sayan.

Wie Gott auf Bali fühlen kann man sich im Four Seasons at Jimbaran mit eigenem Pool und Blick aufs Meer, ab 680 US-Dollar pro Nacht; www.fourseasons.com/jimbaranbay.

Angelehnt an den Filmerfolg "Eat Pray Love" gibt es das Package "Bali Pray Love" für beide Anwesen ab 750 US-Dollar pro Nacht. Beide Hotels und unterschiedliche Arrangements für beide Hotels auch im Reiseband Asien Australien Südpazific und im Reisebuch Suite Dreams & Villas Bali von airtours: www.airtours.de.

Günstiger wohnen kann man im Eco Adventure Projekt in Bayad, Ferienhäuschen ab 68 US-Dollar pro Nacht: www.baliecoadventure.com.

Cooking School im Hotel Four Seasons at Jimbaran: Täglich in englischer Sprache, maximal zehn Teilnehmer, etwa 80 € pro Person.

Eco Adventures/Eco Walk: Der etwa zweieinhalbstündige geführte Spaziergang durch Gärten, Dschungel und Labyrinth mit Willkommensdrink und Pausengetränk ab 29 Dollar pro Person, www.baliecoadventure.com



Simone F. Lucas

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